Neunkommtvoracht

Mittwoch.

Paris.

Auf Googlemaps habe ich entdeckt, dass es bei mir um die Ecke ein geheimes Luftwaffenerforschungszentrum gibt. Welches im Brutalismus- Stil erbaut wurde. Da ich mich für krasse Städte, krasse Typen und krasse Bauten begeistere, bin ich also dorthin gegangen. Aber auch dieses Objekt bleibt für mich unerreichbar. Alles abgesperrt. Kein Zugang zum Gelände. Das geile Gebäude von hier aus nicht zu sehen. Stattdessen Stacheldraht, Kameras, Maschinenpistolen. Keine Chance.

Also bin ich weitergegangen, immer geradeaus und stand dann plötzlich an einem Waldrand. Ich ging hinein Es war ein sehr alter, sehr großer Wald, mit sehr hohen Bäumen und sehr breiten Wegen. Da bin ich dann spazierengegangen, an diesem heißen Tag und dann war da plötzlich ein See und in dem bin ich dann schwimmen gegangen. Wer hätte das gedacht, dass ich mal in Paris in einem See schwimmen gehen würde. Aber warum sollte das auch jemand gedacht haben. 

Am Abend war dann Dinnerparty beim Fotografen und die ist dann natürlich mal wieder eskaliert. Oh Mann, habe ich gedacht, als ich vormittags endlich wieder zuhause war. Das ist so ungesund und ich bin doch auch psychisch gerade so labil. Klar, ich habe jetzt wieder neue Freunde fürs Leben. Aber ich darf sowas eigentlich nicht mehr machen. Ich darf nicht mehr rausgehen. Aber ich darf auch nicht mehr alleine zuhause bleiben. 

Den französischen Nationalfeiertag verbrachte ich dann also damit, abzuwarten, dass der schlimme Zustand vorbeigeht und ich endlich einschlafen kann und dann schlief ich ein und als ich erwachte, ging es mir schon viel besser und ich habe jetzt endlich eine sündteure und höllisch hässliche Ferienwohnung gebucht und kann dort demnächst weiter an meiner Genesung arbeiten.

Ich habe auch endlich wieder bessere Träume, denn ich träumte, ich würde ein ganzes Buch auf Englisch lesen, aber das war noch das harmloseste. Davor habe ich geträumt, ich würde durch die Luft schweben und auf lauter kleine Trickfilmfiguren hinabsehen, es ging darum, dass ich die die ganze Zeit schwebend hinter mir ließ. 

Die Figürchen liefen mir hinterher und sie waren ganz klein und ganz bunt und niedlich und witzig gezeichnet und riefen mir in ihrer lustigen Trickfilmsprache etwas zu, aber ich verstand sie nicht und wollte sie auch nicht verstehen. Aber ich fand es so niedlich, wie sie hinter mir herliefen und konnte mich gar nicht satt daran sehen, wie sie rannten und rannten und stolperten und schrien und zu mir hochsahen und ganz dringend irgendwas von mir wollten, aber ich war immer ein bißchen zu schnell und zu weit weg für sie. Und immer wenn das Bild leer war, weil sie zu langsam für mich geworden waren und deswegen aus meinem Blickfeld gerieten, habe ich zurückgescrollt, sozusagen, weil ich den Anblick der rennenden, verzweifelten Männlein so hübsch und erheiternd fand.

Lustigerweise lese ich ja wirklich gerade ein Buch auf Englisch, das erste Mal in meinem Leben und es klappt relativ problemlos. Es ist das Buch von Donald Trumps Nichte Mary, über ihren lieben Onkel. Ich komme aber nicht so richtig rein, weil ich die ganze Zeit so über mich staune, dass ich einfach so jedes einzelne Wort verstehe. Dass dieses Englisch für mich gewissermaßen wie Deutsch ist.

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