EINFLUESSE

In dem Traum neulich, war er plötzlich wieder da. Stieg vor dem Haus meines ehemaligen Schwiegervaters aus einem nagelneuen BMW-SUV, mit getönten Scheiben. (Gibt es sowas?)

Sah aus wie gehabt, sah mich böse an und wandte sich ab. Mir wurde erst kalt, dann schlecht und ich tat so, als sei nichts geschehen, als hätte ich ihn nicht gesehen und folgte meinem Mann und den Kindern ins Haus, die Treppe hoch, bis unters Dach, wo wir zerknüllte Klamotten in verkrümelte Rollkoffer und fleckige Rucksäcke stopften, weil wir am Abreisen waren. Und ich fühlte mich komplett gebrochen, als hätte mir jemand die Wirbelsäule zerschlagen und ich dachte wortwörtlich: “Ich bin hier mit Leuten, die nicht er sind, um mit ihnen an Orte zu fahren, an denen er nicht ist, das ergibt für mich überhaupt keinen Sinn.”

Und ich nuschelte eine Entschuldigung und irgendwas mit “Bin gleich wieder da.” und ging zu ihm nach unten. Er war gerade dabei, in sein Auto einzusteigen, beinahe hätte ich ihn also verpasst, aber dem war nicht so.

Er sah auf und ich stammelte es in die Lichtreflexe, welche die untergehende Sonne auf seine Brillengläser malte: “Darf ich mitfahren?” und hasste mich dafür, denn:

Wie konnte ich nur? Nach allem, was vorgefallen war? Und was dachte ich mir dabei? Nichts. Und wohin sollte das führen? Nirgendwohin. Er nickte nur und ich stieg auf der Beifahrerseite ein, natürlich mit komplett weichen Knien. Dann der Schock.

Sein Auto war bis knapp unters Dach mit schwarzen Müllsäcken voller Gras/Marihuana/Dope/Haschisch vollgestopft und es roch betäubend süßlich. Wir streckten uns flach nebeneinander auf den knisternden Müllsäcken aus und ich dachte: “Es stimmt, was die Leute sagen: Der ist ja wirklich TOTAL heruntergekommen. Ich sollte sofort aussteigen und zu meiner Familie zurückkehren.”

Aber ich tat es nicht. Er war jetzt freundlich und entspannt und leckte einen schon halb abgerauchten, verknitterten Joint an, bevor er ihn anzündete. Nahm einen tiefen Zug und gab ihn mir dann. Ich zog natürlich dran und inhalierte tief, obwohl ich mit Kiffen eigentlich überhaupt nichts am Hut habe und ich fragte mit kläglicher Stimme und zu Recht deswegen meinen sofortigen Rauswurf befürchtend und gegen den Impuls ankämpfend, jetzt einfach die Fresse zu halten und nicht SCHON WIEDER den „Moment“ zu schrotten:

“Warum warst du so gemein zu mir?”

Und er warf mich dankenswerterweise nicht raus, sondern antwortete sofort, als hätte er sowieso mit der Frage gerechnet:

“ICH??? Gemein??? Was denn? Wie denn? Wo denn? Wann denn?” Woraufhin ich irgendwas stotterte und er unterbrach mich und sagte, dass die Frau da unten NICHTS sei und dass mit der der NICHTS laufen würde und KLAR ginge es ihm nicht so gut da unten und überhaupt “DA UNTEN” was denn das für eine Formulierung wäre, ich täte ja gerade so, als sei er auf einen anderen Planeten gezogen!

Und ich nickte nur und dachte, stimmt, ist ja gar nichts passiert und es ist doch eigentlich nie was Schlimmes zwischen uns vorgefallen, außer, dass er sich besoffen mal im Ton vergriffen hat, als ich ihm nicht zu Willen sein wollte, wegen meiner unnötigen Hysterie und meiner krankhaften Eifersucht und ich daraufhin wegen NICHTS Theater gemacht habe und ich inhalierte tief und atmete den Rauch aus und wurde mir seiner Anwesenheit und körperlichen Nähe bewusst und des feinen Schweißfilms auf seiner Haut und dass ich eigentlich alles alles alles an ihm gut fand und ich war again komplett verliebt und mein ganzes Inneres war geschmolzen und kochend heiße Lava und ich dachte nur, ich darf mich jetzt nicht bewegen, sonst schwappt das über und verbrenne ich damit die Müllsäcke und das Auto und ihn und mich.

Ich brauchte ein paar Tage, um den Traum abzuschütteln und ich glaube, genau das ist Sucht: Dass man lieber sinnlos mit jemandem im Kreis fahren will, anstatt mit Leuten an Orte. 

Ich bin die Tage sehr weit spazieren gegangen und im Wedding gelandet und habe dort Mittag gegessen, also Döner und hinter den Getränkekisten war ein Kabuff mit einem Spielautomaten und da war einer die ganze Zeit am Spielen und so kann man sein Leben auch verbringen, im Kabuff, hinter den Getränkekisten eines Dönerladens im Wedding und auf das Klimpern und Blinken heiß sein und auf sonst gar nichts. Und ich dachte, nein, ich will das eigentlich nicht mehr und darum habe ich dann alle meine Drogen ins Klo gekippt und ich schätze, ein paar Ratten werden eine gute Zeit damit gehabt haben.

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