30/12/2020

Mittwoch.

Berlin.

Habe heute meinen ersten Maskenverweigerer gesehen. Es war bei Lidl. Er sah ganz normal aus und wirkte so betont unbeschwert. Er pfiff fröhlich vor sich hin und stand vor dem Regal mit den Sonderangeboten. Er lächelte mich an und kontaminierte die Luft mit seinen bösartigen filterlosen Aerosolen. Ich eilte zur Kasse und wagte nicht, mich umzudrehen, als ich sein leises Pfeifen hinter mir hörte. Noch Stunden später war mir, als spürte ich seinen Giftatem im Nacken.

Auch zu Hause wurde es giftig. Wie immer, nach drei Tagen mit Eric Blanc unter einem Dach, eskaliert die Situation, fallen die Masken und so weiter. 

Wie immer tritt das Erwartete unerwartet ein. Eric Blanc hat gekocht, die Kinder und ich den Tisch gedeckt. 

Bald wird er mit den Mädchen für eine kleine Woche, bzw. auf unbestimmte Zeit nach Paris fahren, behauptet er und die Lage scheint harmonisch zu sein. 

So harmonisch, dass Eric Blanc beim Essen wohlgefällig auf Spongebob blickt und zu ihr sagt: 

“Oh Spongebob, du hast so schöne Augen. Wie ein Wombat.”

Wombats sind seit Neuestem Eric Blancs Lieblingstiere. 

“Und ich?” sagt Patrick. Sie möchte, dass ihr Vater etwas Schönes auch über ihre Augen sagt.

Eric lächelt, schaut sie an, lächelt weiter, denkt lange nach und sagt dann: 

“Du hast Augen wie eine Garnele.” 

Patrick schweigt und mir bricht das Herz. 

Ich bin plötzlich sehr angespannt. Ich habs geahnt, ich habs gewusst, ich habs mir schon gedacht, dass sowas kommt. Patrick ist selber schuld, wenn sie Eric so eine Vorlage gibt.

Ich vertrage derlei Späßchen nicht mehr. Ich sollte es nicht tun, ich sollte so tun, als wäre nichts, aber ich kann es nicht lassen, ich muss Patrick helfen, muss eingreifen. 

“Sag ihr auch was Schönes, Eric. Was soll denn das?”

Ich bin selber schuld, wenn ich Eric so eine Vorlage gebe. Eric lächelt, denkt wieder nach und dann sagt er zu Patrick: 

“Du hast Augen wie ein Hummer.”

Ich werfe die Gabel auf meinen Teller und verlasse das Zimmer. 

Natürlich ist das eine viel zu theatralische Geste. 

Wenig später weinen beide Kinder, die Reise mit ihrem Vater nach Paris steht in Frage und Eric sagt, es sei wie immer mit mir, nach ein paar Tagen würde ich vollkommen grundlos ausrasten. 

Beim nun folgenden, klärenden Zwiegespräch in der Küche, fixiert Eric mich mit seinen Echsenaugen und macht mir klar, dass ich falsch reagiert hätte. 

Ich fixiere zurück und sage, dass es jetzt aber nicht um mein, sondern um sein Verhalten geht. Er solle, setze ich fort, in Zukunft darauf achten, die Kinder nicht gegeneinander auszuspielen. Sowas wäre mir nicht zum ersten Mal aufgefallen. 

Eric Blanc sagt, es wäre absurd von mir, diese Beobachtung überhaupt gemacht zu haben und dergleichen überhaupt zu denken. 

Nachdem ich pflichtgemäß geantwortet habe, dass ich mir das Beobachten und Denken von ihm nicht verbieten lasse, entscheiden wir uns im Interesse der Kinder dafür, die Thematik nicht weiter zu vertiefen. 

Es ist ja nicht die erste tiefgehende unüberbrückbare Meinungsverschiedenheit im Laufe unserer Bekanntschaft und aufgrund dieser Erfahrung wissen wir, dass…

Ach herrje, ich will endlich mal wieder Spaß haben, wie so ein ferngesteuerter Zombie.

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