Just breath

Halloween war furchtbar. Ich befand mich allein zuhause, es war tief in der Nacht, als ich plötzlich wie vom Blitz getroffen, zusammenfuhr und ich mir aus dem Nichts heraus erschreckende Fragen stellte. Deren Beantwortung, so schien mir, keinen Aufschub duldete. Aber es war mitten in der Nacht, ich konnte sie meinem Gegenüber nicht stellen, weil es nicht anwesend war. Aufgrund der späten Uhrzeit, verwarf ich den Gedanken, es anzurufen.

Ebensowenig gestattete ich mir, in fruchtlose Grübeleien zu verfallen, sondern streamte ich dies und das, bis ich mich dazu in der Lage fühlte, mich mit meinen drei Lieblingsplüschtieren in die Horizontale zu begeben und in einen tiefen traumlosen Schlaf zu verfallen. 

Anderntags sagte ich, erschüttert von mir selbst, alle Termine ab und begab mich zu meinem Gegenüber, zwecks Klärung des Sachverhalts. Obwohl ich dachte, ich hätte diese Schaltkreise “Eifersucht”, “Verlustangst”, “Bedürftigkeit” hinter mir gelassen und wäre endlich vollständig gereift, fand ich mich elendig, zerrüttet und von Lachkrämpfen geschüttelt, in Embryonalstellung auf der Küchenbank des Gegenübers wieder.

“Reifen, ich muss reifen!” rief ich zitternd und hatte womöglich gerade einen Nervenzusammenbruch.

“Ich schaffs nicht. Ich hasse mich. Entschuldige bitte. Ich dachte, ich wäre erwachsener geworden, aber nichts ist passiert! Ich hasse mich. Ich gehe jetzt wohl besser.” 

fügte ich hinzu und war schon im Flur, um mir wieder die Schuhe anzuziehen.

“Aber warum denn?” sagte das Gegenüber und darum blieb ich, obwohl ich eigentlich ganz viel vorhatte und erledigen wollte und ich sagte wieder etliche Termine ab und das Gegenüber kochte Nudeln und ich sagte, dass ich mich so schlecht abgrenzen könne und das Gegenüber sagte, es geht ihm genauso und dass ich das jetzt aber durch ihn lernen kann und ich klappte schon wieder zusammen und rief: 

“Aber ich will nichts mehr lernen. Ich kann sowieso nichts lernen. Ich bin so schlecht im Lernen.” 

Und dann redeten wir über was Anderes und ich erzählte ihm, dass ich demnächst meinen Waffenschein machen will, weil Schusswaffen mich schon immer fasziniert haben und ich übelst Lust darauf habe, mit einem Gehörschutz auf den Ohren in einem muffigen Keller zu stehen und mit einem Schnellfeuergewehr auf Zielscheiben zu ballern (Und eigentlich auch darauf, mit einem Messer zwischen den Zähnen bäuchlings durch den Schlamm zu robben, aber das sagte ich ihm nicht) und er fragte, ob ich mich mit Waffen auskennen würde und ich sagte, nein, nur mit den Waffen einer Frau und er meinte, das könne er bestätigen.

Und dann erledigten wir Sachen zusammen und gondelten herum und am Abend kritisierte mich das Gegenüber, woraufhin ich in Tränen ausbrach, woraufhin das Gegenüber seine Kritik wiederholte und ich war schon wieder kurz davor zu gehen und ich fragte mich, warum ich mir das alles eigentlich antue und ich wollte dann aber doch lieber nicht allein zuhause sein und ich dachte, dass ich doch lieber mit einem lebendigen männlichen Kuscheltier im Bett schlafe, als mit drei Stofftieren. Wobei ich mir im Grunde nicht hundertprozentig sicher bin, ob das stimmt, aber doch relativ sicher.

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