Plus29

Sonntag.

Berlin.

Nachdem sich der Großkünstler bei mir schriftlich mehrfach für die unaussprechlichen Vorgänge im Asbestwerk entschuldigt hat,

(“Ich weiß gar nicht, wie das passieren konnte, sowas habe ich noch nie gemacht, so kenne ich mich gar nicht, es kommt nie wieder vor, wirklich, versprochen. Verzeih mir.”)

erkläre ich mich zu einem weiterem Treffen bereit.

Ich besuche ihn in der mir wohlbekannten Berliner Stadtwohnung, -ein großzügiges Altbau- Penthouse- Maisonette- Loft, gleich um die Ecke, in Berlin- Charlottenburg. 

Als ich aus dem Fahrstuhl in den Salon trete, meint er, ich sähe fantastisch aus wie immer, aber ich käme ihm ungewöhnlich aufgeregt vor, er wäre daher, laut hippokratischem Eid, dazu verpflichtet, mich sofort zu untersuchen, er sei nämlich nicht nur Großkünstler, sondern auch privatstaatlich ausgebildeter Frauenarzt. 

“Ach wirklich? Das ist ja toll, das wusste ich gar nicht.” stottere ich. 

“Ja, wirklich. Willst du mein Zertifikat sehen?” antwortet der Großkünstler- Doktor, öffnet die Gürtelschnalle und zeigt es mir.

Ich bin außerordentlich beeindruckt.

Nun muss ich mich für die Untersuchung freimachen. Erst unten und dann obenherum. Nackt und barfuß stehe ich jetzt vor ihm, auf dem harten Betonboden der Industriehalle, inmitten seiner Plastiken und Skulpturen. 

Damit ich keine kalten Füße bekomme, bittet der Großkünstler mich, in ein Paar bequeme rote High- Heels zu schlüpfen, die er plötzlich von irgendwoher gezaubert und vor mich hin gestellt hat. Ich tue es. 

Um herauszufinden, ob sie wirklich bequem sind, soll ich nun vor ihm hin und herlaufen, dieweil er es sich in seinem Ohrensessel bequem macht, Zigarre raucht und nachdenklich sein Zertifikat befühlt.

Die anschließende Untersuchung dauert eine Nacht, einen Tag und noch eine Nacht. Danach können wir beide mit Sicherheit sagen, dass ich absolut gesund bin, was sich auch bei den Nachuntersuchungen wenige Tage später bestätigen wird. 

Dass ich so dermaßen gesund bin, ist einerseits beruhigend, nach allem, was ich in diesem Jahr und all den Jahren davor, durchgemacht habe. Andererseits muss ich natürlich aufpassen, dass ich jetzt nicht schon wieder was durchmachen muss. Aber wie soll das gehen. 

Aufpassen, wenn doch dringend Untersuchungen durchgeführt werden müssen. 

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