Siebenkommtvorsechs

Freitag. Paris.

Ich traue mich schon gar nicht mehr die Antwortmails meiner Ferienwohnungsvermieterin im Süden zu lesen. Ich bin wahrscheinlich der most evil Gast den sie je hatte und sie ist nur eine arme alte Dame, die ein paar falsche Angaben in der Annonce gemacht hat. Sie hat nämlich vergessen, zu sagen, dass der Pool extra Eintritt kostet und dass die Terrasse eigentlich eine Loggia ist. Aber weil ich seit meiner schlimmen Erfahrungen mit dem Bösen absolut keine Demütigungen mehr ertrage und nicht den geringsten Anflug von schlechter Behandlung, habe ich ihr knallharte Ansagen gemacht, lasse mir das Eintrittsgeld für den Pool von ihr erstatten und mal sehen, was mir noch so alles einfällt. Ich stelle mir vor, dass sie jetzt vor Angst vor mir zittert und das ist besser so, denn auch ich habe falsche Angaben gemacht. Wir sind nämlich zu fünft, statt zu dritt. Vielleicht sogar zu sechst. Naja und so weiter. Jedenfalls bin ich jetzt schon gestresst deswegen, aber auf eine positive Art, denn ich habe angefangen mit dem Stress und sitze deswegen am längeren Hebel. Das Leben ist ein Kampf und jetzt traue ich mich nicht, ihre Mails zu lesen, weil ich halt doch ein Weichei bin. Ein von Feinden umgebenes Weichei.

Aber wenn wir erstmal da sind, und in der brütenden Sonne im Sonne im Sand liegen und ich mich vom mittelmeerischen Salzwasser umspülen lasse und dann wieder im Sand liege und in der französischen Vogue blättere und abends trinken wir Rosé auf der Strandpromenade und eine Band spielt Achtziger Jahre Hits, dann wird sich alles in Wohlgefallen auflösen. Und wenn jemand mir dumm kommt und sein Badetuch zu dicht neben meins legt, oder mir das Wechselgeld nicht richtig rausgibt, oder ein Hund zu laut bellt, oder eine Mücke mich beißt oder ein Grashalm mich kitzelt, dann werde ich ein Riesenfass aufmachen, soviel ist sicher. Das Schöne am Mittelmeer ist ja, dass man notfalls auch am Strand schlafen kann und dass es nicht die Ostsee ist und das gute Essen. Außerdem habe ich doch gerade ihre neueste Mail gelesen und sie ist zahm und unterwürfig und schuldbewusst wie ein ganz kleines Tierchen und ich darf mich davon nicht einwickeln lassen.

Außerdem werde ich die ganze Zeit arbeiten müssen, im Not- Home- Office sozusagen. Zwei Großaufträge kamen hereingeflattert. Eigentlich sogar drei, somit ist die ganze Frankreich- Eskapade refinanziert. Ich wusste es ja. Geld muss man ausgeben, damit es wieder reinkommt. Das Konto muss leer sein, beinahe schon im Minus, um das dringend nötige Vakuum zu erzeugen, beziehungsweise Platz für neues Geld zu schaffen. Jedenfalls war das bei mir immer so und so ist es ja auch.

Wenn ich in den Ferien arbeiten muss, muss ich danach wieder Ferien machen und wo fahre ich dann hin? 

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