Plus4

Freitag.

Berlin.

Der Kühlschrank wird wieder wärmer.

Meine Wohnung sieht mittlerweile aus, wie das Appartment von Horse Badorties in William Kotzwinkles “Fan Man”. 

“Berge von Notenblättern und haufenweise vor Abfall platzende Mülltüten und stapelweise verkrustete Bratpfannen auf dem Boden, voll mit unbeschreiblichen Flecken von in Fäulnis übergegangenem ekelhaften Fett. Mein Apartment, Mann, mein eigenes kleines Lower East Side Horse- Badorties- Apartment. 

Bin gerade aufgewacht, Mann. Horse- Badorties ist gerade erwacht und kriecht in dem Meer von abscheulichem Dreck rum, das er sein Zuhause nennt. 

Geh durch die Räume meines Apartments, Mann, über Glasscherben und durch Berge dreckiger Sachen, aus denen ich meine Tagesgarderobe wählen werde. Hier, in den Mülleimer gestopft, ist eine unglaublich zerknautschte versaute Hose. Und hier, Mann, unter einem Packen nasser Zeitungen, ist ein Hemd, Mann, mit einem Ärmel.”

Ganz genau, Mann. Ein Tag wie eine Wiese, eine Wohnung wie ein Wald.

Zum Essen suchen wir uns ein freies Plätzchen ohne Ameisen und zum Schlafen lege ich den Kopf auf ein Stück Laken und trete mir dann mit den Füßen eine Kuhle frei. 

Freitagnachmittag.

Nach ein paar Stunden Gequengel sind wir im Flow, die Kinder und ich. Die Kinder sitzen auf Kleiderbergen und haben dazwischen meine Yogamatte aufgeklappt und spielen da Memory. Später suchen sie verstreutes Kleingeld und zählen das und dann suchen sie ihre Portemonnaies und tun das Geld dort hinein. Dabei singen sie leise vor sich hin, denn Geld finden und zählen, macht gute Laune und ich trinke lauwarmen Weißwein frisch aus dem Kühlschrank und singe dabei vor mich hin, denn lauwarmen Weißwein trinken, macht auch gute Laune. 

Nachher muss ich es dann aber wirklich tun. Und ich werde es ja auch tun, weil es sein muss und ich habe immer getan, was ich tun musste, früher oder später. 

Außerdem:  Niemand ist nach dem Aufräumen unglücklicher als vorher, hat Marie Kondo in einem Interview gesagt, dass ich in der Brigitte gelesen habe.

Na, da bin ich aber mal gespannt.

Ich hätte Lust, wieder mit dem Kiffen anzufangen, um die Atmosphäre noch mehr zu verdichten. Ich fühle mich heute so jung, also genauso träge, unbeweglich, halb betäubt und weggetreten wie damals mit Anfang 20, in meiner ersten eigenen Wohnung in der Bornholmer Straße. Da war es auch so heiß, in diesem Sommer und einen Kühlschrank hatte ich auch nicht. 

Ich habs schon so oft erzählt (kann gar nicht sein), aber damals im Vorderhaus gab es eine Videothek und da habe ich mir einen Videorecorder ausgeliehen und schwarze Tücher vor die beiden großen Fenster gehängt, also einfach darüber an die Wand genagelt und dann habe ich mir in einem Plastikeimer (wirklich????) Erdbeerbowle angesetzt und die im Laufe des Tages getrunken und mir Rocky 1-5 (ROCKY?) angesehen. 

Irgendwann hats dann an der Tür geklingelt (haha, schön wärs)

und das war Besuch und dann sind wir in die Auguststraße gelaufen und haben dort für fünf Mark echten Absinth getrunken, und uns das eine Gläschen mangels Geld sogar geteilt und das hat zum Unterwegssein für die ganze Nacht gereicht. 

Morgens bin ich wieder nach Hause gelaufen und hatte einen Begleiter dabei und der wiederum ein schwarzes Klümpchen Opium. Das haben wir dann inhaliert, aber als er mich danach massieren wollte, habe ich ihn weggeschickt. Er hat mir das Opium sogar dagelassen. (Echt jetzt???) und als ich wieder aufgewacht bin, wars immer noch so heiß draußen und ich habe das Opium geraucht und die restliche Erdbeerbowle getrunken (eher unwahrscheinlich)  und auf Video “Permanent Vacation” von Jim Jarmusch gesehen (wohl kaum).

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