CoronikPt21

Montag.

Ich wollte heiraten und mich versorgen lassen und nur noch Hausfrau sein. Ich wollte  mich komplett aufgeben, aber jetzt muss ich schreiben, irgendwas schreiben, um den Schmerz zu vergessen und um schreiben zu können, muss ich was erleben, aber es passiert ja nichts. 

Nichts passiert. Eigentlich ist die aktuelle Situation die beste Vorlage für arthouse Filme (oder arthrose-Filme?), in denen ja auch nichts passiert. Ich mag es ja, wenn nichts passiert. Essen, schlafen, sinnlos Internet und ab und zu ein Wodka. Möglichst wenig Bewegung, um das gebrochene Herz zu schonen. Das tut nämlich sofort schrecklich weh, sowie ich den kleinen Finger rühre. Der Tindermann, der elende gierige haltlose Loser, liegt jetzt bestimmt in den Armen einer südhessischen Dorfschönheit, obwohl man das doch jetzt gar nicht darf, wegen der Schweinegrippe. Er hat sich mit der südhessischen Dorfschönheit im Stroh versteckt. 

Da liegen sie, von Fliegen umsummt im Stall, gleich daneben, hinter einer dünnen Bretterwand grunzen die Schweine. Er liegt mit einer südhessischen Dorfschönheit im Stroh, sie liegt an seiner Brust, schläft vielleicht, oder heult heimlich, damit er es nicht merkt und wütend wird, das Stroh raschelt leise und er glotzt auf sein Handy, 

ein Iphone 8, schön großer Bildschirm, das hat sie ihm zu Weihnachten geschenkt, weil sie ihn doch so sehr liiiiiiieeeebt, sie liegt an seiner Brust, halb geil, halb tot, er swiped sich durch Tinder, oder checkt Weiber bei Lovoo aus und lässt sich dabei von der südhessischen Dorfschönheit den Penis massieren. 

Wie stupide, sich gekränkt zu fühlen. Die Milch im Kühlschrank wird auch einfach sauer und fragt dabei nicht nach meinen Gefühlen. Sie macht ihr Ding und er seins. Bin ja selber schuld. Hätte ich den Milchkarton nicht aufgeschraubt und dran gerochen, hätte ich nichts gemerkt. 

Saure Milch krieg ich nicht unsauer und ihn nicht treu. Wofür halte ich mich. Es scheint beinahe, ICH sei der Narzisst, nicht er. 

Frau Holle. Das Mädchen springt in die Tiefe eines Brunnens hinab, landet aber ebenerdig, auf einer Wiese unter freiem Himmel.  Frau Holle hingegen, mit ihren Daunenbetten, aber wohnt überirdisch. Außerdem: Mit Schneeflocken vollgestopfte Kissenbezüge. Naja. 

Heutzutage ist die Pechmarie eigentlich die Goldmarie, denn sie verhält sich coronakonform. Brot verbrennt im Ofen, Äpfel bleiben am Baum. Pechmarie will sich nicht infizieren und fasst daher nichts an. Als sie bei der risikogruppenangehörigen Frau Holle unterkommt, bleibt sie lieber im Bett liegen und spreadet auch keine Daunen über den Erdball.  

Die Corona- Schutzmaßnahmen gehen mir nicht weit genug. Wieso ist Home-Office eigentlich noch erlaubt? Wieso dürfen Kinder das Kinderzimmer verlassen? 

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