Konstruktive Kritik

Kommafehler, ein fieses Manko. Ich weiß ja, Kommafehler sind schlimm, tun weh im Auge, sind aber immer noch besser als Rechtschreibfehler. Was es nicht besser macht. Soll ich jetzt die Kommas korrigieren, oder nicht. Aber in der Zeit kann ich doch lieber was Neues schreiben, mit neuen Kommafehlern drin. Ich erwähne die Kommafehler nur, weil ich mich natürlich davon getroffen fühle, wenn die jemand bemängelt und ich darin keine konstruktive Kritik sehe, sondern Schlimmeres und ich habe es neulich sogar öffentlich und wortwörtlich gesagt, dass ich ganz besonders mit “Konstruktiver Kritik” auf gar keinen Fall behelligt werden möchte. Gerade bei “Konstruktiver Kritik” handelt es sich immer um unaufgeforderte Kritik und in bezug auf Kritik bin ich natürlich nicht anders, als die meisten Menschen: Ich kann damit nicht umgehen, aber muss ich ja auch nicht. Ich muss sie nur an mir abperlen lassen, also das ist es, was ich lernen muss, sonst komme ich in Teufels Küche, als jemand, der sich schon davon getroffen fühlt, wenn man ihm unaufgefordert öffentlich Kommafehler ankreidet. Es gibt ja viele Selbsthilfebücher und Selbsthilfe- Instagram- Sprüche und dergleichen, in welchen den Leuten nahegelegt wird, sich ihrem “Inneren Kind” zuzuwenden, aber vielleicht sollte man sich auch mal seinem “Inneren Erwachsenen” zuwenden. Also, ich übrigens weder noch, mir geht es ja gerade nur darum, zu lernen, Kritik an mir abperlen zu lassen. 

Ich habe es mir jedenfalls vorgenommen, aber eigentlich ist das auch schon Unsinn, denn wie sehr man sich von “Konstruktiver Kritik” und ihren kleinen und großen Schwestern

“Überschwengliches Lob” und “Unsachlicher Kritik” getroffen fühlt, hängt ganz einfach nur von der Tagesform ab. Aber nein, so leicht darf ich es mir nicht machen. 

Es bleibt dabei, ich muss lernen, mit Kritik umzugehen, das heißt, sie um jeden Preis, an mir abperlen zu lassen, um nicht zusammenzubrechen, falls es mal hart auf hart kommt. Aber wie soll ich das lernen, wenn ich doch so gut wie gar nicht kritisiert werde, oder habe ich es schon gelernt, weil ich sowieso schon alles an mir abperlen lasse? 

Ich habe einfach Angst, dass das mit der Kritik so wie mit den Schulnoten in Deutschland ist: Bis zur dritten Klasse nur Bienchen, oder schlimmstenfalls ein Viertel Törtchen und dann von jetzt auf gleich Zensuren, anhand derer schon wenige Wochen später, über “Gymnasiale Empfehlung” oder Hauptschullaufbahn entschieden wird, also strenggenommen über den gesamten weiteren Lebensweg. 

Also, ich hab Angst, dass ich, falls da wirklich mal was in Richtung öffentlicher Hinrichtung im Feuilleton kommt, ich keine gymnasiale Empfehlung bekomme und es ab da für mich gelaufen ist, sowohl psychisch, als auch finanziell, als auch kreativ.

Aber bei sowas, brechen ja von Martin Walser bis Günther Grass, alle zusammen, egal wie arriviert sie sein mögen. Und je arrivierter, desto größer der Zusammenbruch außerdem. Man bricht zusammen und steht wieder auf und außerdem ist das der Ritterschlag schlechthin, unisono überregional verrissen zu werden und es wäre daher ein absolut erstrebenswertes Ziel, unisono überregional verrissen zu werden, wenn es nicht ein mehr als erbärmliches Ziel wäre, unisono überregional verrissen zu werden.

Momentan werde ich ja noch unisono überregional verschwiegen, was auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung ist, aber das reicht natürlich noch nicht. Ich habe im Moment aber keine Handhabe, das aktiv zu ändern, bzw. ich wüsste nicht, wie. Also mir ist, als sei mein ganzer Schneid und meine ganze Energie und meine ganze Lust an der Selbstdemütigung, in meine literarische Produktion geflossen und fürs Drumherum nicht viel übrig geblieben. Das führte kürzlich zu weiterer unwillkommener, weil unaufgefordert an mich erteilter “Konstruktiver Kritik”: 

Mein Selbstmarketing sei katastrophal, weil ich eben nicht so bekannt sei, wie es mir gebühre, sagte man mir mit einer Vehemenz, die einem gewissen Zustand eher wenig vehementer Nüchternheit entsprach. Jetzt wo ich es aufschreibe, bemerke ich, dass ich auch diese Kritik aus Prinzip, selbstverständlich an mir abperlen lassen muss, ohne auch nur im Entferntesten darüber nachzudenken, ob sie für mich von Relevanz sein könnte.

Kommafehler und schlechtes Selbstmarketing, könnte man problemlos jedem Künstler von Rang vorwerfen und würde immer richtig damit liegen. 

So wie jeder Wahrsager jedem Klienten sagt, er würde eine tiefe, in der Vergangenheit liegende Verletzung bei ihm spüren, die ihn daran hindere, anderen Menschen wirklich zu vertrauen, wiewohl ihn aber sein Unwille sich anzupassen und sein kritischer Geist schon vor vielen Fehlentscheidungen bewahrt hätten, sich aber nichtsdestotrotz hinter seiner selbstsicheren Fassade eine große Unsicherheit verstecke… und dergleichen mehr…

Mehr als jede unaufgeforderte Kritik, sollte unaufgefordertes Lob an mir abperlen.

Wetter und Stimmung auf der einen Lesung von mir neulich, seien ja wirklich ganz wunderbar gewesen, sagte man mir.

in, diesem Text sind übrigens fünf und mehr kritikwürdige Dingsbumshaftigkeiten als auch feler versteckt dafür, aber sehr gut

2 Kommentare

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Dieser katastrophale Debattenbeitrag läutet mit seinem nihilistischen Fatalismus und seinem betonten Desinteresse gegenüber einem respektvollen Umgang mit der deutschnr Sprache in Schrift und Bild, was nicht zuletzt ein Respektlosigkeit gegenüber Leser:innen ist, nicht weniger als das Ende des Abendlandes ein.

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