Plus31

Donnerstag.

Berlin.

Das Einzige was ich gestern und heute gemacht habe, war unaufgefordert Unterwäschefotos von mir an, ihr- wisst- schon- wen zu verschicken. Ansonsten verbrachte ich die Home- Office- Zeit, essend und schlafend im Bett. 

Kaum habe ich mal wieder was am Laufen, verliere ich mein Mojo, werde ich komplett zur Frau. Also: Mache ich mir um alles Sorgen, bin ich nur noch mit Gymnastik, Körperpflege und Haushalt beschäftigt und sonst interessiert mich weiter gar nichts. Das sind die Hormone, ich kann nichts dafür und genau deswegen wird wieder komplett alles schiefgehen. 

Es sei denn, ich werde ausnahmsweise mal geliebt. Ist aber eher unwahrscheinlich. 

Ich habe die ganze Zeit die Stimme des Bösen im Kopf: Wie schlimm ich sei und wie durchgeknallt, unerträglich u.s.w. 

Ich werde von ihm telepathisch gerade massiv angefunkt, es scheint geradezu eine Standleitung zu bestehen. Die ganze Zeit nölt er mich voll:

“Es ist alles ok. Immer wenn alles gut läuft, machst Du wieder son Fass auf, damit hast Du mich vertrieben und damit wirst Du den nächsten Typen vertreiben, wenn Du überhaupt noch einen abbekommst, so gestört, wie Du bist.” 

“Du bist vielleicht doch stärker traumatisiert, als Du denkst. “ sagt meine Schwester am Telefon zu mir und vielleicht bin ich nicht nur stärker traumatisiert, als ich denke, sondern sogar undenkbar stark traumatisiert. 

Aber vielleicht muss das eben immer so sein, also bei mir. Dass ich überall nur Probleme sehe, selbst wenn alles in Ordnung ist und wenn ich keine Probleme finden kann, erfinde ich eben welche, so ist das eben, so bin ich nun mal. Vielleicht kann ich ja gar nicht normal, sondern nur kompliziert. Aber ich bin trotzdem wie Klaus Kinski, ganz einfach: 

Ich brauche Liebe. 

— 

Neulich, als die Sonne noch schien, habe ich Ken auf der Straße getroffen, der saß da so und ich habe mich zu ihm gesetzt und er hat erzählt, dass er gerade von einer Hochzeit von gemeinsamen Bekannten käme und wir haben beide die Augen verdreht. Wieso musste das denn sein, wieso mussten die denn jetzt noch heiraten, die sind doch sowieso schon so lange zusammen. 

Also, wir hielten das beide für keine gute Idee, dass die jetzt auch noch geheiratet haben. Denn wenn man heiratet, ist man am Ende, dann gibt es ja gar keinen Ausweg mehr.

Dabei habe ich den Bösen doch auch mal heiraten wollen. Auf Teneriffa. Er im weißen Anzug und ich im schwarzen Kleid, so habe ich mir das vorgestellt. 

Aber das war doch nur…, …ich wollte das doch nur… um den kranken Widerling für IMMER an mich zu binden. 

Dann habe ich Ken gefragt, wie es bei ihm denn so läuft und er meinte, gerade nichts und wie es bei mir sei. Ja, bei mir auch nichts, habe ich gesagt, (denn ich habe ihn ja vor zwei, drei Wochen getroffen und da lief bei mir ja noch nichts) Ich hätte erstmal die Nase voll, habe ich gesagt und wer weiß, vielleicht für immer. Ken meinte ach Quatsch, man braucht doch jemanden. 

Und das hat mir eingeleuchtet und das fand ich gut, dass das mal jemand so ganz einfach sagt: “Man braucht doch jemanden.”

Ganz genau. Meine Psychologin hat vor einem Jahr zu mir gesagt, ich müsse ihr versprechen, erstmal ein Jahr keine Männergeschichten zu haben, (da war gerade kurz Off mit dem Bösen) weil ich erstmal an mir arbeiten müsste, etc. Aber in einem Jahr kann ich doch tot sein, oder alt und krank und hässlich und dann habe ich eine makellose Persönlichkeit, aber kriege keinen mehr ab und außerdem: 

Man braucht doch jemanden.

Dann haben wir über Beziehungen geredet, Ken und ich. Wie sie sein sollten, bzw. nicht sein sollten.

Er fände es schlimm, meinte Ken, wenn Paare von sich sagen, sie seien ein “gutes Team”. 

Ja genau. Das klingt so, als hätten die jegliche Erotik, Spannung, Spaß und überhaupt alles, was Liebe ausmacht, komplett aufgegeben. “Ach ja, aber trotzdem…” seufzte ich. “Ich hätte gern jemanden, der Sachen bei mir repariert.” “Ja, ich auch.” meinte Ken. Wir schwiegen und blinzelten nachdenklich in die Sonne.

Der Böse hat Sachen bei mir repariert. Eine Lichterkette und einen verstopften Abfluss. Einkäufe hat er geschleppt und Essen gekocht. 

Er hat mich nur nicht geliebt. Sonst war alles perfekt. Aber mich kann man halt nicht lieben. 

Weil ich nerve.

Ist auch egal. Das Wichtigste im Leben ist die Arbeit und die Familie. Diese ganzen Männergeschichten sind nichts als Spielerei. Sollte man nicht zu ernst nehmen. 

Genau die Leute, die mir immer vorwerfen, ich würde mich zu viel damit befassen, also mit Typen, meine ich, wundern sich übrigens, dass bei ihnen nichts läuft. 

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