Microdosing Protokoll Teil 27

Am Anfang meiner Existenz standen 8 Jahre Buschallee parterre – Berlin- Weißensee.

Welch derbes Erbe.

Jetzt immerhin Schönhauser Allee – Prenzlauer Berg und zwar ganz weit oben.

Per aspera ad astra.

Aber Bushido gelang in viel kürzerer Zeit, der Weg von Tempelhof nach Kleinmachnow.

Ins EIGENHEIM!, während ich immer noch unterm Mietendeckel festhäng.

Aber ok:

Musizieren ist eine dermaßen stupide Beschäftigung.

Wenn das nicht gut bezahlt werden würde, hätte da niemand Bock drauf. Darum klatschen und johlen die Leute bei Konzerten auch immer so viel.

Aus Mitleid und Solidarität, – so ähnlich, wie im letzten März für die Krankenschwest*ern.

Damit die Musikanten sich aufraffen und immer weiter und weiterfiedeln.

Denn alle Menschen lieben Musik und brauchen Musik.

Alle wollen Musik hören, aber natürlich will kaum jemand sie machen.

Denn es gibt wenig, was öder ist, als tagein tagaus, Saiten zu zupfen oder Klaviertasten zu drücken.

Und immer muss es die RICHTIGE Saite oder Taste sein. Was wiederum Stress erzeugt, besonders, wenn Publikum dabei ist.

Meistens braucht man beide Hände zum Musizieren, das heißt, selbst wenn man das Glück hat, beim Musizieren allein zu Hause zu sein, kann man trotzdem nicht nebenbei Staub wischen, lesen, Candycrush spielen, oder telefonieren.

Man kann währendessen nicht mal Podcast oder wenigstens ANDERE Musik hören.

Ein paar Minuten machen die selbsterzeugten Töne Spaß, aber dann wird es mechanisch. Es geht nur noch um richtiges Tempo, richtige Taste und weiter nichts. Damit man das so profimäßig runterrattern kann, muss man üben.

Aber das reicht nicht. Kaum hat man ein Musikstück eingeübt, soll man das nächste einüben.

Schon nach wenigen Minuten, oder bei schlichteren Gemütern, wenigen Jahren, oder bei ganz schlichten, einem ganzen Leben, ist der Reiz verflogen.

Bach, Händel, Beethoven, Schubert, Satie, Schnappi, alles das selbe leere Geklingel.

Irgendwie sind es ja doch jedesmal die gleichen Töne, einfach nur in einem anderen Tempo und in anderer Reihenfolge.

Die Magie ist weg, aber das Publikum darf das nicht merken, also muss man so tun, als ob es zwischen Musik und Musik Unterschiede gäbe und „interpretieren“ soll man ja auch noch.

Diese permanente Gleichzeitigkeit des Empfindens von starker Langeweile und hohem Stress, welche durch das Musizieren ausgelöst wird, schädigt die inneren Organe und kann, ähnlich wie radioaktive Strahlung, erbgutverändernd wirken.

Dass von Musikanten eine konsequente Unterdrückung dieser Gefühle gefordert wird und sie stattdessen, Musikinhalte durch Mimik und „Bühnenperformance“ zum Ausdruck bringen sollen, führt häufig zu irreversiblen Schäden.

Orchestermusiker, von denen niemand dergleichen Schmierentheater erwartet und denen man, die durch das Musizieren ausgelöste extreme Langeweile und den Stress ausgelöst durch Versagensangst, häufig überdeutlich ansieht, erkranken dafür, im Vergleich zu Solisten und Dirigenten, deutlich seltener, bei milderen Krankheitsverläufen.

Dennoch schließen sich Lebensglück, Seelenfrieden und tiefe Zufriedenheit, mit dem Beruf des Orchestermusikers grundsätzlich aus.

Tschechische Wissenschaftler haben festgestellt, dass schon ein(!) ausdruckstarker musikalischer Einzelauftritt mit Instrument, akute Symptome wie Sehstörungen, Hörsturz, Ohnmacht, Herz- Kreislauf- Probleme, aber auch chronische Spätschäden, wie Depressionen, Schlafstörungen, Bluthochdruck bis hin zu plötzlichem multiplen Organversagen hervorrufen kann.

Viele Musiker flüchten sich aus Verzweiflung in den Suff, oder in die Religion.

Das Risiko, aufgrund fortgesetzten Musizierens vorübergehend oder dauerhaft psychisch zu erkranken, ist hoch.

Spears, Naidoo, Sinhead O Connor, Elvis Presley, Brian Wilson:

(die Reihe ließe sich endlos fortsetzen…)

Ihre empfindsamen Hirne und Seelen, verkümmerten wie Orchideen in der Wüste, wurden zersetzt durch das fortgesetzte Erzeugen toxischer Sounds.

Ach, hätte man sie doch gewarnt! Hätten sie doch einfach nur gern Musik gehört, wie alle anderen.

Wäre es doch einfach nur bei dem dringenden Wunsch geblieben „auch sowas zu machen“, oder dem, ein Instrument zu „beherrschen“!

Aber ehrgeizige, selbst vom Musizierwunsch zerstörte Eltern trieben sie schon als unschuldige Kinder an die Instrumente.

Oder man ignorierte die Musik der Erbarmungswürdigen, bzw schlimmer noch, lauschte in stummer Bewunderung,

dem sich im Jugendzimmer unter der Dachschräge durch autodidaktisches Gitarrenspiel, immer tödlicher vergiftenden Nachwuchs.

Hätte jemand den kleinen Kurt Cobain streng von Instrumenten isoliert, wäre er den tötenden Tönen nicht verfallen und hätte die Chance gehabt, ein zufriedenes und normales Leben zu führen, anstatt sich ein paar Jahre später, durch Gitarrenspiel und emotionale Auftritte körperlich und seelisch unheilbar krank, einen Gewehrlauf in den Mund zu schieben und sich ins „Nirvana“ zu schießen.

Mozart, Winehouse, Hendrix, Falco, Michael Jackson, verfielen aufgrund fortgesetzten jahrelangen Musizierens, Drogen, Wahnsinn und Perversion.

Hohe und höchste Geldbeträge und massenhaft solidarischer Applaus, konnten den grausamen Zerfallsprozess nicht stoppen.

Sie beschleunigten ihn sogar.

Immer mehr, immer intensiver musizierten die Bedauernswerten, immer größer wurde die dadurch ausgelöste innere Leere.

Die nur durch die Sucht nach Geld und Applaus gefüllt werden konnte.

Ein Teufelskreis, wie Labello und trockene Lippen.

Jimi Hendrix muss das intuitiv geahnt haben, sonst hätte er nicht immer wieder verzweifelt die todbringenden Gitarren zerdroschen.

Aber jedesmal drückte ihm ein egoistischer Musikliebhaber ein neues Instrument in die Hand…bis zum bitteren Ende…

Nein, Jimi Hendrix hatte nicht so viel Glück, wie Bushido.

Bushido hat es geschafft, sich vom Musizieren zu befreien.

2018 erschien „Mythos“, sein (hoffentlich!) letztes Album.

Was Bushido vor dem teuflischen Drang zum Musizieren rettete, waren seine Kontakte zur organisierten Kriminalität.

Über Bundestagspraktikum, Integrationsbambi, Körperverletzung, Versicherungsbetrug und Schutzgelderpressung, erkämpfte er sich während 12 langen Jahren, seinen Weg aus dem Rap zurück in die Freiheit.

Sein Werdegang gibt Hoffnung.

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