Vierkommtvordrei

Donnerstag.

Am Strand.

Als ich mich auf meiner Geheimklippe niederlasse, werde ich von dem nackten Mann in der Nebenbucht beäugt. Zufall, denke ich, ignoriere ihn, gehe schwimmen, will sowieso nicht lange bleiben und als ich fortgehe, steht er da, breitbeinig im Wasser, grinst zu mir rüber und reibt sich den steifen Schwanz. Kein schöner Anblick. 

Ich gehe meines Weges und sage oben im Restaurant Bescheid, dass da unten ein Perverser seine Freizeit verbringt. Sie sollen die Polizei rufen. Ich habe nämlich kein Handy dabei und kann es nicht selber tun. Ich sage: 

“Bonjour Monsieur, da unten am Strand ist ein nackter Mann….”

“Das ist normal….” unterbricht mich der Eisverkäufer.

Warum wird man immer als erstes selbst in Frage gestellt, wenn man die Aktivitäten von Perversen anprangert. 

“Ja klar, nackt sein ist normal…” setze ich fort: “… aber er…” 

Mir fällt das französische Wort nicht ein und deswegen deute ich die entsprechende Bewegung an.

“He masturbates?” Hilft mir der Verkäufer.

“Yesssss.” 

Die blauen Augen über der Atemmaske werden aufgerissen, jetzt hat er es geschnallt. 

„Je vais appeler le police, tout-de-suite.“

„Merci Monsieur.“

Ich gehe weiter, ich hoffe er ruft wirklich die Bullen und sie kommen und klettern runter und schnappen ihn und führen das Schwein ab.

Hoffentlich treten sie ihm im Polizeiwagen ordentlich in die Eier. 

Aber wahrscheinlich wird gar nichts passieren. Wahrscheinlich wird er die Polizei nicht rufen. Shit happens, Überraschungen seien auf dem Gebiet nicht möglich, all men are bastards, wurde mir neulich gesagt, von Typen gäbe es nichts zu erwarten. 

Ganz genau. Als ich die Sache Eric Blanc erzähle, kommt die typische Reaktion: Es könne auch Zufall gewesen sein. Ob ich sicher sei. Warum ich nicht einfach zu ihm hingegangen wäre und ihm geholfen hätte, hahaha. 

Ich bin ja auch selber schuld, wenn ich ohne Bikini bade und außerdem, ganz normal, ich stelle mich auch immer gern allein nackt ans Meer, wichse im Stehen und schiele dabei nach einsamen Ladies, zische ich ihn an. Eric Blanc lacht. Ich soll mich nicht immer gleich so aufregen, wenn er Scherze macht. Aber wenn ich mich aufrege, rege ich mich auf, soll ich mich deswegen jetzt etwa auch noch mies fühlen?

Aber das Leben ist zu kurz, um sich zu lange mit perversen Wichsern zu befassen. Egal, ob in Berlin, Südfrankreich, Südhessen oder Süditalien: Nirgendwo ist man vor ihnen sicher. 

Also Schatz, was lernen wir daraus? Vergiss dein Handy nicht, wenn du zum Strand gehst. Weil man eben alles selber machen muss, sei es wichsen oder eben die Bullen rufen, falls es ein anderer tut.

4 Kommentare

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dann könntest du ihn auch dabei filmen und herausfinden, wie er heißt und wo er wohnt, vielleicht vorher seine Kleider klauen vom Felsen, während er im Wasser wichst und dann seiner Mutter, Frau, Arbeitgeber das Filmchen schicken oder ihn vorher erpressen und mit dem Geld könntest du dir dann ein schönes Haus am Meer kaufen und das Video dann trotzdem mit seinem Namen auf fb verbreiten und… das setzt bei mir sehr viel kriminelle Energie frei.
Bleib in Frankreich, bleib im Sommer, bleib am Meer, das steht dir so gut!!

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