Plus17

Mittwoch.

Berlin.

Kaum bin ich revitalisiert, klopft auch die Liebe wieder an. Das heißt, schon rasselt der nächste Durchgeknallte mit den Ketten. Wie lange werde ich noch dem Werben des durch und durch Überdurchschnittlichen widerstehen können, der mir so nachdrücklich einen Platz in seinem Harem anbietet? 

Aber ich traue ihm nicht. Ich kenne die Sorte mittlerweile. Ich lasse lieber die Finger von dem multisprachigen Quantenphilosophen und Professordoktor der astrologischen Anthroposophie. Der ist eine Nummer zu groß für mich, in dieser Liga spiele ich lieber nicht mehr. 

Ich werde mir bestimmt nicht nochmal einbilden, es mit geistig Überlegenen aufnehmen zu können. Die können ganz schön biestig werden, wenn sie irgendwann feststellen, dass das Licht in meinem Oberstübchen doch nicht ganz so helle brennt, wie sie es sich anfangs erträumt haben. 

Ich bin halt nicht die Schlauste, es ist einfach so. Mein Spatzenhirn ist immer noch mit IBAN und BIC überfordert. Früher konnte man mich nachts wecken und ich sang auf Verlangen, meine Bankdaten rückwärts auf chinesisch, aber heute danke ich dem lieben Gott, dass ich es überhaupt noch schaffe, manchmal Zugang zu meinem Girokonto zu bekommen.  

Ich weiß ja, dass es eigentlich GANZ einfach ist, die IBAN setzt sich aus dem Dings und dem Dings zusammen, das müsste eigentlich sogar ich hinkriegen, aber seit IBAN und BIC muss ich mich im Fall der Fälle jedes Mal beim Online Banking Web einloggen, um da die lindwurmlange Ziffernfolge nach ewiger Suche rauszucopypasten. 

Und das ist alles immer so aufregend, weil es jedes Mal schwieriger wird, mich beim Online Banking überhaupt einzuloggen. Banker sind Gangster mit Gangsterparanoia. Sie unterstellen allen, die gleichen kriminellen Energien wie sich selbst und deswegen wird mir der Zugang zu meinem Girokonto durch immer mehr Sicherheitschecks erschwert.

Die Zwei- Faktor- Authentifizierung mit anschließendem Fingerabdruckscan und Iriserkennung ist meinen Bankern schon lange nicht mehr sicher genug. 

Es genügt nun also nicht mehr, sich zwecks Kontozugangs- Autorisierung, die Zeigefingerkuppe ins Auge zu drücken. Jetzt braucht man auch noch die App und die SMS, die Bestätigungsmail und jedes Mal ein neues Passwort mit allen Umlauten und Sonderzeichen. 

Nein, so süß sie auch lächeln mögen, sobald sie mich erspähen, so gewitzt sie auch versuchen mögen, mich zu begeistern, so sanft sie nach mir zu greifen versuchen, so sehr es mich auch immer wieder in ihre Nähe lockt… 

Ich will keine Lehren mehr bekommen und auch nichts mehr dazulernen. Ich bin ja eher einfach gestrickt und habe deswegen, die bisherigen Lektionen, die mir durch den zu nahen Kontakt mit Hochbegabten zuteil wurden, ja auch immer noch nicht richtig kapiert.

Beziehungsweise doch und zwar habe ich gelernt, dass ich mich von hochbegabten Edelhirnbesitzern in Gegenwart und Zukunft lieber fern halte, weil ich mit den Schlaubergern keinen Ärger haben will, weil sie mir ja letztendlich doch haushoch überlegen sind.

Ich bleibe für Hochbegabte ab jetzt unerreichbar, also auf jeden Fall noch schwerer zugänglich, als der Onlinebanking Zugang meines Girokontos für mich.

Für eine glückliche Beziehung ist nämlich Liebe und Kommunikation auf Arschhöhe wichtig und ich will erstmal selber in meine Mitte kommen, bevor ein anderer es tut.

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