Alles egal, aber positiv egal.

Sonntag

Berlin

Alles ist durcheinander. Der Frühling naht, aber es ist kalt. Die Heizung und das warme Wasser waren für drei Tage ausgefallen, aber jetzt läufts wieder. 

Die Schulen sind auf, aber es gibt keine “Präsenzpflicht”. Weil Spongebob und Patrick nicht hingehen müssen, wollen sie auch nicht. 

Soll ich jetzt Druck aufbauen, damit sie trotzdem hingehen? Aber warum denn. Ausschlafen ist schön und zuhause müssen sie keine Maske tragen.

Kann sein, dass ich mir irgendwann mal um irgendwas Sorgen gemacht habe, wegen Sozialleben und Bildung meiner Kinder, aber das ist vorbei. Mir ist alles egal, aber positiv egal. Die Hauptsache ist:  Alle haben gute Laune. 

Obwohl lieber nicht. Gute Laune ist so anstrengend.

Wir haben uns jetzt hier so eine schöne kleine Klischee- Dritte Welt erschaffen. Das heißt, die Wohnung sieht aus wie ein Slum, aber wir sind immer happy und singen und tanzen die ganze Zeit. Das heißt, wir leben einen glücklichen Fatalismus. Alles ist inschallah. Weil ich für was anderes zu groggy bin. 

Das ist auch ok und positiv egal. 

Ich bin dermaßen willensschwach und antrengungsallergisch, dass ich für meine Kinder mittlerweile so relevant bin, wie die aktuelle Pandemie- policy des deutschen Staates für mich. 

Man hört gar nicht mehr hin, wenn es irgendwelche Verlautbarungen gibt. Interessiert mich nicht mehr, ob sich ein, zwei oder drei Haushalte treffen dürfen, oder wieviel Meter Abstand man halten soll, oder ob click und collect jetzt doch nicht verboten oder doch nicht erlaubt sind. Ich umarme jeden, den ich in die Finger bekommen kann. Trage seit Wochen in ÖPNV oder Einkaufssituationen, dieselbe verknüllte FFP 2 Maske. 

Wenn ich den Kindern sage: “Zieht euch an, Haare kämmen, ab ins Bett, macht Hausaufgaben” antworten sie nicht mal mehr, oder höchstens: “Kuck mal, was ich in Minecraft gebaut habe.”

Das ist so anstrengend, mir anzusehen, was sie in Minecraft gebaut haben. Aber ich will keinen Stress erzeugen, also gucke ich mir das kurz an, jedenfalls solange ich die Augen aufhalten kann. Ich gebe mir Mühe und das erkennen sie an, die Kinder und darum lassen sie mich früh schlafen gehen und spielen Minecraft bis nach Mitternacht.

Das ist auch ok und positiv egal.

Ich hänge ab. Entweder im Bett oder am Rechner. Denk mir nichts dabei. Wenn ich was denke, dann nur: 

Die CDU hats gut. Die hat eine Maskenaffäre.

Wenn ich dem einen Kandidaten mal wieder antworten würde, also das Richtige, im richtigen Moment, dann würde ich es vielleicht auch wieder zu einer Maskenaffäre bringen. Aber ich scheue die Mühe. Maskenaffären sind aufwendig. Das Kostüm, die Accessoires, der Zeitaufwand und vorher die Aufregung und danach die Abregung. Außerdem will ich doch immer gleich heiraten und bringe alles durcheinander.

Also nein, ich bin zu groggy für eine reale Maskenaffäre. 

Neulich habe ich mal Zeit mit jemandem verbracht, der hat mir Trauben und Nüsschen hingestellt und die Bude wegen mir aufgeräumt und der hat mich niedlich gefunden. Und das war so angenehm, niedlich gefunden zu werden und ich habe mich gefragt, ob das nicht auch eine Option sein könnte, aber schon der Gedanke daran war so anstrengend.

Und das ist auch ok so und positiv egal.

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