Plus30

Dienstag.

Berlin.

8 Uhr morgens. Der Wecker klingelt auf die Minute pünktlich. Man könnte die Uhr nach ihm stellen. Zeit, ins Bett zu gehen. Aber ich will noch nicht schlafen. Bin noch total wach. Ich drücke auf Snooze. Gönne mir noch zehn Minuten länger volles Bewusstsein, bevor ich mich endlich in die Kissen werfen kann.

Schlafschlafschlaf. Ein echtes Mustnothave. Ich will nicht schlafen, hab so viel zu tun, bin aber eigentlich total groggy.

Solche Eskapaden wie mit dem Großkünstler, kann ich mir momentan gar nicht leisten, weil die im Grunde genommen, ja alles andere ersetzen könnten, aber sowas passt nie in ein normales Leben rein, sowas sprengt immer den Rahmen. Aber da kann man nichts machen, wenn man das Pech hat, in die Hände von so einem perversen Wüstling geraten zu sein, dann muss man sich dem Schicksal beugen.

Und warum bin ich eigentlich nicht gleich Topmanager oder sonstiger High Professional geworden? Ich bin eigentlich nur noch am Ackern und habe so viele Projekte und lauter andere Sachen zu tun und zwischendurch immer noch irgendwelche Ideen und Bonuszeugs, das auch noch gemacht werden muss und außerdem die Kinder und die Wäsche usw, also jedenfalls bin ich total fertig und einsam und allein und niemand hilft mir und alle haben mich verlassen und ich habe keine Freunde mehr und ich fühle mich wie ein Stück Müll, wie ein ganz fantastisches, wunderschönes Stück Müll und so viel habe ich gar nicht zu tun, bevor ich wegfahre und ständig klingelt das Telefon und sprechen mich Leute auf der Straße oder beim Einkaufen an und bald fahre ich weg und werde mich da von früh bis spät massieren und frisieren lassen und danach geht alles weiter.

Dann kommt der Roman dran und das Drehbuch und der Auftritt und ein Jobangebot habe ich auch und ich will zwischendurch auch noch mal kurz nach Paris, Wien und Kreta fahren, sowie Band 2 meiner Chroniken rausbringen und das Layout von Band eins überarbeiten und mir eine Buchpremierenparty organisieren und überhaupt eine Werbekampagne und dann will noch bei der Radiosendung mitmachen und ich bräuchte auch nochmal neue Fotos von mir und ich wollte ein Tarotspiel entwerfen und wieder Collagen machen und auch wieder mehr zeichnen und mit den Zeichnungen auch noch ein Buch machen und letztes Jahr habe ich doch diese Songs geschrieben, die muss ich auch noch vertonen lassen und singen und den Führerschein will ich auch endlich machen und mal wieder mehr Sport und alle Möbel aus der Wohnung schmeißen und alles streichen und andere Möbel reinstellen, nämlich welche, die ich selbst ausgesucht habe und nicht mehr die, welche mir das Leben so reingespült hat.

Gestern hat mir jemand wegen des Passwortes für die passwortgeschützten Texte auf meiner Webseite 2,22 gepaypalt und als ich nicht gleich reagiert habe, auch noch nachgehakt: “Ich hab gespendet, wo ist mein Passwort?”. 

Ich wollte der das Geld erst zurückpaypalen und ihr irgendwas Beleidigtes mailen. Aber dann dachte ich, egal. Spende ist Spende und ich habe ja keine Mindestsumme angegeben, weil die meisten sich bisher extrem anständig verhalten haben, vielen Dank nochmal, es ist echt krass, wieviel Liebe und Unterstützung ich von den Leuten bekomme und dass meine Chroniken den Menschen etwas geben und sie sich verstanden fühlen, oder mich verstehen, das finde ich manchmal sehr seltsam, aber das ist natürlich super für alle Beteiligten.

Zwei Euro 22, für all meine Mühe. Ich habe sie gegoogelt, die Spenderin, ich dachte, vielleicht ist sie sozial benachteiligt, aber nein, gar nicht. Vielleicht hat sie auch gedacht, das gilt nur für einen Text, dabei gilt das doch für alle Texte. Aber immerhin, sie hat sich die Mühe gemacht und mir extra noch geschrieben und auch löblicherweise einen Paypal- Account. es gibt ja Leute, die keinen haben und denen muss ich dann immer meine Iban schicken, was auch ok ist, aber trotzdem. 

Also ich hab ihr das Passwort dann doch geschickt und mich für die 2,22,- bedankt. Weil mir eingefallen ist, dass ich für 2,99 vorgestern einen Film gestreamt habe, wo der Großkünstler mitspielt und jetzt hat mich der Filmabend nur noch 77 Cent gekostet. 

Wenn mir heute jemand 77 Cent paypalt, bekommt der/die auch das Passwort und dann habe ich meine Kulturausgaben wieder drin. https://frauruth.de/ich-liebe-geld/

Als ich Patrick und Spongebob gestern Abend ins Bett gebracht habe, war es etwas kalt im Zimmer und ich habe gesagt: “Oh, ich dreh euch mal die Heizung auf.” Aber Spongebob meinte, die geht geht nicht und da habe ich gesagt, doch die geht, ich muss sie nur entlüften und habe meinen Schlüsselbund geholt, weil da praktischerweise der Entlüftungsschlüssel dran ist und ich habe damit das Ventil am Heizkörper rausgedreht und die Luft zischte raus und Patrick hat gestaunt, was ich da mache und ich habe gesagt, tja da könnt ihr mal sehen, Kinder, ich habe früher zehn Jahre Heizungsentlüften in New York studiert und jetzt bin ich “Heating Officer” und gleich wirds warm im Zimmer. Damit es schneller geht, habe ich das Ventil noch ein bisschen weiter aufgedreht und dann kam Wasser und ich wollte das Ventil wieder zudrehen, aber es ging nicht zu, stattdessen kam immer mehr Wasser aus dem Ventil und ich drehte und drehte mit dem Entlüftungsschlüssel am Ventil herum, aber es ging nicht zu und der Boden im Zimmer war schon ganz nass und das Wasser lief und lief und ich dachte, oh nein, muss ich jetzt jemanden anrufen, was ist denn das jetzt für ein Mist und dann habe ich nochmal am Ventil gedreht, aber diesmal in die andere Richtung und dass war dann richtig herum und das Wasser hörte auf, da raus zu laufen und die Heizung heizte und wenn es doch immer alles so einfach wäre, wärs schön, aber das ist es wahrscheinlich auch.

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