#allesnichtmachen

Oh ja, Spargel ist lecker, sagte ich. Hatte ich neulich erst, und zwar zu Ostern, will ich bald wieder. Ja, sieben Wochen kann man den jetzt essen, sagte er, bis Sankt Johanni. Echt? Nur sieben Wochen? Wusste ich gar nicht, sagte sie und fügte hinzu, dass Spargel sehr gesund ist und dass aber das Pipi so krass riecht, nach dem Spargelessen. Weil der nämlich entgiftend wirkt. Wie Rosinen, dachte ich. Das weiß ich vom Großmeister Y, dass Rosinen entgiftend wirken. Aber wenn man Rosinen isst, riecht das Pipi nicht so krass, wie nach dem Spargelessen. Vielleicht ist Spargel darum noch gesünder, als Rosinen. Oder anders gesund. Weil Rosinen entgiften glaube ich, die Leber, fällt mir jetzt ein, hatte der Großmeister gesagt und Spargel entgiftet dann vielleicht nicht nur die Leber sondern den ganzen Körper, oder den ganzen Körper, nur die Leber nicht? Das müsste man mal googeln.

Spargel ist ja übrigens auch ein Aphrodisiakum, sagte sie nun und kicherte und er und ich natürlich auch.

Hihi, na sichi, haha, ja klar 😉

Wie die schon aussieht, so eine dicke weiße pralle Spargelstange, also DER Anblick weckt ja automatisch ganz spezielle, nicht gerade unangenehme Assoziationen übrigens…

Also, das ist es ja kein Wunder, dass man vom Spargelessen geil wird.

Austern, dachte ich. Austern sind auch ein Aphrodisiakum. Was ja auch kein Wunder ist, wenn man bedenkt, wie DIE aussehen…

Ich habe letzten Sommer beispielsweise, EINE Auster gegessen und kurz danach hat mir einer geschrieben, der mir manchmal schreibt, obs gerade passt und meistens passt es nicht, aber an dem Abend hatte er Glück, denn da hats gepasst, wegen der Auster und darum durfte er mich direkt zum Sexhaben von da abholen und mitnehmen.

Nach dem Spargelessen neulich, ist aber nichts passiert, kann aber auch an der Tageszeit gelegen haben und an den Begleitumständen, oder weil da keiner gefragt hat, obs gerade passt, aber ich habe da auch überhaupt kein bisschen dran gedacht.

Ich schätze, Austern wirken aphrodisischer als Spargel, aber dafür vielleicht nicht so entgiftend, wer weiß.

Dildos in Spargelform müsste jemand mal herstellen, meinte er dann, die würden sich sicher gut verkaufen und ich meinte, ich wette, die gibts schon und dann haben wir drei wieder vielsagend gekichert.

„Wie kann das eigentlich sein? Ihr wirkt beide total untervögelt, weil ihr hier eine Zweideutigkeit nach der anderen raushaut.“ habe ich dann zu den beiden gesagt.

Dabei sind die ganz bestimmt nicht untervögelt, im Gegensatz zu mir, weil die in stabilen und glücklichen Beziehungen leben, also nicht miteinander und auch nicht mit mir, aber trotzdem.

Aber im Grunde ist das auch keine große Überraschung, denn ob man untervögelt ist oder nicht, hat ja nichts damit zu tun, wieviel man tatsächlich vögelt.

Also, ich meine damit, dass man gerade zwei Tage durchgevögelt haben kann und trotzdem total untervögelt sein. Dann sogar am allermeisten, eigentlich.

Die Meisten hören ja auch nicht auf zu trinken, bloß weil sie betrunken sind. Oder, man hört ja auch nicht automatisch auf zu essen, bloß weil man satt ist.

Im Gegenteil. Oft gehts ja dann erst richtig los, bzw. erst DANN gehts überhaupt mal richtig los, mit dem saufen, fressen, vögeln. Das ist ja allgemein bekannt.

Weswegen die Leute ja auch fasten, um den Kreislauf zu durchbrechen, denn dieses Prinzip funktioniert natürlich auch in die andere Richtung.

Ich hatte mal einen Job, da sind alle Kollegen nach und nach, erst dem Veganismus, dann dem Marathonlauf verfallen. Ich allerdings nicht, aber ich war kurz davor. Also, ich war damals eine zeitlang, auch schon dreimal die Woche am Joggen und an den anderen beiden Tagen habe ich zu Hause Workouts gemacht.

Kein Witz. Die Hanteln rollen immer noch irgendwo unter meinem Bett herum und zwar drei Paar, weil mir die nach einer Weile immer zu leicht waren.

Also, ich weiß, wovon ich rede.

Von den drei gutgelaunten Spargel- Talkern war ja eigentlich offiziell ICH die Untervögelte, aber dem war wie gesagt, nicht so, wegen des erwähnten Prinzips.

Will sagen, soviel Spargel kann ich gar nicht essen, wie ich vermutlich bräuchte, um davon geil zu werden. 

Ich bin momentan einfach nur geil darauf, auch weiterhin clean und keusch zu bleiben.

Also, den drogenfreien Zölibat zu leben und nichts zu trinken, außer zwei Liter reinstes Spreequellwasser pro Tag und mehr brauche ich nicht, denn das ist volle Pulle Leben.

Und siehe, ich bin sogar trotz Wochenende/Knochenende/Weltkrieg III/Walpurgisnacht/Erster Mai/Frühling/Hormonspiegel/Spargelkonsum und Spargeltalk, so gut wie sober geblieben.

Denn #allesnichtmachen ist mein neues Mantra.

Durch meine neue bewusste Entscheidung, Abstinenz zu üben, fällt kiloweise Stress aus meinem Leben weg und ich bekomme mich emotional viel besser reguliert.

Denn es geht vielleicht nicht mehr so hoch, aber dafür auch nicht mehr so weit runter und darum gehts mir gut wie lange nicht mehr und ich wusste das ja schon die ganze Zeit, dass es mal genau so sein würde, wenn ich den Schritt endlich gegangen bin. 

Mir war klar, dass es mir ab dem Moment, wo ich konsequent mit dem Saufen und Herumhuren aufhöre, richtig richtig richtig gut gehen wird.

Und darum macht es auch nichts, dachte ich die ganze Zeit, wenn es mir noch eine kleine Weile schlecht geht, weil so lange es geht, geht es und wenns nicht mehr geht, dann wirds relativ schnell wieder gehen und zwar supergut.

Wie geil ist das denn? Und das ist es ja auch.   

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