Microdosing Protokoll Teil 18

Sonntag.

Berlin.

Spongebob und Patrick wurden nach langen Hin und Her letztendlich doch noch über Ostern aufs Land verschickt. Das Hin und Her war deswegen, weil keiner wusste, ob man das noch darf: Über Ostern aufs Land fahren.

Oder WOFÜR hatte sich Angela Merkel entschuldigt? 

“Reisen darf man ja eigentlich nicht, oder?” sagte Mutter schuldbewusst, als ich ihr die Kinder an den Abfahrtsbahnhof brachte. Der Bahnhof war voller Menschen mit Rucksäcken. 

Und dann fuhr der Zug ein und sie fuhren ab und ich ging nach Hause und dachte mir: 

“Was stellst du jetzt an, mit der freien Zeit?”

Mir war klar, dass es unbedingt das Schlimmstmöglichste sein musste. Also habe ich mir erstmal einen Wein aufgemacht und ging abends Besuche abstatten. 

Fand mich dann wenig später, zu zweit in einer Küche wieder. Wir tanzten und brüllten den Songtext mit und dann das gleiche Lied nochmal, diesmal brüllten wir nur noch. Ich verabschiedete mich, schweißgebadet und außer Puste, musste weiter, war noch verabredet und dachte: 

“Das kann ich jetzt? Dermaßen freigeschaltet tanzen und brüllen? Ich habe mich verändert, ich habe ja wirklich gar keine Hemmungen mehr, mittlerweile.”

Wenig später war ich in einer anderen Küche und zwar der vom Großmeister Y. 

Da haben wir weiter getanzt und dann kamen noch Leute und erst wurde es immer später und dann immer früher.

Irgendwann mittendrin, sollte ich mich an den Ofen setzen und man zog mir die Schuhe aus und stellte meine Füße auf ein Kirschkernkissen und sagte, wie ich atmen soll, nämlich tief ein und langsam aus und dann wurde ich massiert und ich schloss die Augen und dachte: 

“Ja, ja, ja, das ist gut.”

Die darauffolgenden Tage verbrachte ich teils draußen, teils drinnen und verhungerte beinahe, weil ich nicht einkaufen war. 

“Wenn die Kinder nicht da sind, brauche ich nicht einkaufen.” hatte ich gedacht.

Ich hatte also nichts zu essen im Hause und musste daher hungern und wenn ich schlief, träumte ich von Essen und wenn ich wach war, likte ich auf Insta alles mit Essen und eigentlich hatte ich auch die Zeit ohne Kinder nutzen und endlich mal so richtig gründlich aufräumen wollen, aber stattdessen habe ich nicht gegessen und nicht aufgeräumt und nur geschlafen oder Unsinn angestellt und ich dachte:

“Die primären Lebensbedürfnisse vernachlässigen, ist ja eigentlich kein Selfcare, aber who cares?”

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