25RoteRosen

Montag.

Mir träumte, ich sei mit Donald Trump verheiratet. Irgendwer oder irgendwas (ich?) hatten ihn aufgebracht. Donald tobte, rannte wie ein kopfloses Huhn durch die Hotelsuite. (Oder kopflose Ente…?) Ich wusste, in diesem Zustand würde nichts und niemand ihn beruhigen können. Ich schwieg, lächelte und das machte ihn noch wütender. Er legte seine Hände um meinen Hals und drückte zu. Ich spürte seinen Atem im Gesicht und lächelte weiter. 

Er drückt zu und ich lächle. Armer Donald. Ich mache mir Sorgen um ihn, es scheint ihm nicht gut zu gehen. Schade, dass ich ihm nicht helfen kann. Er hat eine schlimme Kindheit gehabt… 

Etwas später stehen Donald und ich, Hand in Hand im Freien. Ich habe ein hübsches Tuch um den Hals, damit man die Würgemale nicht sehen kann. Wir stehen allein im Wind auf einer Rasenfläche. Vor uns, hinter rot-weißem Flatterband eine Menschenmenge, aber sie sehen nicht zu uns, sondern auf einen großen Monitor, dort werden die Wahlergebnisse angezeigt. Es geht um Donalds Wiederwahl, es sieht nicht gut für ihn aus. Donald lässt mich los, er geht zum Flatterband, zu den Menschen, er will Hände schütteln, aber alle wenden sich von ihm ab. Ich finde das ungerecht. Nach allem, was er für Amerika und die Welt getan hat, wird er jetzt so verraten. Und das nur, weil er seine Tochter auf Twitter als “geiles Stück Arsch” bezeichnet hat. Er hatte eine schlimme Kindheit, sieht denn niemand seine zarte Seele, verpanzert hinter den Markenklamotten, die ihm seine Geliebte geschenkt hat, verpanzert hinter dem Bart und der Brille….? Sieht denn niemand außer mir, seine zarte Seele? Was für eine Anmaßung. Niemand kann Donalds Seele sehen, nicht mal er selbst. Wenn niemand sie sehen kann, vielleicht gibt es sie nicht? Ich sehe etwas, dass es nicht gibt, kein Wunder, denn auch mich gibt es nicht.

Ich bin nichts, ich bin ein Nichts. Ich bin Donalds Frau.

(Melanie? Ivanka?)

Ich erwache. Donald ist fort. Ich bin allein. 

Ich bin allein, zu Hause? Nein, im Transit. Kurz vor dem nächsten Abflug nach Paris. Rückflug ist umgebucht/ verschoben. Beschwerdemail an Air France ist geschrieben. Ich warte noch auf die Entschädigung. Das Businessclass- Ticket mit Limousinenservice, die handschriftliche Entschuldigung von Monsieur Airfrance persönlich, will den Rosenstrauß von ihm auf Knien überreicht bekommen, vor der versammelten Crew, dem gesamten “Team”. Champagner in der first row, drunter mach ichs nicht. Ansonsten nehme ich den Nachtzug. Ich kann will und werde Corona nach Frankreich zurückbringen, meine Kinder in die Arme schließen, mir neue Schuhe kaufen, ein neues Kleid, ein neues Kostüm, ein neues Leben, ich lasse mir eine solche Behandlung nicht bieten. Weil ich es mir wert bin. Paris, ich komme. La vie, la vraie, j’arrive.

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