Plus26

Sonntag.

Berlin.

“Wenn alle so wären wie Du”, sagt Meister Y zu mir, “dann wäre die Welt eine bessere.” 

“Ach ja.”, seufze ich. Es ist kurz vor Mitternacht. Wir zählen einander auf, mit wem wir alles nichts mehr zu tun haben wollen und warum, starren in die Flammen des Lagerfeuers und teilen uns eine Friedenspfeife. 

Abraham bat Gott den Herrn, einst um Schonung, für die der Sünde anheim gefallene Stadt Sodom. Wenn es ihm gelingt, Gott zehn Gerechte zu zeigen, (Abraham hat Gott von 50 auf zehn heruntergehandelt), dann wird Gott Sodom nicht vernichten.

“Ach, zürne nicht, Herr, dass ich nur noch einmal rede. Man könnte vielleicht zehn darin finden. Er (Gott der Herr) aber sprach: Ich will sie nicht verderben um der zehn willen.”

Bei den zehn Gerechten wären Meister Y und ich auf jeden Fall dabei, aber zehn werden sich nicht finden lassen, stellen Meister Y und ich fest. Wir werden Sodom also nicht retten können. Wundert euch deswegen nicht, wenn Gott der Herr, demnächst Feuer und Schwefel vom Himmel regnen lässt.

Ja, die Reihen der Gerechten lichten sich. Immer weniger kann ich verzeihen und überall lauert Verrat. So muss Väterchen Stalin sich gefühlt haben, der sich von Verrat und Verrätern umzingelt wähnte (???) und daher in Schauprozessen seine angeblichen (?) Feinde eliminieren ließ.

Gemeinsam beten Y und ich das Vaterunser und dann geht er zum Schlafen ins Haus und ich bleibe am Feuer sitzen und blicke in die Flammen, bis ich einschlafe. Als ich erwache, ist das Feuer nur noch Glut und ich gehe durch die tiefschwarze Nacht ins Haus, werfe mich aufs Sofa, hülle mich in sieben Daunendecken und schlafe den Schlaf der Gerechten.

Nach dem Frühstück fährt Y mich durch Regenschauer zum Bahnhof und ich reise zurück nach Sodom. 

Beim Umsteigen in Sodom- Alexanderplatz erwerbe ich eine stahlblaue Light Weight Daunenjacke und muss deswegen ab jetzt nie wieder frieren.

In Sodom- Senefelderplatz erwerbe ich ein Masaman Curry und Frühlingsrollen zum Mitnehmen. Zuhause sehe ich fern und esse dabei und schlafe vor dem Fernseher ein und das ist dann mein Samstagabend und so geht es auch.

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