Plus5

Montag.

Berlin.

Alle legen sich jetzt Haustiere zu. Wegen Corona soll es da Zusammenhänge geben. Mit Haustiere meine ich: Hunde. Der ganze Prenzlauer Berg ist jetzt voller Hundewelpen. Die Kinder kommen aus dem “süüüüß” sagen gar nicht mehr raus, wenn wir spazieren gehen.

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Hunde fressen Hundefutter, also Fleisch. Schlachtabfälle aus Dosen. Das ist mir egal. Also eigentlich nicht, aber ich kann mich darüber jetzt nicht auch noch aufregen. Ich kanns ja nicht ändern. Obwohl ich gegen Massentierhaltung bin, gibt es sie ja trotzdem. Und das jetzt alle Hunde haben wollen, oder haben, kann ich auch nicht ändern, obwohl ich mich vor denen ekle und es auch nicht mag, wenn sie an jeder Brandenburger Badestelle auftauchen und mir übers Handtuch laufen würden, wenn ich dort länger bliebe. 

Was ich aber nicht tue, sondern ich gehe baden und danach wieder weg, weil es mich anwidert, mir die paar Quadratmeter freie Uferböschung mit den vierbeinigen besten Freunden des Menschen zu teilen. 

Aber jeder wie er mag, es gibt schon genug Ärger unter den Menschen und deswegen bin ich seit einer Weile immer ganz lieb zu Hundebesitzern, weil die einen ja sowieso schon immer so ängstlich ansehen. 

Ich weiß ja, dass sie ständig im Stress sind, ob ihr Hund jemanden stört und das tut er ja auch. Aber sie lieben den halt und das muss man respektieren, ich kann es ja nicht ändern und das ist was Elementares. Uns ist ja auch mal einer zugelaufen, im Sommer in Südfrankreich und innerhalb von zwei Tagen hatten wir so eine starke Bindung zu dem aufgebaut und Hundefutter gekauft und ihr einen Namen gegeben. “Loudron”, eine Mischung aus “Loup” und Goudron, dem französischen Wort für Asphalt. Denn sie ist uns ja zugelaufen, kam von der (geteerten) Straße und stand plötzlich vor unserem Hoftor. 

Wir haben sie erst nicht reingelassen, aber sie hat dort gewartet und abends war sie immer noch da und dann haben wir ihr Wasser hingestellt und am nächsten Morgen war sie immer noch da und dann haben wir sie reingelassen und ihr Essensreste gegeben und die hat sie gegessen und beim nächsten Einkauf haben wir ihr Hundefutter mitgebracht und dann hat sie sich abends zu Eric Blancs Füßen hingelegt und wir haben festgestellt, dass sie auf Befehle wie Sitz und Platz hört und Männchen machen kann und überhaupt ganz lieb ist und dann ging es immer so weiter.

Ich habe ernsthaft überlegt, Loudron nach Berlin mitzunehmen, falls wir sie nicht bei Eric Blancs Vater in Südfrankreich lassen könnten. Wir hätten es getan, wir hätten sie mitgenommen, aber sie ist uns wieder davongelaufen. Ist Eric Blancs Auto hinterher gerannt, als er mal zum Bäcker gefahren ist und wir dachten, sie käme zurück, aber das tat sie nicht. Wir haben sie gesucht und nach ihr gerufen, aber sie war spurlos verschwunden.

Ich denke immer noch an sie. Also lächel ich die Herrchen und Frauchen an, wenn sie mich so ängstlich ansehen und sage was Nettes zu ihren Tierchen und tue so, als würde ich überhaupt nicht angewidert sein.

Und empfinde eine dämonische Freude dabei, wenn sie drauf reinfallen und sich öffnen und man dann so ins Gespräch kommt. Die meisten Hundebesitzer sind ja froh, wenn man ihren Hund niedlich findet. Und ihre Augen werden feucht, wenn sie einem erzählen, dass er aus einer Mülltonne in Spanien gerettet wurde und schon Schlimmes erlebt hat und deswegen so viel bellt. Jaja, Kindheitstraumata, die kriegt man nicht weg, sage ich dann, aber nicht:  Warum lasst ihr ihn nicht einschläfern, anstatt mit Hundefutterkaufen die Massentierhaltung anzukurbeln. Das anonyme Schwein ist euch egal. Rettet doch mal lieber die Schweine. 

Aber ich sage es nicht. Ich bin auch abhängig von guten Vibes und die Kinder freuen sich, wenn sie den Hund mal streicheln dürfen. Ist doch schön, wenn alle gute Laune haben. 

Corona- Hunde- Massentierhaltung- Schlachtbetriebe- Corona. Was für ein Kreislauf. 

Ich kaufe kein Fleisch mehr, jetzt erst recht nicht, weil mein Kühlschrank kaputt ist.  

Aber wenn gegrillt wird und ich dabei bin, dann habe ich da Lust drauf, wenn ich Hunger habe und ich nerve die Leute dann auch nicht, ob das alles Bio ist. 

Ich bin ja froh, wenn ich und meine Kinder versorgt und bekocht werden. Wir bekommen ja auch oft Salat dazu und selbstgemachtes Aioli und Brot. Und ich bin heilfroh deswegen und freue mich. Weil ich doch selbst gar nichts mitgebracht habe, weil ich nicht kann, bei der Hitze. Wegen der Schlepperei. Bin ja froh, dass wir es überhaupt zu den Freunden aufs Land geschafft haben. Dass ich daran gedacht habe, Schwimmflügel, Mückenzeugs, Handtücher und Wechselschlüppis eingepackt zu haben. Und die Wasserflasche für unterwegs. Mehr kann ich nicht schleppen, bei 30 Grad und das ist auch vollkommen ok, für alle ok und später mache ich ja auch den Abwasch und verschlafe den Sonntagnachmittag, während die anderen mit meinen Kindern an den See gehen. 

Ich komme gleich nach, verspreche ich noch, aber dann schlafe ich auf dem Landhaussofa ein und komme nur mühsamst wieder hoch, wenn die anderen wieder zurück sind. Muss ich aber und tue ich dann ja auch, denn wir müssen ja auch wieder zurück. Nach Berlin. Zu meinem kaputten Kühlschrank, wo ich uns dann wieder alleine bekochen müsste.

Es gibt jetzt aber bestimmt auch Bio- Hundefutter, na klar. Und es gibt bestimmt auch bald Bio- Hundefutter- Supermärkte, also sowas wie “Fressnapf” nur alles in Bio. Das gründen, oder da  jetzt rein investieren und reich werden, das wärs. 

2 Kommentare

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Bitte keinen Biogroßhandel für Tierfutter gründen. Bei Tierfutter zählt ja schon, daß überhaupt Fleisch mit dabei ist, und kein Zucker und so. Dafür zahlt man schon ordentlich. Und dafür kleben dann meine Katzen keine Zettel mit Abreißtelefonnummer und mit meinem Portrait an die Laternen hier, wo draufsteht, daß ich abzugeben bin.

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