Microdosing Protokoll Teil 17

Mittwoch.

Berlin.

Perverser Jesus hin oder her. Das kann stimmen oder nicht, aber trifft es auch nicht ganz. 

Da war mehr zwischen dem Bösen und mir, da gab es doch irgendwelche Gemeinsamkeiten. Also, er hat mir doch auch meinen Roman gegliedert, nicht den aktuellen, sondern einen anderen und wir haben Sachen miteinander besprochen und gescrabbelt und zusammen riesige Blätter mit Zeichnungen vollgekritzelt und uns gegenseitig unsere Lieblingsmusik vorgespielt und er hat letztes Jahr sogar noch Ostereier mit mir bemalt.

Das war doch nicht alles nur Machtkampf und gegenseitige Verachtung und bloß, weil ich von Anfang an und zwischendurch ab und zu mal und zum Ende hin erst recht und dann letztendlich wirklich, wie Müll behandelt wurde, heißt das doch noch lange nicht, dass es nicht auch andere Aspekte in unserer Beziehung gegeben hätte. 

Auch wenn es diese Beziehung, wenn ich ihn richtig verstanden habe, niemals gegeben hat. 

Vielleicht weil er ja die ganze Zeit, schon eine andere Beziehung hatte, die er aber, als ich es dann wusste, (weil er da ein paar Mal beim Verheimlichen nicht richtig aufgepasst hatte)  und ihn darauf ansprach, auch nicht hatte, so behauptete er es jedenfalls und blieb auch dabei. 

Er bestritt dermaßen hartnäckig und wütend, eine Freundin in Süditalien zu haben, dass ich trotz der Evidenz meiner Beweise und aus lauter Kummer, solche Lust hatte, ihm zu glauben, dass ich ihn auf das Leben seiner Mutter schwören ließ, dass er mir immer treu war und es keine andere Frau in seinem Leben gäbe. 

Er schwur es. Ein paar Wochen später war seine Mutter tot. 

Aber die war sowieso schon krank, als ich ihn zwang, mir Treue zu schwören. 

Aber trotzdem war da mehr zwischen uns, das war mehr als irgendein schiefgelaufenes Tindermatch anderer Leute. Aber das ist egal. Jedenfalls ihm. 

Kurz darauf verließ er mich endgültig, um sich bei seiner Flamme in Italien anzusiedeln und ich komme immer noch nicht damit klar.

Wie konnte er mir das antun?

Ich sei so sympathisch, man müsse mich einfach mögen, er könne sich nicht vorstellen, dass es irgendeinen Menschen auf der Welt gäbe, der mich nicht mich nicht mögen könnte, hat er ganz am Anfang unserer Bekanntschaft mal zu mir gesagt.

Wer hätte damals gedacht, dass ausgerechnet er eines Tages, dieser Mensch sein würde.

Und umgekehrt bin ich vermutlich der einzige Mensch auf Erden, der ihn mag, würde ich gern schreiben, aber das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. 

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