Wie kann es eigentlich sein, dass ich, wenn ich wach bin, immer müde bin, aber ich in meinen Träumen niemals müde bin?

Also im Traum hatten wir uns dann doch wieder irgendwie vertragen und das war sehr erfreulich. Aber er wollte dann, dass wir endlich damit anfangen, zusammen Kunst zu machen. Ich zögerte, aber er machte Druck, also sagte ich ja, weil sonst wäre das ein Beweis gewesen. Und ich wollte gerade anfangen, mit ihm sein Konzept durchzugehen und hatte den Skizzenblock aufgeschlagen, da bemerkte ich, dass er schon wild mit rosa und grünem Acryl losgelegt hatte, Männchen zu malen.

Außerdem hatte er das A3 Blatt herausgeholt, auf das er vor drei Jahren mal mit Filzstift eine gelbe Schlange gemalt hatte.

Vom Kopf abwärts war ihr Körper mit einem angedeuteten Schuppenmuster bedeckt, dieses war mit lila Filzstift gezeichnet worden, es ging teilweise über den Schlangenrand hinaus und war sichtlich lustlos ausgeführt und es fadete auch etwa nach einem Drittel des Schlangenkörpers aus, ab da war die Schlange nur noch gelb.

Dies Bild sei vollkommen ungerechtfertigt vor drei Jahren bei dieser großen Gruppenausstellung abgelehnt worden und das müsste man jetzt auch wieder irgendwie mit aufs Tapet bringen, meinte er.

Oh no, dachte ich. Die Schlange und deren Ablehnung war bisher bei jedem einzelnen unserer Dates Gesprächsthema gewesen.

Worauf habe ich mich da bloß wieder eingelassen, dachte ich, aber es war trotzdem so gemütlich bei ihm am Küchentisch und ich war so froh da zu sein und er entkorkte auch gerade eine Flasche Wein.

Da klingelte es an der Tür. Er war schon auf dem Sprung, um zu öffnen, als ich zu ihm sagte:

Du, sei mir nicht böse, aber wenn jetzt Leute kommen, dann kann es sein, dass ich in zehn Minuten gehe, weil ich da jetzt keinen Bock drauf habe und wolltest du nicht gerade unbedingt, dass wir endlich ernsthaft zusammen Kunst machen?

Ja, aber die können doch auch mitmachen, sagte er und ich sagte, vielleicht, aber mir ist das dann zu wild, aber ich hab dich trotzdem lieb.

Er dachte kurz nach und blieb dann sitzen und machte die Tür nicht auf und meinte, nein, er wolle konzentriert mit mir arbeiten und die Leute an der Tür könnten ihm gestohlen bleiben und wir beugten uns gerade gemeinsam über den leeren Skizzenblock und fingen beinahe schon an, als die Leute dann plötzlich vor uns standen.

Sie waren durchs Fenster geklettert, weil er ja nicht aufgemacht hatte, sie aber doch das Licht gesehen hatten.

Es waren ein alter Mann mit dickem Bauch und eine alte Frau mit dickem Busen und ein abgebrochener Zwerg in Latzhose.

Die wollten auch gar nicht lange stören, sondern nur kurz was besprechen und er meinte:

Nein, sie würden überhaupt nicht stören, wirklich nicht .

Und er zeigte ihnen die gelbe Schlange und meinte, er sei gerade dabei, die endlich fertig zu machen, damals hätte das ja mit der Einreichung bei der Gruppenausstellung nicht geklappt und sie meinten soso, und dann sprachen sie wirklich nur ganz kurz, über Wasserleitungen und Entlüftungsschlüssel für Heizkörper und ich dachte:

Das gibt Ärger, aber das ist mir egal und ich habe ihn gewarnt.

Und auch, wenn es ein bisschen gemein ist, weil er ja nichts dafür kann, wenn die einfach durchs Fenster hineinklettern.

Aber ich machte mich bereit, aus dem Fenster hinaus zu klettern und das Weite zu suchen.

Dann bin ich aufgewacht.

Ich dachte, huch, da bin ich aber froh, dass das nur ein Traum war.

Und:

Wie kann es eigentlich sein, dass ich, wenn ich wach bin, immer müde bin, aber ich in meinen Träumen niemals müde bin?

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