Plus34

Freitag.

Berlin.

Als alleinerziehende, arbeitslose, arme Hausfrau und Mutti muss ich meine Sozialleben, Liebesleben, Privatleben, Berufsleben, Geheimleben, Doppelleben und Familienleben unter einen Hut bringen. 

Und daher mit perfiden Tricks und Kniffen mein Umfeld dazu bewegen, Dienste für mich zu leisten, weil ichs allein nicht hinbekomme und mir auch der Rücken sonst wehtun würde und der Kopf auch, oder ich sonst ständig müde und verkatert wäre, oder Beides. Daher muss ich von meiner Schaltzentrale, also vom Bett aus, per SMS meine Vasallen durch die Gegend dirigieren.

Ich liege also auf meiner Matratze mit 13 Zonen, eröffne Gruppenchats und gründe Whatsappgruppen, und tippe massenweise kilometerlange Nachrichten an nahe und ferne Verwandte, um Aufgaben zu delegieren, die eigentlich nach uraltem Recht ICH erledigen müsste.

Aber ich brauche mal frei, für geheime Aktivitäten und Anderes und zwar vorher und nachher. 

Ich schreibe also Nachrichten und setze dabei skrupellos Lügen und Emojis ein, um meinen Willen durchzusetzen.

Ich stelle Ultimaten, rede den Leuten Schuldgefühle ein, arbeite mit emotionaler Erpressung, Drohungen und Bettelei und falschen Tränen, bis ich es geschafft habe, mir ein paar freie Tage ohne Spongebob und Patrick zu organisieren.  

Nenn mich die Lady Macbeth vom Kollwitzplatz, oder auch Madame Macchiavelli. Aber was kann ich denn dafür, es muss ja so sein, es geht ja nicht anders und außerdem ist das alles Deine Schuld und Du wirst schon noch sehen, was Du davon hast.

Jetzt, wo ich liegenbleiben könnte, kann ich auch aufstehen. 

Als ich aufgestanden bin, merke ich, dass ich auch genausogut liegenbleiben könnte.

Schön wärs.

Liegenbleiben geht nicht. Sie haben heute morgen in Berlin die Sperrstunde gerichtlich gekippt. Das heißt, ich MUSS raus. 

Oh Mann, wie soll ich das schaffen. Ganz ehrlich, mir reichts langsam mit Corona. 

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