Plus11

Montag.

Berlin.

Die Polizei sprach in Bezug auf das Verhalten der Demonstrationsteilnehmer am Samstag in Berlin, von “gewalttätiger Unfriedlichkeit”. Klingt wie ein Euphemismus, ist aber keiner.

Gewalttätige Unfriedlichkeit. Das ist ja eigentlich Krieg. Und Frieden wäre dann „gewaltfreier Nichtkrieg.“

Ich selbst konnte am Sturm auf den Reichstag leider nicht teilnehmen, weil ich das auf gar keinen Fall tun wollte. Ich bin aber dennoch auf die Straße gegangen, allerdings nur, um mich zu einer Party Richtung Kreuzberg zu bewegen. 

Ich erwähnte ja bereits, dass ich mich aus lebensbejahenden Gründen verpflichtet fühle, absolut keine Einladung abzuschlagen, bzw. auszulassen und bei gegenseitiger Sympathie, so wenig Abstand wie möglich zu halten. Das ist meine Art, gegen die Anti- Corona- Maßnahmen zu demonstrieren, als Guerilla, sozusagen. 

Um Verschwörungstheorien zu verbreiten, fehlen mir sowieso die Argumente. Ich kann mir gar nicht so viele Namen und Zahlen merken. Außerdem wäre es mir peinlich, mich als Verschwörungstheoretikerin zu erkennen zu geben, meine Theorien gehen niemanden was an, ich behalte die lieber für mich, die Theorien. Hab ja sowieso jeden Tag eine Neue.

Auf der Party haben wir nach Mitternacht, die alternativen Artefakten alle nochmal zusammen durchgesprochen: 

MASKEN. (Bringen nix, Viren kommen mit Atemluft an der Seite raus,  Anzahl Viren wächst auf feuchter Maske, aber wäre asozial, ohne herumzulaufen)

ÜBERSTERBLICHKEIT: Gibt es sie als Folge von Corona, also mehr Tote dieses Jahr als sonst?

Ja, gibt es und Nein, gibt es nicht.

(Nein, gibt es nicht, aber nur weil Virus hierzulande durch Maßnahmen eingedämmt, aber auch:

Nein, gibt es nicht, weil Gefahr durch Virus sowieso komplett übertrieben, Virus nicht gefährlicher als Influenza, sowieso fünfmal mehr Tote durch Influenza seit Corona)

Doch, es gibt mehr Tote wegen Corona, aber nicht wegen Virusinfektion, sondern als Folge der Maßnahmen, wegen sozialen, wirtschaftlichen und psychischen Schäden durch Lockdown. (Beispielsweise Indien: 5x mehr Tote. Selbstmorde von Bauer zB, der seine Ernte nicht loswerden und Familie nicht mehr ernähren konnte.)

((Warum bedachte Bauer nicht, dass er als Suizidierter seine Familien NOCH weniger ernähren kann?))

Ja, coronabezogene Übersterblichkeit existiert, Beweis: persönliche Kontakte zu amerikanischen Krankenhausärzten und siehe sowieso auch die Todeszahlen in Amerika oder Bergamo.

Nein, doch keine Übersterblichkeit was den Bergamo betrifft, auch hier Quelle: persönliche Kontakte in Form von Verwandtschaft.

Im Bergamo sind sowieso alle überdurchschnittlich alt und daher wird im Bergamo sowieso überdurchschnittlich viel gestorben. Leichenwagen gab es auf den Straßen nur deswegen, weil man wegen Corona niemanden ins Krankenhaus/ Leichenschauhaus bringen wollte.

-Ja, aber ich kenn wen, der wirklich dran gestorben ist.

-Ja, traurig traurig, aber der könnte ja auch an einer anderen Krankheit gestorben sein. So ist das Leben. Am Ende stirbt man.

-Ja, aber als Politiker kannst du den Leuten nicht sagen, wir machen nichts und wer dran stirbt, hat Pech gehabt.

-Wieso nicht, machen die doch sonst auch so? Wieso darf man an Corona nicht sterben, aber an was Anderem doch?

-Kannst Du so nicht sagen, keiner will wissen, was hier losgewesen wäre, wenn überall Leichenwagen gestanden hätten.

Letzter Punkt:

CLUBSTERBEN: Pro und Kontra.

(Pro: Endlich machen die Leute selber Party und erwarten nicht mehr, für ihr Geld was geboten zu bekommen, so wie damals auf dem Dorf.

Kontra: GL haben und ganz ganz laut Musik hören und dazu schweißgebadet tanzen, wär mal wieder geil.)

Fazit:

Trotz teilweise stark auseinandergehenden Meinungen, bekam das Virus von uns insgesamt ein positives Feedback, weil es einerseits die richtigen Menschen enger zusammenbringt, einen aber andererseits zu den Unrichtigen auf Abstand bringt.

Als ich nach Hause kam, war es noch nichtmal hell draußen, so vernünftig bin ich mittlerweile geworden, bzw. innerlich so ruhig, dass ich nach Hause gehen kann, wenn ich müde bin und sogar von ganz allein müde werde. Zuhause bin ich dann trotzdem noch kurz an den Rechner, um was nachzusehen und dann aber wegen meiner höchst angenehmen neuen inneren Ruhe, fast sofort im Sitzen vor dem strahlend leuchtenden Bildschirm eingeschlafen, wie so ein alter Mann.

Apropos alter Mann:

Anderntags habe ich das Interview mit Friedrich Merz in der taz gelesen. Ich mag den ja aus irgendeinem Grund, aber ich mag auch Christian Lindner. Ich kann nicht erklären warum, das ist ganz und gar irrational, das ist was Chemisches.

Das ist der deutsche Anteil in mir, dieses Irrationale, Romantische, Wahnhafte. Immer auf der Suche nach der blauen Blume, dem Chemtrail, der Magie, dem dunklen Geheimnis. Immer auf der Flucht vor Zwangsimpfungen, Unterströmungen und Reptiloiden.

Aber das mit der Steuererklärung auf dem Bierdeckel fand ich damals auch gut.

Ich habe also das Interview gelesen und fand Merz immer noch interessant, vielleicht liegt es daran, dass er schlau ist und bei schlauen Leuten gehe ich in Resonanz. Ich zitiere jetzt kurz aus dem Interview, damit Du weißt, was ich meine:

Frage:

-Herr Merz, die stellvertretende grüne Fraktionsvorsitzende Agnieszka Brugger sieht bei Ihnen vor “vor allem eigene Machtambitionen und keine Wandlung weg vom eiskalten Mister Neoliberal”. Was antworten Sie?

Antwort Merz:

Ich kenne die Dame nicht und weiß auch nicht, was sie damit meint.

Also, das finde ich superschlau, wie er die Frage überhaupt nicht beantwortet und der Grünen gleichzeitig noch eins mitgibt: „Ich kenne die Dame nicht.“

„Die Dame“. Ich habe von der auch noch nie gehört, aber Merz doch wohl sicherlich. Agnieszka Brugger. Da hätte die Interviewerin vielleicht nachhaken müssen. „Wirklich nicht?“

Ich wette, Merz kennt jede einzelne grüne Vorstandsperson und weiß genau, wer wann was gesagt hat.

Immerhin steht ja eine schwarz- grüne Koalition im Raum, die SPD kommt ja mittlerweile überhaupt nicht mehr für eine Regierungsbeteiligung in Frage, so wie ich das mitbekomme.

„Wirklich nicht?“ wäre ein guter Move gewesen, da hätte man ihn als eiskalt UND uninformiert erscheinen lassen können, wenn man das gewollt hätte.

Das wollten sie ja auch, die taz interviewt Merz ja nicht mit dem Ziel, ihn abzufeiern. Aber er kommt wirklich gut rüber in diesem Interview, weil er sich überhaupt nichts bieten lässt und sehr gut ausweicht und stattdessen seine Agenda unterbringt.

Kritische Politikerinterviews. Schwieriges Genre. Ein Friedrich Merz wäre ja nicht da, wo er ist, wenn er Selbstzweifel hätte, oder es ihm etwas ausmachen würde, von der Konkurrenz, als eiskalter Neoliberaler bezeichnet zu werden.

Würde ich Interviews führen, würde ich nie kritische Fragen stellen. Die meisten Leute reden sich doch selbst um Kopf und Kragen, wenn man sie ein bisschen anspornt.

Aber ich weiß, Interviews zu führen, ist nicht einfach. Die paar Male, wo ich das gemacht habe, war es das Schwierigste, mir überhaupt die Fragen einfallen zu lassen. Mit Müh und Not, habe ich mir vier oder fünf aus den Fingern saugen können. Währenddessen war ich zu aufgeregt, um zuhören zu können und gleichzeitig gelangweilt, weil alle immer so weitschweifig antworten.

Und dabei, wenn ich Pech hatte, meine drei anderen Fragen schon beantwortet haben, bevor ich sie stellen konnte. Also musste ich die Zeit nutzen, während der Star redete, um mir Zusatzfragen einfallen zu lassen.

Wozu gibt es überhaupt Interviews? Das Meiste, was man wissen muss, steht ja sowieso in der Pressemitteilung.

Friedrich Merz. Wie gesagt, irgendwie stehe ich auf diese direkte eiskalte Art von neoliberalen Mistern, aber ich glaube, Söder wirds. Also Kanzler. Demnächst sollen ja wieder Wahlen sein, habe ich erfahren. Durch das Interview. Ich gebe diese brandheiße Info hiermit weiter, damit Du Dir bis dahin schon mal in Ruhe überlegen kannst, wen Du wählst. 

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