Sechskommtvorfuenf

Samstag. 

Paris.

Vielleicht hätte ich gestern Abend schon packen sollen? Ich darf hier doch nichts vergessen. Die Bluetooth- Box, das Ernst- Jünger- Buch, die Ladekabel, die neuen Schuhe, die alten Schuhe, die neue Sonnenbrille, die alte Sonnenbrille, den blauen Pulli, die anderen Pullis,  die Stifte, die Öle, die Cremes, den Schmuck, die Tücher, die Pfirsiche, den Kaffee, den Wein. Das muss alles mit, wär doch schade drum. Die Haarspangen, die Zigaretten und den Müll raus, den Abwasch machen, nochmal duschen? 

Gestern beim letzten Mal im Park auf den Eiffelturm in der Ferne gesehen und doch noch geheult. Will nicht weg. 

Es ist immer dasselbe. Da ist man mal vier Wochen in Paris und schon will man nicht mehr weg. Nachher fahre ich dreieinhalb Stunden TGV. Werde ich dann auch heulen, wenn ich aussteigen muss? Ja klar. Und dann zwei Wochen Mittelmeer. Ich darf garnicht dran denken, was dann erst los sein wird. 

Na vielleicht hängen wir noch eine Woche dran. Die Schule geht ja erst am 7. August los, glaube ich. Oder zwei Wochen. Einschulung ist ja erst am 15. 

Vielleicht gibts ja bis dahin auch endlich die Große Zweite Welle. Bisher verliefen die Wellenbewegungen ja eher enttäuschend. Lokale Beschränkungen für Gütersloh, Barcelona und irgendwelche vergammelten Hochhäuser. Davon hat doch keiner was. 

In Frankreich gilt seit ein paar Tagen immerhin wieder Maskenpflicht für alle in geschlossenen, aber öffentlich zugänglichen Räumen. Vor Kurzem waren wir hier noch nachts in einer rappelvollen Bar. Nicht lange, weil drinnen durfte man nicht rauchen und draußen aber nicht trinken. Aber immerhin: Bar, Bier, wir. Es war trotzdem schrecklich dort und nicht nur wegen der Raucherei, aber immerhin, es ist passiert.

Wie auch immer, ich schreibe jetzt nur, um mich vor dem Packen und Aufräumen zu drücken. Ich hasse das so sehr, diese Übergangssituationen. Dieser Druck! Alles bedenken, nichts vergessen, pünktlich sein! Und dann mit dem ganzen Gepäck zum Bahnhof und zum Zug und dann umsteigen in die Metro und dann zum richtigen Bahnhof und dann fahren und dann nochmal umsteigen und dann in den Bus und dann mit der fremden Frau reden. Oh Gott, oh nein, oh Gott. 

Und jetzt ist es schon halb neun und um halb elf müssen wir los. Oder ist das übertrieben? Der Zug fährt ja erst halb eins. Aber man weiß ja, wie das ist.

Nämlich immer alles ganz anders. Und deswegen. 

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