Zweikommtvoreins

Paris. 

Montag.

Ich bin immer noch so empört, dass man Hotelzimmer verlassen muss. Da hat man einen Haufen Geld dafür bezahlt und alles und dann kann man nicht mal ordentlich ausschlafen bis 17 oder 18 Uhr, sondern wird theoretisch wie ein Hund vor die Tür gejagt.

Check- In erst ab 16 Uhr, aber Checkout schon um 12 Uhr Mittags, was soll denn das? Ich konnte die ganze zweite Hotelnacht vor Wut nicht schlafen, erst gegen früh um 5 hat es dann geklappt und deswegen konnte mich erst 11:45 völlig zerrüttet dazu bewegen, endlich aufzustehen,  bzw. aufstehen, um mich zu bewegen.

Dann bin ich aber nochmal extra lange unter die Dusche, um zur Strafe literweise schön heißes Hotelwasser zu verbrauchen und die fest montierten Shampooflaschen leerzumachen.

Früher, bevor der ganze Unsinn mit dem Umweltschutz losging, konnte man sich wenigstens die kleinen Seifen und Erfrischungstücher mitnehmen, als Erinnerung und die dann jahrzehntelang im Badezimmer in irgendwelchen Bastkörbchen bunkern.

Aber jetzt gibt es nur noch fest montiertes Duschgel und Shampoo. Das Duschgel mit 97 Prozent natürlichen Zutaten, das Shampoo aber nur mit 96 Prozent.

Da musste ich dann eben so viel wie möglich rauspumpen und mich maximalst einschäumen und hoffen, dass ich wenigstens bis zum Sankt Nimmerleinstag danach dufte.

Denn in diesen prosaischen Zeiten bekommt man in Hotels nichts mehr geschenkt: Keine Nähsets, keine Streichholzbriefchen, keine Kugelschreiber, keine Lotionen mit Aufdruck “Eden Roc”, oder “Ritz Carlton”.

NICHTS. Nichtmal Pantöffelchen mit Logostickerei oder Morgenmäntelchen. Und auch sonst, alles festgeschraubt, niet und nagelfest. Wie in einer Gummizelle. So sehen die einen nämlich. Die halten einen für Irre. Nich für Hotelgäste.

Flachbildfernseher an der Wand festgeschraubt, kann man nicht mehr aus dem Fenster werfen.

Schränke auch. Stühle und Tische zum Umschmeißen gibts auch nicht. Auch keinen Teppichboden zum Kippe drin ausdrücken und Rauchen darf man sowieso nicht und deswegen kann man sich auch nicht mal ein kleines Aschenbecherchen unter den Nagel reißen.

Ich habe dann in meiner Wut kurz überlegt, die Leinenbettwäsche in meinen Aldi- Beutel zu stopfen, aber das würden diese Halsabschneider doch an Booking.com melden und dann wars das für mich.

Lebenslanges Hausverbot in sämtlichen Hotels der Welt.

Andererseits: Lebenslang Leinenbettwäsche haben, wäre auch gut, dann brauch ich sowieso nicht mehr ins Hotel. Dann könnte ich ja immer zu Hause in meinem eigenen Bett bleiben.

Na, beim nächsten Mal mach ich das. Bereite ich mich besser vor und komm ich mit ner größeren Alditüte anmarschiert. 

Um 12 Uhr 30 war ich dann aus MEINEM Zimmer raus und bin dann aber noch mal in den „Club“ rein, durch den Noteingang.

Hab mir noch drei oder vier kostenlose Milchkaffee aus dem Automaten geholt und hab mich damit an den Rechner gesetzt.

Nach einer Stunde haben sie mir das WLAN abgedreht, ich glaube, der Rezeptionist hat einfach auf den Herzberg-Check-Out- Knopf gedrückt. Ich hab dann einfach mit meinem Handy über Hotspot weitergemacht und mir noch einen Kaffee geholt. Außerdem noch massig Kekse, Cola, Limo und Nektarinen eingepackt und mehr konnte ich dann dort nicht mehr anstellen.

Im Internet gabs auch nichts mehr für mich zu holen. Google News hat behauptet, es gibt keine News mehr und ich soll endlich abhauen.

Dann wurde es mir endgültig klar, jetzt muss ich wirklich gehen, weitermachen, nach Marseille fahren, die Kinder holen, nach Paris fahren, nach Berlin fahren, mein Leben leben.

Und damit aufhören, mich an etwas zu klammern, was keinen Bestand mehr hat und wo bleiben zu wollen, wo man mich nicht mehr will.

In meinem Zimmer wohnt jetzt jemand anders und die Leute vom Hotel denken nicht mehr an mich. Diese Schweine. Haben mein Geld und meine Liebe genommen und machen jetzt ohne mich weiter, als hätte es mich nie gegeben.

Ich finde das total ungerecht, aber jetzt bin ich halt wieder in Paris und schaue nicht mehr zurück, sondern nach vorne, also irgendwoanders hin.

Ich knabber trotzdem noch ein bißchen dran.

Mit so einem Hotel ist es wie mit Fernsehen oder Musik hören. Man kann einfach nicht damit aufhören, wenn man erstmal damit angefangen hat. Weil die ja auch nicht aufhören. Im Fernsehen wird ja trotzdem weitergesendet, auch wenn mans ausgeschaltet hat und Musik gibts ja auch immer noch, auch wenn ich sie gerade nicht mehr hören kann und das Hotel bleibt ja trotzdem stehen, auch wenn ich ausgecheckt wurde. Das ist eine echt harte Erkenntnis.

Aber das ist eben meine Lernaufgabe: Aufhören, Loslassen, Weitermachen. 

Ich gehe weg, entwickle mich fort, reise weiter und das olle Hotel bleibt einfach für immer dort stehen, am Place de la Liberté in Toulon.

Selber schuld, haha.

Und ich lande sicher bald wieder in einem neuen Hotel und zwar einem viel Besserem.

Ganz genau.

Mit Seidenbettwäsche nämlich und NOCH teurer und das ist dann endlich das Richtige und da kann ich dann für IMMER bleiben.

Falls nicht, dann nehme ich da aber auf jeden Fall die Bettwäsche mit, weil mir dann endgültig alles egal ist und dann werden die schon sehen, was die davon haben.

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