CoronaDiaryPt9

Montag. Bin leicht verkatert. Everyday is like sunday. Everyday is silent and grey. Eigentlich keine Lust mehr auf Internet. Dieses Pseudo- Leben. Diese Projektionen der Projektionen. Die Schatten an der Wand. Ersetzen nichts. Aber ich bleib drin. Lieber ein falsches Leben, als gar keins. Aber das Internet ist verkeimt. Im Internet ist alles schon lange viral. Das wollten wir doch alle immer. Viral gehen. Darum treibt man uns jetzt auseinander, setzt uns zu Hause fest. Kontaktverbot. Ausgangssperre.

Hilft alles nichts. Ich gehe viral. Jetzt erst recht.

Also nicht ich bin an der Pandemie schuld, sondern das Internet. Das Virus ist aus dem weltweiten Netz auf den Menschen übergesprungen.

Ach ich weiß doch auch nicht. Mein Geist ist viral, also vernebelt. 

Ich seh noch nicht mehr ganz durch. Alles ist so surreal überrealistisch unecht. 

Frag lieber Slavoj, Simone, Jürgen, Eva, Theodor, Hannah, Svenja oder Peter.

Man philosophiert, wenn nichts passiert. 

Man reimt, wenn alles verkeimt. 

In der Abenddämmerung lasse ich die Kinder allein und gehe noch kurz was einkaufen. 

In meinem Lidl ist um diese Zeit kaum jemand mehr. Ich lasse meine Handschuhe an, ziehe mir den Schal über Nase und Mund, atme so wenig wie möglich und sammle rasch und verstohlen das Nötigste ins Körbchen. Es ist ein komplett freudloser Vorgang. Ohne Glitzer, ohne Konsumlust. Bloß schnell raus hier, aus der Giftzentrale. Ich vergesse die Hälfte von dem, was ich kaufen wollte. Unter anderem Klopapier (hahaha)

Nein, so macht shoppen keinen Spaß. Die Fressalien sind nackt und entzaubert. Endlich sehe ich, wie sie wirklich sind und schon immer waren:

Kontaminiert. 

Virulent.

Vergiftet.

Die Kassiererin und ich wechseln sonst immer ein paar Worte miteinander, diesmal sehen wir uns nur traurig an und wünschen uns gegenseitig einen „Schönen Abend“.

Als ob wir noch wüssten, was das ist.

Es ist kurz nach 19 Uhr, als ich mich auf den Heimweg mache. Es kommt mir vor, wie zwischen 3 und 4 Uhr morgens, so kalt ist es, so tief ist die Dunkelheit, so allein bin ich hier draußen. Auf der anderen Straßenseite brüllt ein Irrer heiser:

“Dit is ja schlimmer als wie nachm Atomkrieg!!!” 

Es liegt kein einziger Hauch von Frühling in der Luft. Die Atmosphäre klirrt wie Anfang Januar. Die Erde dreht sich rückwärts. Bald fängt der Winter an.

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