Plus 6

Mittwoch.

Berlin.

Ich bin hier und habe dauernd Lust und dauernd Lust auf essen und schlafen auch noch. Und auf trinken und auf Heroin, aber das geht nicht. Zum Glück muss ich mich um die Kinder kümmern und sehr viel arbeiten.  

Aber es ist so ungerecht: Auf Instagram sind immer noch alle am Mittelmeer und ich bin hier. Trotzdem: Ich beschwere mich nicht. Ich sag ja nur, wie es ist. Wenigstens das kann ich tun. Sonst nichts, denn ich kann ja jetzt nicht damit anfangen, Heroin zu nehmen, bloß um endlich mal zufrieden zu sein. 

Der Kühlschrank ist kaputt und deswegen habe ich den Schafskäse, den ich Sonntagabend im Späti gekauft habe, gar nicht erst reingelegt, sondern ihn bis heute in meinem Orangina- Beutel herumgetragen. Er hat sich aber gehalten, er war ja in Plastik eingeschweißt. Ich habe ihn gegessen und das war ein bißchen viel. Jetzt ist mir schlecht. 

Heroin wäre besser für die Figur, aber das ist teuer und dann müsste ich mich prostituieren, um das bezahlen zu können, aber dann hätte ich wenigstens mal wieder Sex.

Toll. Aber wo soll ich denn jetzt Heroin herbekommen? Außerdem habe ich keine Zeit dafür, ich muss mich doch um die Kinder kümmern und einkaufen und aufräumen und morgen früh kommt ein Fotograf und macht Fotos von mir, da muss ich fit sein. Oder ich hinterlege ihm den Schlüssel, denn morgens bin ich immer so müde. Sowie ich die Kinder zur Schule gebracht habe, lege ich mich wieder hin.

Ich könnte ihm den Schlüssel unter die Fußmatte legen und er könnte dann die Wohnungstür aufschließen, sich reinschleichen und mich fotografieren, während ich schlafe. Ja, das wärs.

Ich habe Angst davor, fotografiert zu werden, ich verkrampfe mich da immer so und dann sehe ich bieder auf dem Bild aus und dann wird das gedruckt und das ist dann peinlich. Vielleicht sollte ich doch Heroin nehmen, weil das soll entspannend wirken. 

Heroin. Je mehr ich darüber nachdenke, desto sinnvoller scheint es mir, das zu konsumieren. Aber es muss ein Traum bleiben. Am Wochenende wollen wir ja wieder aufs Land fahren und es wäre schade, wenn wir den Regionalexpress verpassen, weil ich mit halbgeschlossenen Augen und mit Nadel im Arm, auf dem Badezimmerfußboden vor mich hindämmere. Obwohl ich mir gerade nichts Schöneres vorstellen kann. Außer vielleicht, im Mittelmeer zu schwimmen, oder am Wochenende aufs Land zu fahren …

u.v.m.

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