Microdosing Protokoll Teil 13

Dienstag.

Berlin.

Es wird Zeit wieder in die Earth Resonance zu gehen, also das psychedelische Psilocybin- Pilz- Microdosing fortzusetzen. Ich habe ja erst die Hälfte der offiziell auf der Packungsbeilage vorgeschriebenen Einnahmezeit erreicht.

Ich muss also dringend weitermachen, muss auf die 30 Tage kommen, damit ich endlich damit aufhören kann. 

Ich habe mich schon eine Woche oder länger, davor gedrückt. 

Weil ich wegen des LSD an den vorletzten beiden Wochenenden erstmal genug hatte, von Psychedelika. Wenn man 18 Stunden auf Trip war, dann hat man nicht als erstes nach dem Runterkommen Lust, sich ein psilocybinhaltiges Scleroticum unter die Zunge zu legen. 

Nein wirklich nicht. 

Die Gehirnzellen sagen dann nämlich: 

“Nein danke, wir würden jetzt gern mal eine zeitlang unvernetzt bleiben, wenns recht ist.”

Also gabs letztes Wochenende kein LSD und außerordentlich müde war ich auch. 

Aber sollte ich denn an meinem einzigen freien Abend pro Woche, etwa allein zu Hause bleiben und früh ins Bett gehen? 

Auf gar keinen Fall!, entschied ich und machte das, was alle gemacht haben: Ich ging endlich mal wieder zum Frisör. 

Und wie das immer so ist: 

Wenn man zu dem einen Frisör geht, trifft man da Leute und geht mit denen weiter zu einem anderen Frisör und wenn der zumacht, sagt einer, kommt mit, ich kenn einen kleinen Frisör ganz in der Nähe, der schneidet uns bestimmt noch mal kurz die Haare, also wenigstens die Spitzen und dann geht man da hin und dann trifft man noch jemanden und geht kurz mit zu dem nach Hause, für eine letzte Haarkur und am Ende bräuchte man eigentlich noch einen freien Abend, um sich von dem einen freien Abend zu kurieren.

Jedenfalls hatte ich dann verständlicherweise, immer noch keine Lust darauf, das  Microdosing fortzusetzen. 

Aber es muss ja sein, es geht ja nicht anders. Nüchtern ist das doch alles gar nicht mehr und immer weniger auszuhalten. 

Also ich habe ja fast so etwas wie ein Burn- Out gehabt, wegen der Gesamtsituation und musste mich deswegen für einen Abend in Betreuung begeben, obwohl ich gar nicht wusste, wie ich dahin kommen soll, ohne Krankenwagen. Aber dann gings doch und ich bekam Wein und etwas Warmes zu essen und die Gelegenheit, Mitgefühl zu erzeugen und außerdem wurde mir etwas auf der Gitarre vorgespielt und dann ging es mir schon viel besser, aber ich war immer noch komplett am Ende meiner Kräfte. 

Als ich wieder zu Hause war, dachte ich deswegen, das beste Mittel gegen Stress ist, diesen zu reduzieren. Und beschloss, deswegen weiterhin erstmal gar nichts zu machen, um mich zu regenerieren und darum ließ ich die Kinder machen, was sie wollten, nämlich Minecraft im Kreativ- Modus spielen. 

Und ich lag im Bett, dämmerte vor mich hin und dachte: Das ist doch ein schönes Synonym für meine bevorzugte Art der Lebensgestaltung: Der Kreativ- Modus. Also der Modus ohne Monster. 

Man könnte Minecraft nämlich auch im “Hardcore- Modus” spielen und da muss man die ganze Zeit gegen Monster kämpfen. Aber im Kreativmodus laufen sie einfach nur friedlich und ohne zu stören, in der Gegend herum, die Zombies und die Endermans und man kann derweil in Ruhe sein Imperium bauen.

Aber ewig und immer geht sowas natürlich nicht. Ich muss bald wieder in den Hardcore- Modus zurück, um irgendwas gebacken zu kriegen. 

Ich muss mich da ganz langsam heranführen und habe mir aber trotzdem fest vorgenommen, gleich morgen früh, endlich die zweite Tüte mit der frischen Lieferung aus Holland anzubrechen, also falls ich das Gefühl habe, ausreichend regeneriert zu sein.

Es muss ja sein, es geht ja nicht anders. Also werden sich meine Gehirnzellen wohl damit abfinden müssen, wieder vernetzt zu werden.

Schon aus kosmetischen Gründen. Ich möchte diese hellen Augen bekommen, welche ich manchmal auf Festivals bei gewissen Party- Animals gesehen habe. Also nicht bei den Koksern und Ketaminkonsumenten, sondern bei den Psychedelikern. 

Die sahen immer so irre gut und so happy aus und die hatten immer, morgens, mittags, abends, nachts, diese hellen leuchtenden Augen und immer einen erbaulichen Spruch bezüglich kosmischer Gesamtzusammenhänge auf den Lippen. Und außerdem hatten die immer frisches Obst parat, und eine Flasche kaltes klares Wasser und Schokolade oder Nüsschen und schöne Haare und das will ich auch. 

Diese Augen und frisches Obst und Schokolade und kaltes klares Wasser. 

Kommentar verfassen