Plus33

Mittwoch.

Berlin.

Es ist vollbracht. Ich habe die neue Klobrille angeschraubt. Die geisteskranken Kloschüsselingenieure haben die Schrauben, mit der die Kloschüssel an der Wand angebracht wurde, aber genau dahin gemacht, wo auch die Klobrillenschraube von oben durchkommt. Die überschneiden sich also knapp die Schrauben, das heißt, sie würden es, wenn man nicht so ein kleines Kürvchen mit der Flügelmutter machen würde. 

Das Kürvchen zu machen, ist tricky, weil ich das blind machen muss, also ich muss das Schraubenende erfühlen, ich kann mich ja nicht auf den Boden unter die Kloschüssel legen, weil ich ja von oben auch mit der Klobrille gegendrücken muss, also die Schraube fixieren, um sie dann von unten her mit der Flügelmutter zu nehmen. 

Um also an die Klobrillenschraube heranzukommen, muss ich mich frontal vor die Kloschüssel auf den Boden hocken, sie zwischen meine Schenkel nehmen und sie heiß und innig umarmen und mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand im Dunkeln herumsuchen, bis ich das Schraubenende gefunden habe. Dann das erwähnte Kürvchen machen und schließlich drehen, drehen, drehen. So lange bis die Flügelmutter oben angekommen ist. Dann das Ganze auf der linken Seite wiederholen.

Ich hocke also auf dem Boden vor der Kloschüssel, umklammere sie mit meinen Schenkeln, greife ins Dunkle, und drehe die Mutetr auf die Schraube und weil das so lange dauert, werde ich dabei müde und lege deswegen meinen Kopf auf dem Badewannenrand ab. Ich döse und schraube, schraube und döse, erst rechts und dann links und werde irgendwie ein bißchen geil dabei. Werde ein bißchen geil von dem Gehocke und Geschraube.

Besser so, denn gleich kommt der Großkünstler reingeschneit, zwischen zwei superdringenden Terminen. Ich wasche und parfümiere mich und erwarte ihn aufgeregt, denn er hat nicht viel Zeit und er verlangt, dass ich sofort für ihn bereit bin. Und oh ja, oh ja, oh ja, das bin ich.

Der Großmeister, wie ich ihn nun zu gewissen Anlässen nennen muss, erwartet unbedingten Gehorsam. Nachdem er mich entkleidet und uns vor dem großen Schlafzimmerspiegel in Position gebracht hat, stößt er mir erbarmungslos seinen beängstigend großen harten heißen Speer zwischen alle Lippen, bis ich besinnungslos bin vor Lust. 

Als er fertig ist, packt er mich beim Schopf und verlangt, dass von den schrecklichen Geschehnissen kein Sterbenswörtchen von mir an die Öffentlichkeit kommt, andererseits er bei unserer nächsten Verabredung sehr ungemütlich werden kann. Ich sinke auf die Knie und schwöre es, denn ich zittere willenlos vor den harten Strafen, die mir demnächst blühen.

In der “H.O.M.E.- Das Designmagazin zum Wohlfühlen” habe ich gelesen, wie wichtig es sei, sich im Home- Office selbst zu inszenieren. Also bei Zoom- Konferenzen. Ich zoome nicht, habe aber alles eingesehen und verstanden, was sie geschrieben haben und mein Heim sofort umgeräumt. Mein Schreibtisch steht jetzt quer vor dem Bücherregal und ich mit dem Rücken zu diesem. So dass, im Falle einer Videokonferenz, erst ich und dann das Bücherregal im Hintergrund zu sehen wären. 

Vorher stand er am Fenster, aber ich habe nie aus dem Fenster gesehen und hatte meistens die Vorhänge zu, weil es mir sonst zu hell war und hinter mir war die Zimmertür. Das hätte auf Video nicht gut ausgesehen.

Und vor langer Zeit, ganz am Anfang stand er an der Wand.  

Aber jetzt: 

Sitze ich hinterm Schreibtisch, mit dem Rücken zum Bücherregal und freier Aussicht in mein Zimmer und zur Tür. Ich könnte hier jetzt Bewerbungsgespräche abhalten, oder Castings. Denn hier bin ich der Chef.

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Gibt es ein Foto von der Kloschüssel-Aktion? Gerne auch gestellt! Dieses in meinem Kopf entstandene vorläufige Bild lechzt nach Bestätigung aufgrund der notwendigen Verrenkungen.

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