Alarmstufe Ruth

Neulich haben wir einander nach dem Sex gestreichelt. Das war schön und ich habe dabei Liebe empfunden und diesmal sogar angstfrei, weil wir vorher geklärt hatten, dass wir einander sowieso lieben, egal was passiert und egal, was passiert ist. Und wir haben geklärt, dass ich mich derzeit nicht committen will und ich auch nicht will, dass er das von mir denkt, bloß weil ich ihn nach dem Akt zärtlich streichle und mich in seine Arme schmiege. 

Neulich habe ich gedacht, ich wär gern ein Haustier von einem Riesen, das heißt, ich wär gern so eine Art Katze. Also ich lebe mein Leben, ganz genau wie jetzt, nur um mein Futter brauche ich mich nicht zu kümmern. Aber wenn ich angefasst werden will, dann reibe ich mich einfach am Bein des Riesen, bis er mich in die Arme nimmt, oder ich klettere auf seinen Schoß, um mich von ihm kraulen zu lassen, bis ich genug davon habe und wieder meiner Wege gehe. 

Neulich haben wir beim Sex Musik gehört, er war gerade dabei, mich zu fingern und da lief plötzlich “Coin- Operated- Boy” von den Dresden Dolls, weil das auf meiner Playlist war und ich dachte, hoffentlich bekommt er den Text nicht mit. Ich habe dann so getan, als ob ich den Song nicht mitbekomme und er hat sich auch nichts anmerken lassen.

Neulich habe ich gelesen, dass man negative Gefühle zulassen sollte, weil die negativen Gefühle uns lehren können, ein glücklicheres Leben zu führen. Also solle man lernen, diese Gefühle auszuhalten und nicht vor ihnen davonzulaufen und sie mit Oberflächlichkeiten wie Sex oder Drogenmissbrauch zu killen. Ja, es stimmt, dachte ich, Sex- oder Drogenmissbrauch führen erstmal zu positiven Gefühlen, welche die negativen Gefühle killen, aber danach auch wieder zu negativen Gefühlen. Dann kann ich sie ja zulassen, wenn sie dann noch da sind, die negativen Gefühle, aber warum nicht vorher erstmal noch ein paar positive Gefühle haben, die daraus entstanden sind, dass man negative Gefühle erstmal nicht zulassen wollte? 

Neulich schrieb ich ihm: 

“Ich liebe es so sehr, nüchtern zu sein. Ich weiß gar nicht, wie ich das mit meiner Liebe zum Rausch vereinbaren soll.”

“Sag ihr einfach nichts davon.”

antwortete er.

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