Coronik Pt.17

Donnerstag.

Von der ToDo Liste für heute habe ich nur das Angenehme und Schöne erledigt, die Not-To-Do-Liste dafür aber wie immer, vollständig abgearbeitet.

Außerdem habe ich ein paar alte Geschichten der aktuellen Situation angepasst:

Die Eltern von Hänsel und Gretel setzen in Folge der Pandemie, social distancing konsequent um, und schicken ihre Kinder in den Wald. Dort verstoßen Hänsel und Gretel gegen das Infektionsschutzgesetz, in dem sie am Häuschen einer Risikogruppenangehörigen knabbern. Hänsel kommt sofort in Quarantäne, Gretel wird als schlechtbezahlte Pflegerin eingesetzt. 

Rotkäppchen darf wegen der Ansteckungsgefahr nicht zur kranken Oma. Die Oma stirbt ungefressen an und in Einsamkeit.

Zu Dornröschens Schutz werden alle Spinnräder verbrannt. Sie begibt sich freiwillig in Quarantäne und infiziert sich dort. Alles wird eingefroren, 100 Jahre Lockdown, dann steckt sich der Prinz auch noch an. Lockerung der Maßnahmen frühestens nach Ostern möglich.

Schneewittchen hat René Pollesch auf Twitter gemacht:

„Covid-19 in Disneys Snow White. Die Tiere im Wald erschrecken wenn Schneewittchen niest, sie weist die Zwerge in Handhygiene ein, muss im Haus bleiben, ist hilfsbereit zu einer alten Frau, es sind nur 7 Leute bei ihrer „Trauerfeier“ und der Prinz am Schluss ist das Beatmungsgerät“

Beim Kuchenbacken parke ich das Rührgerät kurz auf dem Herd, aber der ist an und dann stinkt und dampft es.

Wenn ein Rührgerät schmilzt, ist das ein emotionaler Moment.

1.ALLES ist besser als DAS. 

2.DAS ist besser als NICHTS. 

3. NICHTS ist besser als DAS. 

Das fasst die Zyklen meiner Beziehung zum Bösen ganz gut zusammen. 

Im Moment sind wir bei Drittens.

— 

Am nächsten Morgen gehe ich kurz ins Internet und wundere mich, dass Corona überhaupt und immer noch Thema irgendwo ist, als ob es auf der Welt nichts Wichtigeres gäbe, als das Virus. 

Mir gehts prima, was soll die Hysterie. Irgendwann wird sich die Sache ja wohl erledigt haben.

Ich jogge zum Lidl, kaufe hemmungslos ein. Telefoniere auf dem Rückweg mit Freund Y. Er hat auch gute Laune. Ein Mundschutz- Mann kommt mir entgegen und macht ängstlich einen großen Bogen um mich. Ich erzähle das Y.

„Wenigstens erkennt man sie jetzt sofort.“ sagt Y. „Unsere Feinde.“

„Diese Mundschutz- Menschen, mit dem Stock im Arsch.“

Wir steigern uns in was rein:

„Sollen sie doch nur noch in großen Bögen um alles herumgehen und sich misstrauisch über den oberen Rand ihrer Para- OP- Masken beäugen. 

Sollen sie doch immer krassere Maßnahmen, immer flachere Kurven fordern.

Schockbilder, Rauchmelder, Anschnall- Alarm, Ausweispflicht, Videoüberwachung, Vorsorgeuntersuchung, Versicherung, Fahrradhelm, Kontaktverbot, Ausnahmezustand forever.

Haben Ihnen nicht gereicht. Reichen ihnen nicht. Sie werden nicht eher ruhen, bis es ABSOLUTE Sicherheit gibt.

Diese ferngesteuerten Empörungs- Roboter.

Diese innerlich toten durchgeimpften Konsumopfer.

Diese Matheunterrichts- Arbeitsblätter- Einscanner- Rundmailer.

Diese Home-Office-Livestreamer.

Diese Muffins- Baker- Zeigefinger- Shaker.

Diese Masken Menschen. Mundschutz-Träger.

Diese leeren kaputten seelenlosen vorauseilend gehorsamen Untertanenmenschen.“

Y und ich sind anders. Ich würde ihn jetzt so gern sehen.

Ob ich nichtmal die Kinder irgendwo parken kann und zu ihm für ein, zwei Abende aufs Land rauskommen will, fragt Y.

Würde ich ja gerne. Aber ich trau mich nicht. Das wäre mir zu unsicher.

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