Plus8

Dienstag.

Berlin.

Wir sind wieder da. Back in town. Waren schon das dritte Wochenende nicht hier, sondern “auf dem Lande”. Haben den Glutofen Berlin- City am Freitag verlassen. Sind bei 35 Grad in den Regionalexpress gestiegen und sind in die Schweiz gefahren, also die märkische, ins Exil zu Mr. X. 

Hab mich noch ein Wochenende vor der Stadt und ihren Versuchungen versteckt. 

Lange geht das nicht mehr gut. Die Zugfahrten schlauchen und abends kommen die Mücken und kalter Wind am Tage. Also nächstes Wochenende vielleicht trotzdem nochmal weg, Schorfheide womöglich, mit dicken Pullovern und 10 Litern Autan. Aber dann gehts wieder los. 

Es steht schon alles fest. Erst der Geburtstag von H1 (mal sehen), dann der von H3 (kommt drauf an), dann Atelierbesuch mit Übernachtung beim Großkünstler (auf gar keinen Fall), dann “kleiner Kreis” bei Y (bitte nicht), dann die Party von N (von wem?), dann das exklusive Geheimdinner (nö). 

Bis Mitte September wird sich ein Hangover an den nächsten reihen (No Way), kein Sekündchen Zeit für schlechte Laune übrig bleiben (schön wärs) und mal sehen, was dann überhaupt noch von mir noch übrig ist. (hoffentlich nichts)

Ich muss mich den Events stellen und es durchziehen. Am Leben teilnehmen, heißt leben und nicht zu Hause herumliegen und sich verstecken.

Ich muss also, wie gehabt, alles hinkriegen: 

Kinder, Haushalt, Arbeit, gesellschaftliches Leben, Liebesleben, Bürokratie, Fun, Verpflichtungen, Kultur, gute Laune, trainierter Körper, lackierte Fingernägel, bezahlte Miete, klarer Kopf, Ekstase und Entspannung.

Und überall in jedem Fall 100prozentig performen, besonders in den Bereichen: Liebesleben, Arbeit, Haushalt, Kinder, Fun, Verpflichtungen, Bürokratie, gute Laune, Kultur, trainierter Körper, bezahlte Miete, lackierte Fingernägel, Ekstase, Kultur, Entspannung, klarer Kopf und guter Laune.

Aber erstmal sich horizontalisieren, die Fluffigkeit von Kissen und Decke überprüfen, nachhorchen, was in der Matratze so abgeht. Ein Schläfchen halten, damit es nicht herunterfällt, die Äuglein schließen und die Armmuskeln befühlen: Wow, stark wie Herkules. (Ich bin das letzte Biest am Himmel) 

Bleibe noch ein bisschen so, flachgelegt, flach atmend, bleibe ich so, so lange es geht, bleibe so, bis das Telefon klingelt: 

“Ja bitte, wer da?” 

“Hier Luise Mell vom Vodafone Kundenservice, spreche ich mit Frau Herzberg?” 

“Leider nein und ich möchte auflegen.” 

Dann kommt noch ein Anruf, halbwichtig. Dann noch einer, wichtig. Stress. Dann fällt mir ein, dass auch ich Anrufe tätigen muss. Noch mehr Stress.

“Bitte haben Sie noch etwas Geduld. Sie befinden sich an Wartefeldposition 19.”

Ja, ich weiß. Ich weiß. Ich weiß. Ich weiß. 

Immer soll man alles schon haben. Bitte haben Sie noch etwas Geduld. Bitte haben Sie noch etwas Geld. Bitte haben Sie noch etwas Glück. 

Dann lieber nochmal mit jemand anders telefonieren. Er würde nicht mehr anstreben, glücklich zu sein, sagt der Mensch am anderen Ende der Leitung. Dann müsste er seinen Zustand nicht mehr abgleichen, ob ja oder nein. Er würde nur noch tauchen und auftauchen. Mal wär er drüber, mal drunter und weiter nichts.

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