SAPHIRE, neongrün

Ich habe mir in den Winter/Vorfrühlingsmonaten ja manchmal ernsthaft Sorgen um meine geistige Gesundheit gemacht, wegen emotionaler Labilität. Ich war schon am Psychologen googeln, aber die drei im Umkreis, die auf “Doctolib”, schleunigst und sofort, bar bezahlbare Termine anboten, kamen für mich nicht in Frage.

Weder wollte ich in die Choriner Straße zum “Seelencoaching” gehen, noch auf der Danziger mit “Psychedelischem Neo- Schamanismus” getriezt werden, noch der “Detox- Voodoo- Dance- Chakra- Group im luftigen Licht- Loft” beitreten.

Also blieb mir wieder mal nichts weiter übrig, als zu Großmeister Y auf die Ranch zu pilgern.

An einem sonnigen Spätnachmittag, führte er mich durch seinen heiligen Garten und zeigte mir die Kupferspiralen, mit denen er seine Quittenbäumchen revitalisierte.

Anschließend war ich damit dran. Wir stiegen in seinen, so gut wie nagelneuen, Opel- Escort, denn nun ging es zum Badesee. Dort “badete ich an”, bzw. taufte ich mich selbst wieder. Gläubig stieg ich aus den Fluten.

Danach plünderten wir den nahegelegenen Aldimarkt, um körpereigenes Adrenalin zu produzieren.

Dann grillten wir die Beute, verschlangen sie und tranken dazu den vom Großmeister höchstpersönlich in der Privatkapelle destillierten Schlangenwurzspirit.

Und ich darf ja eigentlich nichts trinken, schon gar nicht in meinem Zustand, aber genau deswegen war ich ja gekommen.

Jedenfalls kam es, wie geplant, zu der unterbewusst geplanten TOTAL- Eskalation und Synapsen- Neuprogrammierung, also der „Angeleiteten gegenseitigen Selbstrettung“.

Auch der Großmeister nämlich, hatte es mal wieder nötig und da helfe ich gern.

Im Mondschein tanzten wir ums Feuer. Sein weißes Haar flackerte mit dem Feuer um die Wette, seine Augen sprühten Funken und strahlten groß und grün, wie Neon- Saphire.

Ich erlangte das Bewusstsein davon zurück, dass alles gut und schön und richtig ist und falls nicht, auf jeden Fall ich und ganz besonders er.

Mehr muss man nicht wissen, um klarzukommen.

Wann und wie ich nach Hause gekommen bin, weiß ich nicht mehr.

Ich warf ich mich am ganzen Leib zitternd auf mein Bett, starrte dort für ein paar Stunden an die Decke, und beobachtete die wunderschönen regenbogenfarbigen ultrakomplexen Muster, welche die Sonnenreflexe bildeten, die Durchschlupf durch meine lichtschluckenden Vorhänge fanden.

Irgendwann erhob ich mich, endgültig leichten Herzens und Sinnes und erledigte mein Tagwerk als ein neuer Mensch.

Außerdem half mir, dass in dem Buch was ich gerade lese, steht, dass Freud denjenigen als “geistig gesund” definiert, der fähig ist, zu lieben und zu arbeiten.

„Haha, na gut, das klappt bei mir eigentlich immer…“, sagte ich mir und markierte mir die Stelle.

Besonders das LIEBEN klappt.

Das Problem ist nur, dass mir zwischendurch hin und wieder die männlichen Liebesobjekte ausgehen, also die Sexualpartner, weil ich die einfach in Grund und Boden liebe, wofür ich mich an dieser Stelle entschuldigen würde, wenn ich es schlimm fände.

Aber was soll daran schlimm sein, von mir in Grund und Boden geliebt zu werden, weil ich bin ja “das Gegenteil von toxisch, aber auf eine schlechte Art”, wie meine Tochter mir neulich sagte.

Woraufhin wir herzlich gelacht haben.

Ich müsste bei den aktuellen Bewerbern einfach nur, nicht mehr nur darauf achten, dass die gnadenlos attraktiv, witzig, schlau und interessant sind, sondern auch geistig gesund.

Das heißt, ebenso wie ich, zum Lieben und Arbeiten fähig. Also ich wünsche mir mehr Traum, weniger Trauma, weil es ja sonst schon wieder so schrecklich schade um uns wäre. 

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