Dreikommtvorzwei

Toulon.

Montag.

Toulon ist gar nicht schlecht. Sieht aus wie irgendeine Stadt in Afrika, wo sich mal Franzosen ausgebreitet hatten. Algier oder Casablanca, oder so aehnlich. Gabs noch mehr? So weit reicht meine Bildung nicht. Ist ja auch egal. Kann man ja googeln. Also Toulon sieht modern aus. Zukunftsorientiert, also so, wie man sich die Zukunft dachte, als man Zukunft noch geil fand. Militaerisch gepragt. Grosszuegig, militaerisch, imperial. 

Also: Palmen, Hitze, Mittelmeer, aber trotzdem zivilisiert und sauber. 

Der Boden auf den grossen Plaetzen mit den bombastischen Brunnen und den 1000 Zimmer Hotels, glaenzt wie frisch gewischt. 

Breite Strassen, hohe Haeuser, Neubauten, oder 19. Jahrhundert. Keine stinkigen verwinkelten Altstadtgassen, die sich irgendwie unangenehm schlaengeln. 

Toulon. Modernitaet, Licht und Klarheit.

Keine Spur von Mittelalter, Inzest und Barbarentum. Keine schiefgetretenen Pflastersteinpfade. Keine Romantik, nichts Pittoreskes, kein einziger Bauer mit Traktor, kein einziger zahnloser Zwiebelverkaeufer, keine Oma in schwarz mit kleinem Strohbesen. 

Keine streunenden Katzen oder Hunde. Toulon ist stabil. Vorwaertsgewandte militaerische Strenge und im Hafenbecken reiht sich Panzerkreuzer an Panzerkreuzer.

Will ich jetzt etwa schon wieder hierbleiben? Ich weiss es nicht. Als ich heute morgen im Hotelzimmer erwachte, war mir jedenfalls sofort klar, dass ich mir sofort, wenn ich wieder fluessig bin, Leinenbettwaesche zulegen muss. Dass ich noch eine Nacht laenger bleiben will, auch. 

Wegen Toulon oder der Bettwaesche, ich weiss es nicht. Oder wegen den lichtschluckenden Vorhaengen und der absoluten Stille. Nach 14 Tagen in der Hitze Tag und Nacht und staendig von Leuten umgeben, musste ich jetzt nochmal kurz allein ins Raumschiff.

Hotels sind gefaehrlich. Man siehts an Udo Lindenberg oder an Stuckradt- Barre. Wenn man einmal drin ist, kommt man nicht so leicht wieder raus. Ausserdem gibts hier Kaffee umsonst. Und einen Rechner zum Arbeiten. Wo die Umlaute auf der Tastatur sind, weiss ich nicht. Deswegen Militaer statt Militär. Pardon. Und eszetts gibts auch nicht. Aber sonst eben alles. 

Kaffee, Cola, TV, Strand, Nudeln, Macs und Mecs, Bier, Boule und Boote.

Ach Mensch. Das ist so geil. So koennte es ewig weitergehen. Noch eine Stadt und noch ein Land und nochmal hierhin und dann nochmal dorthin. Deswegen morgen Marseille und uebermorgen Paris und danach Berlin und danach aber gleich weiter. Last Exit Zwischenstopp. Weil ich noch an vielen Orten bleiben wollen will.

1 Kommentar

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Dein letzter Satz gefällt mir am besten. Ich könnte mir in den Arsch beißen, dass ich nicht mehr so reisehungrig bin. Kann ich aber nicht, habe es probiert, zu ungelenkig.

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