Kalte Betriebskosten

Ich wäre so gern wenigstens selber dran schuld, aber ich habe alles richtig gemacht. Ich war nicht viel zu nett. Aber auch nicht zu wenig. Nein, wirklich nicht. Das wurde mir von der Gegenseite mehrfach bestätigt.

Trotzdem war die Gegenseite zunehmend unzufrieden mit meinen Nettigkeitsgraden, (mal wars ihr zu viel, dann wiederum zu wenig) und sie brachte das jedesmal direkt zum Ausdruck und wenn man das Gequengel ignorierte, dann wurde sie noch quengeliger und wenn man darauf einging, wurde sie noch viel quengeliger.

Ich sagte der Gegenseite daraufhin, dass ich sie weder vollquengeln will, noch von ihr vollgequengelt werden wolle, sondern interessante Gespräche führen und in konstruktivem Austausch stehen. Woraufhin sie sagte, dass ich mit dem Psychoscheiß aufhören soll.

Woraufhin ich Konsequenzen zog.

Ich habe zu diesem Zweck das Schlimmstmögliche behauptet, um Diskussionen zu vermeiden und es hat geklappt.

Für ungefähr drei Tage war ich prinzipiell froh deswegen und danach einfach nur gleichgültig und mittlerweile denke ich manchmal, es war doch eigentlich anfangs manchmal ganz schön gewesen mit der Gegenseite, also die Blumen, der Kaffee und das Gekuschel und dass sie behauptete, mich lieb zu haben, ja, ich fand es ganz angenehm, dass sie mir diese Floskel so inflationär ins Ohr säuselte und deswegen überlege ich dann, ob ich vielleicht der Gegenseite schreibe und das Schlimmstmögliche zurücknehme und behaupte, ich hätte gelogen, weil mir die Gegenseite so unfassbar stark auf die Nerven gegangen war, aber das sei jetzt vorbei und ich hätte mich geirrt und sie wäre mir gar nicht auf die Nerven gegangen. 

Oder ich könnte die Gegenseite auch einfach anrufen und auf das Schlimmstmögliche gar nicht eingehen, sondern einfach so tun, als sei nichts gewesen. 

Vielleicht mache ich das nächste Woche oder übernächste Woche sogar, aber wahrscheinlich nicht.

“Das mit euch ist NICHT vorbei, auf gar keinen Fall.” hat meine Cousine gesagt, als ich ihr davon erzählt habe, woraufhin ich bereute, ihr davon erzählt zu haben. 

Natürlich erwiderte ich: “Doch ist es und diesmal endlich endgültig und zwar wie immer aus gutem Grund, das habe ich dir doch gerade gesagt, hast du denn nicht gehört, was ich gesagt habe?” 

“Nein, ist es nicht.” sagte sie und ich fragte, wieso und sie sagte, sie wisse es einfach und ich sagte: „Spinnst du was soll das?“ und ich dachte: 

”Mein Gott, was für ein dummes Gespräch das schon wieder ist. Ich sage grün und sie sagt blau und es tut überhaupt nichts zur Sache und es bringt nichts, genau wie die Sache mit der Gegenseite und ich will sowas nicht mehr.” 

Trotzdem liege ich nachts manchmal wach im Bett und bin traurig, weil ich kuscheln will und das momentan nicht geht, und es tröstet mich auch nicht, dass ich diesmal nicht selber daran schuld bin, dass das nicht mehr geht, weil ich diesmal alles richtig gemacht habe. Aber ich bin natürlich trotzdem traurig, da kann man nichts machen. Außer die Gegenseite anrufen und so tun, als wäre nichts, natürlich.  

Aber lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende und so weiter. 

Also nehme ich mein Plüschpferd in den Arm, anstatt die Gegenseite anzurufen und in diesen Momenten weiß ich sofort wieder, wie recht ich damit habe. 

Weil ich mich dann sofort daran erinnere, was die Gegenseite gesagt hat, als ich ihr von meinem Plüschpferd erzählt habe. (Nämlich, dass ich das immer in den Arm nehme, wenn ich Trost brauche.)

“Das arme Pferd.” hat da nämlich die Gegenseite gesagt, einfach so und ganz spontan und impulsiv und da wusste ich Bescheid und ich machte mir sofort eine Notiz im Kopf und da standen nur leider schon zwei oder drei Notizen dieser Art und das war einer der vielen Tropfen auf den heißen Stein, die das Fass zum Überlaufen brachten.

Die Sache hat sich abgerieben, so wie die Zahlen sich abreiben, wenn man sie teilt. 

Eins durch Drei ergibt 0,3 Periode und die ergibt nie wieder Eins, wenn man sie mal drei nimmt und so ist das auch mit den menschlichen Beziehungen.

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