Plus27

Montag.

Berlin.

Aber wir haben das Vaterunser ja nicht umsonst gebetet. “Vergib uns unsere Schuld, so wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.” heißt es da und es wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird und so lasse ich die Dinge jetzt erstmal auf sich beruhen, denn wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein. 

Zum Steinewerfen bin ich nach wie vor, jederzeit bereit und dazu stehe ich und ich sitze ganz bestimmt nicht im Glashaus, so viel ist sicher. 

Aber die Sonne scheint und 51 Prozent aller Probleme lösen sich von alleine und die restlichen 49 Prozent auch, also dann doch mal lieber den Ball flach halten und versuchen mehr Ghandhi zu sein und weniger Stalin.

Denn so viele Freunde habe ich nun auch wieder nicht und ich kenne das schon:

Am Ende bin ich es wieder, die sich entschuldigen muss, weil am Ende bin ICH dann wieder die Böse.

Und ich nehme das gerne auf mich, denn für meine Freunde tue ich alles, also ich halte ihnen auch noch die zweite Wange hin, wenn sie das brauchen, denn der Klügere gibt nach.

Hauptsache, es flutscht und jeder muss selbst wissen, was er tut und jeder macht wie er kann und man kann in einen Menschen nicht reingucken. 

Aber ICH habe doch gar nichts gemacht und ich finde das ungerecht, dass man MIR Sachen ankreidet. 

Aber egal. Schwamm drüber. 

(Aber es  lässt tief blicken, wie die Leute so drauf sind, aber gut, es war alles nur ein großes Missverständnis und das wurde geklärt und gut, dass wir darüber geredet haben und ab jetzt reden wir lieber nicht mehr drüber und entspannen uns und lassen die Dinge auf sich beruhen und gehen davon aus, dass wir alle einander nur das Beste wünschen und was sollen wir auch anderes tun?)

Ganz besonders weil ich komplett unschuldig bin und es ganz schön krass finde, dass DIE

Aber egal…

So muss es sein. 

Nicht so, wie es mal bei einer Freundin war, mit der ich jetzt nicht mehr befreundet bin. 

Von der habe ich bis heute Alpträume. 

Und es ist immer der gleiche Traum:

Ich bin in ihrer Wohnung, um irgendein Kind abzuholen, oder ein Buch zurückzugeben, ganz normal, aber sie ist nicht zu Hause. Nur ihr Mann. 

Wir wollen nichts voneinander, aber wir sind beide total nervös, weil SIE jeden Moment nach Hause kommen kann und es ist klar, dass sie dann irgendwie so komisch zwischen mir und ihm hin und hergucken wird und so einen Verdacht in den Raum stellen wird, aber gleichzeitig so übertrieben gutgelaunt tun, als ob nichts wäre. 

Und es ist ja auch gar nichts, ich wollte wirklich nur dieses Buch abgeben, oder dieses Kind abholen, aber im Traum stehe ich da doof mit ihm herum und habe Angst, dass sie gleich kommt und er auch, wegen ihrer voraussichtlich gereizten Reaktion. 

Ich kann nicht weg, denn das Kind zieht sich die Schuhe so langsam an, oder ich krame in meiner Tasche und finde das Buch nicht und die Zeit dehnt und zieht sich und er und ich haben Angst vor ihr und sind dadurch und nur deswegen, dann doch auf so eine sinnlose Art miteinander verbunden, die ihr auf jeden Fall missfallen würde, wenn sie davon wüsste und das würde sie auch sofort bemerken, diese Schwingung, wenn sie käme und sie ist schon im Treppenhaus und rasselt mit den Schlüsseln und ich habe Angst und er hat Angst, weil sie uns gleich unterschwellig ungerechterweise, unspezifisch verdächtigen wird und das ist dann der Traum und ich erwache extrem gestresst, obwohl ich schon seit Jahren, nichts mehr mit ihr zu tun habe.

Nachdem ich nun so viele Landsitze besucht habe, ist es natürlich vollkommen klar, dass auch ich einen haben will. 

Noch vollkommen klarer wurde es, als Mutter anrief und sagte, sie hätte das passende Objekt gefunden, über zwei Stunden nördlich von Berlin, ganz einfach zu erreichen, mit Bahn, Bus und  Fuß und direkt zwischen zwei Unesco- Nationalparks gelegen. 

Außerdem sei das ganze Dorf schon fest in Prenzlberger Hand. Nazinachbarn wären daher nicht zu befürchten. 

Der Garten wäre wunderschön, das Haus bis vor Kurzem bewohnt, renovieren also wahrscheinlich nicht nötig. 

Wir einigen uns darauf, dass uns als Familie, eine korrekte Küche, ein korrektes Bad, ein korrektes Dach und eine korrekte Heizung genügen würden. 

Man müsste sich das Ganze nur mal gelegentlich von innen ansehen, natürlich. 

Natur ist so toll, frische Luft ist so toll. Ja, Freitagnachmittag bis Montagfrüh “draußen” sein, das wärs. 

Wenn ich das Landhaus kaufen würde, wäre es vielleicht doch noch sinnvoll, den Führerschein zu machen. 

Ich spüre, die innere Bereitschaft dazu wächst minütlich. Im Grunde kann ich ja schon Autofahren, es ist ganz einfach:

Man steckt den Zündschlüssel rein, wenn der Motor anspringt, löst man die Handbremse, drückt die Kupplung, legt den Gang ein, Rückwärtsgang/ Vorwärtsgang etc., kurbelt am Lenkrad rum, gibt Gas, parkt aus, setzt den Blinker, fädelt sich ein, fährt fährt fährt, kuppelt, dann Gang 1, Gang, 2, Gang 3, Gang 4 und dann alles wieder zurück und immer schön blinken und gucken und locker bleiben und bremsen, wenn man da ist und fertig.

Ich hätte dann gern einen weißen SUV wegen des Überblicks und weiß deswegen, weil weiße Autos statistisch gesehen, weniger Unfälle haben, weil sie besser gesehen werden. 

Aber vielleicht lieber doch keinen SUV, ich habe ja jetzt schon Angst, jemanden totzufahren, vielleicht lasse ich das doch lieber mit dem Führerschein.

Wenn ich ein Landhaus hätte, dann würde es vielleicht sogar Sinn machen, noch schnell ein Baby zu bekommen, dann könnte das da im Garten von meinem Landhaus herumkrabbeln und eine perfekte Kindheit haben. 

Davon habe ich doch kürzlich auch erst geträumt: 

Ich hatte ein Baby, das konnte mit zwei Monaten schon gehen und sprechen, aber es war trotzdem noch ganz klein und ich habe Rückenschmerzen bekommen, schon bei der Idee es, hochheben zu müssen. 

Aber es lief ganz friedlich auf einer Wiese herum und ich habe mit einem Typen Badminton gespielt. 

Als Schläger hatten wir Kochlöffel aus Holz und der Ball war ein extrem scharfkantiger, unregelmäßig geformter babyfaustgroßer Brocken aus Eisen, den ich ständig ins Netz oder ins Aus gedroschen habe, wenn ich ihn überhaupt getroffen habe und ich hatte Angst, dass er das Baby trifft oder mir oder dem Typen ins Auge fliegt. 

Aber ja trotzdem: Das Haus ist innerlich so gut wie gekauft.

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