Plus2

Mittwoch.

Berlin.

Der Kühlschrank kühlt jetzt irgendwie wieder mehr. Vielleicht muss ich doch keinen neuen kaufen. Also er kühlt noch nicht richtig stark, aber mehr als gestern. Vielleicht ist er morgen wieder richtig in Form. Vielleicht hilft es, wenn ich halbe Stunde mal hingehe und mit ihm rede. Vielleicht war ich zu lange weg und deswegen hat er Fieber gekriegt. Aber jetzt ist er auf einem guten Weg, glaube ich. Vielleicht werfe ich ihm nachher mal eine Paracetamol rein. Damit er schneller wieder kalt wird. 

Ja, Probleme kommen von alleine, gehen aber auch von alleine. Der Kühlschrank ist von alleine kaputt gegangen, deswegen darf ich mit Recht erwarten, dass er sich von allein wieder repariert. 

Aber, wie gesagt, er ist auf einem guten Weg. Vorgestern hat er die Butter noch GESCHMOLZEN. Jetzt lässt er sie einfach bleiben, wie sie ist, wenn ich sie aus dem Einkaufsnetz hole. Warm und weich.

Ich hätte gern einen Boyfriend, der so ist, wie mein Kühlschrank. Einen, der mich lässt, wie ich bin, warm und weich und der mich nicht abkühlt.

Obwohl. Nein!

Ich hätte gern einen Boyfriend, der wie mein Kühlschrank ist, als er noch kaputt war und noch nicht auf dem Weg der Besserung.

Ich hätte gern einen Boyfriend, der mich zum Schmelzen bringt. Oh jajajajaja.

Na, wird ja nicht mehr lange dauern, bis es so weit ist.

Diese Erfahrung habe ich immer wieder gemacht. Probleme kommen von alleine. Man muss einfach nur abwarten, dann sind sie da. Und wenn man noch etwas länger wartet, sind sie wieder weg. 

Diese Hitze zum Beispiel. Die geht auch wieder weg. Da muss man gar nichts machen. Einfach nur abwarten. Ich weiß das, denn ich hatte schon so viele Probleme, so unglaublich viele Probleme und die sind alle von allein weggegangen. 

Oder mein Sperrmüll. Als ich den Frühling und Sommer über fort war, hat die Hausverwaltung sich erbarmt und meinen Sperrmüll, den ich eine halbe Treppe höher, kurz vorm Dachboden geparkt hatte, endlich selbst abtransportiert, anstatt mir durch die Hausmeisterin ständig Zettel deswegen an die Türe heften zu lassen.

Den hätte ich doch alleine niemals wegbekommen, den Sperrmüll, die Treppe runter, ohne Boyfriend und ohne Auto. Deswegen stand er ja da, der Sperrmüll, das hätten sie sich doch denken können, die Hausverwaltenden und das haben sie ja auch.

Ich  muss mich gerade mit derlei Quatsch aufmuntern, weil ich doch so müde bin. Wegen der Hitze und weil ich doch so viel arbeiten muss. Ich wäre gern die Hitze oder die Arbeit. Über die wird geredet, ohne dass sie etwas anderes tun müssen, als einfach nur da zu sein.

Ich habe fast schon Burnout.

Gestern und vorgestern habe ich den ganzen Tag gearbeitet und heute auch und morgen gehts weiter und ich weiß gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht.

Immer, wenn ich das jemandem erzähle, wieviel ich gerade arbeiten muss, sehen mich die Leute so seltsam an und sagen, das sei doch ganz normal und sie würden auch viel arbeiten.

Aber es ist doch auch normal, dass man, wenn man viel arbeitet, deswegen jammert und dauernd sagt, wie gestresst man deswegen ist. 

Das ist eben das hektische Großstadtleben, das macht hysterisch. 

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