microdosing protokoll teil 20

Dienstag.

Berlin.

Spongebob und Patrick sind wieder da. Und Eric Blanc. Er hat eingekauft. Endlich mal Gemüse. Ich kaufe nie Gemüse, weil ich keine Lust habe, das zu waschen und klein zu schneiden. 

Ich habe schon länger nicht mehr gekocht. Keine Lust auf einkaufen, abwaschen und dergleichen.

Hab einfach auf der Danziger Pizza geholt. Oder Sushi in der Schwedter. Immer abwechselnd.

Aber jetzt ist Eric Blanc da und übernimmt seine Vaterpflichten.

Sogar Obst gibts jetzt bei uns. Eric steht in der Küche und macht Ratatouille und Smoothies all Day long, kümmert sich um die Kinder und ich sitze im Salon und eigentlich darf keiner rein, weil nämlich die Tür zu ist. 

Ich sitze am Schreibtisch, höre russische Schlager und spiele Flöte dazu. Aber die Flöte ist kaputt, oder mein Flötenspiel ist es. 

Ich würde gern Klavier spielen, doch dazu müsste ich den Salon verlassen. Aber das geht nicht. 

Ich bestelle mir eine Triola, die hoffentlich morgen geliefert wird.

Es gibt Leute, die vermissen es eine Familie zu haben, oder ihre Freunde zu treffen, oder ohne festen Partner zu sein.

Ich nicht. Ich will eine Triola und Einsamkeit. Mehrere hundert Jahre Einsamkeit.

Sowas sagt sich leicht, wenn die ganze Wohnung voll mit lieben Menschen ist, von denen mich nur eine geschlossene Zimmertür trennt. Die jederzeit geöffnet werden kann, denn ich habe mich ja schließlich nicht eingeschlossen. 

Jederzeit könnte jemand reinkommen und ich könnte jederzeit rausgehen. Wenn jemand reinkäme, würde ich lächeln, wenn ich rausginge, würde mich jemand anlächeln. 

Aus der Fülle heraus kann man leicht so tun, als bräuchte man sie nicht. 

Vom “einfachen Leben” schwärmt es sich auch gut, wenn man aus dem Vollen schöpfen kann.

Wie bescheiden wir seien, scherzten Blanc und ich letzten Sommer, als wir mit den Kindern an der Cote d`Azur waren.

Wir bräuchten NICHTS. 

Nur die Sonne und das Meer und die Kinder und ein kleines Boot, mit einem ganz kleinen Motor und eine kleine Bucht zum ankern und Proviant und ein, zwei Fläschchen Rosé und einen kleinen Felsen zum raufklettern und runterspringen und schon seien wir glücklich und so war es ja auch. 

Und darum geht es mir gut. 

Mein Salon, mein Bildschirm, ein Microdöschen Wodka- O und stabiles WLAN genügen mir vollkommen.

Ich muss ja gar nicht wirklich allein sein. 

Tür zu reicht auch. 

Ich mach ja sowieso nichts, was ich nicht auch bei geöffneter Tür tun könnte. Weil ja jeden Moment jemand reinkommen könnte. 

Nur das und weiter nix.

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