TEXT GEGEN ANTISEMITISMUS

Ich bin gegen Antisemitismus. Antisemitismus ist böse und nervt. Ein Mensch, der irgendwie irgendwo, in sich auch nur das kleinste antisemitische Ressentiment trägt, ist wertlos. 

Ist verdorben. Ist wie ein wunderschöner Apfel mit einer faulen Stelle. 

Selbst, wenn man die faule Stelle rausschneidet, schmeckt man sie doch im ganzen Apfel durch. Dann kann man den Apfel nicht mehr essen. Dann muss man ihn auf den Kompost schmeißen. Schade um den schönen Apfel.

Ein antisemitischer Mensch ist wie eine gestempelte Briefmarke, ein gelochtes Billet. 

Egal wie neu, wie glänzend, wie frisch und rein das Papierchen ansonsten sein mag. 

Es taugt nichts mehr, wenn da ein antisemitisches Loch drin ist. Dann kannst du es nur noch ins Recycling geben. 

Ein antisemitischer Mensch ist wie ein wunderschöner Salon, mit Teppichen, Kamin, Bücherregalen, Vorhängen und allem. 

Aber wegen antisemitischer Verunreinigung stinkt es darin dermaßen nach Scheiße, dass man nur noch schreiend rausrennen kann. 

Antisemitismus ist wie, wenn du komplett verliebt in einen wunderschönen Mann bist.

Du hast ihm dein Herz geöffnet, du warst bereit ihm alles zu geben. Du hast ihn in dein Innerstes gelassen, du hast seine Füße geküsst, du bist für ihn durchs Feuer gegangen, du hättest dein Augenlicht für ihn gegeben, du warst seine Braut und er dein Bräutigam.

Aber er hat nur mit dir gespielt. 

Er hat dich eiskalt betrogen und verraten. Er hat dich benutzt und beschmutzt. Er hat auf dein offenes Herz gespuckt und in dein Bett gefurzt und dich entehrt und dir ins Gesicht gelogen und sich an deinen Schmerzen geweidet und jetzt ist er dir deswegen zuwider. 

Der Mann, der dich betrogen hat, ist wie ein fauler Apfel, wie ein Salon mit einem Scheißhaufen in der Ecke, ist wie ein abgelaufener Fahrschein, ist wie ein antisemitischer Mensch.

Deswegen ist es nicht gut, antisemitisch zu sein. 

Ich weiß, es ist kompliziert. Die Juden sind ein übles Pack. 

Verlogen, hinterhältig, schwach, geldgeil, ängstlich.

Ausgeliefert ihren dunklen ungezügelten Begierden.

In alle Ewigkeit Getriebene, 

in alle Ewigkeit gefangen im Wahn.

Feige, faul, voller Misstrauen, Neid, Selbsthass, Mordlust, Todestrieb.

Dabei kleinlich, geizig, engstirnig. 

Wankelmütig, sentimental.

Ebenso widerwärtig wie wunderschön.

Abgrund und Apotheose.

Krone der Schöpfung, Schandfleck des Universums.

Fratze des Teufels, Ebenbild Gottes. 

Das auserwählte Volk.

Scheißeschippende Opfer ihrer Zunft.

Unmenschen wie du und ich.

Juden sind böse.

Antisemitismus ist böser.

Es gibt auch nette Juden. 

Einige meiner besten Freunde sind Juden. 

Die sind ganz normal, man merkt denen gar nichts an. 

Wenn man nicht wüsste, was Sache ist, dann käme man gar nicht auf die Idee. 

Trotzdem haben die das bisher nicht für irgendwelche finsteren Machenschaften ausgenutzt. 

Weil ihr Glaube ihnen das verbietet.

Ich hänge gern mit meinen jüdischen Mitbürgern rum.

Denn Jüdinnen und Juden sind so einfühlsam. 

Vielleicht liegt das an ihrer speziellen Geschichte? 

Transgenerationelles Trauma.

Immer in Hab- Achtstellung, falls es einen Progrom gibt. Deswegen aber auch so aufmerksam und empathisch.

Man kann sich mit Juden richtig gut unterhalten – so deeptalk meine ich. 

Und bestimmt auch deswegen so humorvoll.

Viele Leute mögen Humor ja nicht so gerne, especially in Deutschland. 

Aber:

Humor immer noch eine bessere Coping- Strategie als Selbstmordattentate. 

Auch in Sachen Schminke und Frisuren lasse ich mich am liebsten von meinen Judis beraten. Wir machen dann immer so “Mädelsabend”. 

Also Prosecco, Outfits ausprobieren und über Jungs reden. 

Judis lassen da nichts anbrennen und erzählen oft die krassesten Stories. 

Weil sie einfach dieses gewisse Etwas haben…

Es ist übrigens ganz normal, Juden heiß zu finden.

Dafür braucht man sich nicht zu schämen.

Das kann eine Phase sein, die ebenso rasch vorbei geht wie sie gekommen ist. 

Das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. 

Egal wie es dir damit geht: 

Ob es bei einer einmaligen Begegnung bleibt, oder ob du dich dein Leben lang von Juden angezogen fühlst. 

Es ist, wie gesagt, auf jeden Fall ganz normal. 

Wie auch immer es dir damit geht und wie nahe du Juden kommen möchtest, oder wie nahe sie dir kommen möchten.

Vielleicht hast du immer noch dieses alte Vorurteil im Kopf und du fürchtest dich deswegen vor Juden. 

Aber es ist schon lange felsenfest bewiesen:

Bloß weil man gern mit Juden abhängt, kuschelt oder sogar rummacht, bedeutet das nicht, dass man deswegen jüdisch wird.

Als Jude wird man geboren. Jude kann man nicht plötzlich werden. 

Auch nicht, wenn man Bob Dylan Fan ist, oder Kate Hudson hot findet. 

Deutsche wollen ja unbedingt Juden sein. 

Ich weiß das, denn einige meiner besten Freunde sind Deutsche. 

Aber es sind nette Deutsche. Ihre Opas haben im zweiten Weltkrieg Juden gerettet.

Außerdem sind meine Deutschis keine Deutschis sondern, sie haben es geschafft. 

Zwar konnten sie keine werden, indem sie mich anfassen, dafür haben sie festgestellt, dass sie auch irgendwie als Juden geboren wurden. 

Sie haben herausgefunden, dass ihre Großtante, Großonkel, Bruder des angeheirateten Cousins der Halbschwester ihrer Großmutter, also, dass es da so ein Familiengeheimnis gibt. 

Eine ominöse hakennasige Person, die da wohl vor hundert Jahren mal eine Schwangerschaft verursacht hat, worauf eiligst geheiratet werden musste.

Den dann vom Pfarrer persönlich hemdsärmlig in der Dorfkirche bei Nacht und Nebel getauft und dann nie wieder drüber geredet. 

Oder es gab diese Urgroßbase väterlicherseits, die passte nicht zum Rest der Familie. 

Nur einmal ward sie gesehen, sie blieb aber deutlich in Erinnerung.

Man war ja noch ganz klein, hat sich gegrault, wegen Schnurrbart und Bass-Stimme. 

Der ihr Geburtsname war Goldberg, na bitte.

Woher auch dieser rote Schimmer im Haar stammt, im Gegenlicht und diese hübsche Biegung der Nase, guck mal, die ist doch nicht arisch, niemals.

Das haben die Juden mit den Elefanten gemeinsam.

Wenn ich jetzt in einem Raum bin und in dem steht mitten drin ein Elefant. 

Und ich mag aber Elefanten nicht, weil ich Anti- Elefant bin, dann kann sich der Elefant ja nicht deswegen in eine Maus verwandeln, oder? 

Wenn man ihn aber nicht schlachten darf, obwohl man Elefanten nicht ausstehen kann, dann ist doch das Einzige, was man in dem Fall machen kann, den Elefanten zu ignorieren. 

Und dann steht er da die ganze Zeit herum, dieser riesige Elefant im Raum, bis es nicht mehr geht. 

Was soll man denn da machen?  

Etwa plötzlich aufhören, Anti- Elefant zu sein? 

Ok, aber nur, wenn er aufhört, Elefant zu sein.

Aber man kann es auch lassen, anti irgendwelche Elefanten oder deresgleichen zu sein.

Die Juden brauchen gar keine extra People Of Anti, seien es nun Deutschis, Amis, Habibis, Franzacken, Russen, Polacken oder Dumpfbacken. 

Sondern es gibt Juden die erledigen deren Drecksarbeit von ganz alleine. 

Ja. Kein Witz. 

Es gibt Juden, die verbreiten unermüdlich tagein tagaus den wüstesten antisemitischen Scheiß.

Da könnten einem echt total die Ohren schlackern, wenn man ein Elefant wäre. 

Wenn das ein Pali in Deutschland sagen würde, was die so von sich geben, dann würde man den einsperren und abschieben?

Nein. Kann er also machen, braucht er aber nicht. Dankenswerterweise braucht niemand mehr seinen eigenen Müll zu generieren.

Dank der Anti-Juden-Juden kann jeder, der mal richtig einen vom Stapel lassen will, allüberall jedwede Gülle ungestraft von sich geben, solange er dazu sagt, dass er da nämlich gerade einen Juden zitiert hat.

Wie auch immer. 

Antisemitische Leutz und Antisemitische Judis sind unrein, verseucht, vergiftet, versaut.

Sind quasi wie das Brunnenwasser, von dem er behaupten, dass die Ihrigen es vergiftet hätten.

Darum muss Antisemitismus geächtet werden. 

Nie wieder ist jetzt. 

Und das sage ich ganz klar und unmissverständlich und dazu stehe ich nach wie vor mit allem Nachdruck.

Wie ich das übrigens auch schon von Anfang an selbstverständlich getan habe – und ich wehre mich entschieden gegen die Versuche, die von den altbekannten Schandmäulern der tiefbraunen Rechten kommen, welche schamlos jede Gelegenheit nutzen, Stimmung auf Kosten der unterdrückten Unschuldigen zu machen und leider auch von einigen Hetzern und Schreiberlingen, die jetzt Morgenluft wittern und im Zuge der brandgefährlichen landesweit erhitzten Debatte ihr Fähnchen nach dem Wind hängen und mit der polemischen Presse gemeinsame Sache machen und jeglichen moralischen Kompass zu vermissen übrig lassen. 

Aber diese haben den Boden der Debatte verlassen und sich damit ein für alle Mal disqualifiziert. 

Wer unter dem vermeintlichen Deckmantel des Kampfes, 

gegen einen wohlfeil sogenannten,

überall gewitterten Antisemitismus, 

Hass verbreitet 

und sich heroisch gebend, 

Hexenjagden initiiert-

Wer eiskalt aufbauscht 

und mit zynischer Rhethorik,

Stimmen der Vernunft diffamiert – 

anstatt sich dem antisemitischen Sumpf 

und dem wiedererstarkenden Rassismus der Rechtsaußen

im ganzen Land entgegenzustellen – 

Der macht sich zum Handlanger der Antisemiten, 

sei es aus Kalkül, 

sei es aus

-auch den eigenen Prägungen, 

durch falsch verstandene Auffassungen, 

einer selbsternannten moralischen Elite,

durch Angehörige der Enkelgenerationen –  

Oder schlichtweg aus Ignoranz.

Ich aber lasse mich nicht spalten. 

Und zwar hundertprozentig. 

Jüdinnen und Juden dürfen hierzulande nicht 

Leidtragende von der Gewaltspirale werden, 

ausgelöst durch die über ein halbes Jahrhundert andauernde,

gnadenlose und willkürliche Bedrohung,

der komplett Entrechteten 

und heimatlos Gemachten. 

Ebensowenig wie Zivilisten und Zivilisten – 

und zwar ausnahmslos allen 

und erst recht den Unschuldigen – 

die es wohlgemerkt auf beiden Seiten gibt.

Und –

Ich füge es dieser Stelle mit aller,

jeglicher, absoluter und totaler Deutlichkeit hinzu 

– den Unschuldigen auf ALLEN Seiten. 

Das muss ganz klar sein. 

Das muss immer Basis der Debatte sein

und da dürfen wir keinerlei Kompromisse machen.

Schlimm,

dass man diese elementaren Selbstverständlichkeiten,

in diesen Zeiten extra dazusagen muss.

Was,

wohlgemerkt auch zu einem großen Teil, 

an der Hetze sogenannter “Qualitätsmedien” liegt, 

die sich auf diese Art von der Verantwortung 

für ihren Anteil am vergifteten Diskurs

reinzuwaschen versuchen.

Es gibt keine Gewinner in diesem Spiel. 

Um so wichtiger ist es deswegen, 

denjenigen entgegenzutreten, 

welche die Debattenräume verengen möchten

und sich anmaßen, 

wichtigen jüdischen (!) Stimmen 

das Wort verbieten zu wollen. 

Mittlerweile muss man sich schon die Frage stellen, 

ob Hannah Ahrendt hierzulande den 

Hannah – Ahrendt -Preis bekommen würde. 

Apropos.

Wie nennt man das eigentlich, 

wenn Deutsche Juden den Nahostkonflikt erklären wollen? 

Es macht Angst, 

wie weit hierzulande mittlerweile die Bestrebungen gehen, 

unliebsame Stimmen im vorauseilenden Gehorsam 

wegen eines angeblich “aufgeheizten Klimas” mundtot zu machen. 

Es ist noch gar nicht so lange her, 

dass in Deutschland Bücher verbrannt wurden. 

Und wer Bücher verbrennt, der verbrennt auch Menschen. 

Geschichte darf sich nicht wiederholen. 

Wehret den Anfängen. 

Gegen Antisemitismus ich bin.

Es ist noch nicht zu spät.

Es ist jetzt.

Nie wieder ist jetzt. 

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