Wenn Frauen schlecht ist, brechen sie Gelübde

Ich hatte ihm ja so einiges gelobt, also versprochen im Überschwang. Also auch, nichts mehr im Internet über ihn zu schreiben, obwohl er das eigentlich gar nicht verlangt hatte. Oder doch? Jedenfalls ich wollte, dass sich da etwas ändert, aber es änderte sich nichts und darum habe ich mich auch immer noch nicht geändert, obwohl das wirklich dringend nötig wäre, weil diese Phase nun schon viel zu lange dauert. 

Der Überschwang kam daher, weil wir einander wie immer nicht nur gegenseitig gelobt, sondern sogar gepriesen hatten, der Großkünstler und ich. Also das scheint irgendwie den Kern unserer Beziehung auszumachen, oder ausgemacht zu haben, das gegenseitige Loben und Preisen.

Jetzt ist die Beziehung allerdings mal wieder ausgemacht, also mal wieder für eine zeitlang endgültig ein für alle Mal beendet. Allerdings nicht durchs Loben und Preisen, sondern durchs Tadeln. 

Ich wurde letztens von ihm dermaßen getadelt, dass ich (mal wieder) zu dem Schluss gekommen bin, dass er mir nicht gut tut. Das ist nichts Neues, aber dennoch kann ich mir das nicht merken. Ich mache so vieles, was mir nicht gut tut und ich bin doch gar nicht so wichtig und was solls, da wäre das doch auch schon egal, also ich bin sicher, ich könnte problemlos wieder bei ihm ankommen und alles wäre schön bis zu dem Moment, wo er wieder auf mich losgeht und dann wäre ich danach wieder eine Woche oder länger krank, na und? Bin ja nur ich und irgendwann gehts ja wieder und dann könnte ich mich ja ganz unverfänglich wieder bei ihm in Erinnerung bringen und wieder hingehen und mir wieder ein paar Schellen einfangen und da wäre ich selber dran schuld und ich könnte mich wieder völlig zerstört nach Hause schleppen und beim Warten an der Ampel einfach so in Tränen ausbrechen und meinen Alltag nicht mehr geregelt bekommen vor Kummer und wäre einfach nur selber dran schuld, denn warum bin ich denn überhaupt wieder hingegangen? Das ist dem Skorpion gegenüber auch nicht fair, sich wieder und wieder von ihm stechen zu lassen und sich dann jedes Mal darüber aufzuregen und das kann der Skorpion mir mit Fug und Recht vorwerfen, dass ich ihn nur dazu benutze, gestochen zu werden.

Ich habe ihn also nicht zurückgetadelt, denn ich trete niemanden, der am Boden liegt… (So sind Skorpione nunmal: Sie liegen am Boden…) Aber der soll mich eben auch nicht treten, oder stechen. Also doch… aber nicht SO. 

“Das war schon damals in Giessen vor 20 Jahren so….” sagte ein Freund nachdenklich, als ich ihm von diesem allerletzten aller letzten Morgen erzählte: “…die Frauen, die gern vögeln, geraten immer an die Arschlöcher.” “Wenn ich keinen Erfolg im Beruf hätte, wäre ich bestimmt auch so wie er…” setzte er hinzu.

Neinneinnein, ich will sowas nicht mehr und wie kann ich es schaffen, dass mir das nicht mehr passiert? Weil ich ja doch auch mehr oder weniger insgeheim darauf stehe, mich halbnackt in der Morgendämmerung, weit weg von zuhause, aus dem Nichts heraus, wie ein kleines Mädchen abkanzeln zu lassen.

Abgekanzelt werden und mit spitzem Zeigefinger Sachen unterstellt bekommen und Schuhe angezogen und Projektionen übergestülpt und in Schubladen gesteckt und in Töpfe geworfen und unterbrochen und mit Augenrollen und Kopfschütteln, offene Rechnungen präsentiert bekommen und mit irgendwas von vor einem halben Jahr zitiert werden und unterbrochen werden und dann zum Gehen aufgefordert werden.

Bisher hat der Großkünstler jedesmal “danach” ein Drama veranstaltet, also es war ihm wichtig und es trieb ihn dazu und er kann nicht anders, als mich nach den Momenten der Nähe und Zärtlichkeit, zurückzustoßen. 

Aber neuerdings wartet er nichtmal mehr ab, bis es vorbei ist, sondern er fängt schon WÄHREND dem Sex damit an, mich zu tadeln. Ich finde, das ist reine Selbstzerstörung die er da betreibt und ich sehe es gar nicht ein, dass meine Zerstörung, Teil seiner Zerstörung sein muss, aber was kann ich da machen? Ich habe keine Chance gegen ihn und ich will doch sowieso auf gar keinen Fall eine gegen ihn haben, also irgendwie gegen ihn sein. Ich wollte ihm waffenlos begegnen und ihn weder haben, noch kriegen, noch was von ihm wollen, weil das erstens streng verboten ist und zweitens, es da auch nichts zu kriegen, zu wollen und zu haben gibt. Jedenfalls nicht für mich.

Dabei mache ich sowieso alles, was er will, aber freiwillig und ohne Hintergedanken und aber das ist eben der Fehler, denn ich tue es seiner Meinung nach nicht engagiert genug und wie sollte ich ihm das Gegenteil beweisen und warum sollte ich das. Denn was hätte ich davon und das klappt sowieso nicht und alles ist nur noch Misstrauen und Missverständnis und traurig und doof und schmerzhaft und es führt zu nichts. 

Natürlich mag ich die Aufmerksamkeit, die mir da geschenkt wird, erst die positive, dann die negative. Aber ich habe trotzdem die Nase voll davon. 

Auch weil es sich nicht nur um seine Einschätzung meiner Person handelte, die ich nach/ während/ anstatt dem Sex bekam, sondern auch um die Expertise seiner Freunde über mich, die er an mich weitergab. Offenbar macht er mich in seinen Kreisen zum Gesprächsthema, was mich nicht wundert, weil andere Leute und ihr undankbares, unmoralisches, abweisendes Verhalten ihm gegenüber, des Großkünstlers wichtigstes Gesprächsthema sind und er mit der ganzen Welt aufs Kriegsfuß steht, weil er mit sich selbst auf Kriegsfuß steht. Warum sollte ich da eine Ausnahme sein, aber trotzdem. Seine Agenda gegen mich ist lang und steif und knallhart, obwohl oder weil ich doch einer seiner liebsten und wichtigsten Menschen bin, wie er immer wieder betonte und sowieso wir beide für immer beste Freunde und er doch für mich IMMER ALLES tun würde und er mich doch NIENIENIE mit Absicht verletzen würde, wie er sagte, um es im gleichen Atemzug zu tun. 

Ich dachte, irgendwie bin ich Johnny Depp und der Großkünstler ist Amber Heard und ich muss mir das nicht so zu Herzen nehmen. Wenn sowas sogar jemandem wie Johnny Depp passiert, dass er sich jahrelang von einer Zicke triezen lässt, dann ist es nicht ehrenrührig, wenn mir das Gleiche passiert, aber es tut trotzdem sinnlos weh.

Um den Schmerz zu lindern, entschied ich, es als Kompliment zu betrachten und auch als Liebeserklärung und als Zeichen von Intimität, seinen ungerechtfertigten, riesigen, roten, großen Zorn auf mich. Aber was habe ich davon, auf so eine destruktive Art geliebt zu werden? 

Das tut mir zu weh und das tut mir nicht gut und ich darf da nicht mehr hingehen, weil es zu gefährlich wäre und weil da zu viel Aggressivität stattfindet und ich auch keine gute Krankenschwester bin und wäre und dafür soll er sich lieber eine Andere suchen. Eine, die duldsamer ist und geduldiger und weniger impulsiv und egoistisch und eine, die ihn da besser auffangen kann, wenn er seine Zustände bekommt und vor allen Dingen eine, die es ihm besser besorgen kann. Denn da ging es mit dem Eingeständnis seiner Unzufriedenheit los…

Dabei gab ich mir gerade solche Mühe und ich fand es auch schön, ihn in meinen Händen zu haben, aber er sagte wortwörtlich: “Andere haben es mir schon besser besorgt.” 

Und dann sollen die das dann aber auch machen und ich jedenfalls nicht mehr, weil ich das ja gar nicht so gut kann.

Was mir also helfen wird, mich in Zukunft wirklich von ihm fernzuhalten, ist nicht der Fakt, dass er mir nicht gut tut, sondern dass ich mir sage, dass ich ihm nicht gut tue. Das kann ich mir gut merken, da fühle ich mich abgeholt, denn das wäre das Letzte was ich will, es jemandem schlecht zu besorgen.

Ich zog mich also zutiefst verletzt zurück und als danach nichts mehr von ihm kam, dachte ich, wenn das so ist, dann kann ich auch mein Gelübde brechen, “sowas” nicht mehr zu machen, also meinen, ihn betreffenden Kram ins Internet zu schreiben und meine Erfahrungen zu teilen.

Weil ich das doch so gerne mache, auch wenn es nichts Neues ist und eigentlich immer wieder dasselbe. Aber so ist das eben, wenn man sein Thema gefunden hat. Die Venga Boys beispielsweise, die machen ja auch immer nur Eurotrash und AC/DC machen auch immer nur eine Art Rockmusik und ich mache eben sowas. Es sei denn, ich gründe irgendwann mal eine neue Band mit anderen Leuten. 

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