24hourslater

Dienstag.

Wenn man von Berlin aus mit dem Zug nach Paris will, kommt man nachts um drei in Mannheim an, muss dann drei Stunden warten und dann gehts weiter. Drei Stunden in Mannheim. Um drei plus drei. Da bin ich aber mal gespannt, was ich da wohl anstellen werde.

Ich darf diesmal nicht vergessen, mir was zu lesen einzupacken. 

Zum Beispiel Heimito von Doderers Tagebuch. Immer sehr erquickend. Am Montag, den 14. Juni 1948 notiert er:

“Mich hat nicht das Leben schreiben, sondern das Schreiben leben gelehrt. Die Form ermöglicht den Inhalt, nicht umgekehrt. Primum vivere, deinde scribere ist eine jener Wahrheiten, die von den unschöpferischen Menschen aus einem zu flachen Herzensgrunde für solche gehalten werden.”

Unschöpferische Menschen, die Wahrheiten aus zu flachem Herzensgrunde für solche halten.

Schöner und feiner kann man sich nicht abgrenzen. Ich reise selten ohne Doderer. Beim ersten Anlauf nach Paris hatte ich ihn vergessen, überhaupt irgendein Buch, wahrscheinlich hat man mich deswegen das Flugzeug nicht besteigen lassen. 

(“Flugzeug besteigen” sounds like unsexy Sex)

Dabei sollte ich es doch wissen: Fahre nie ohne Buch nach Paris. Ich brauche ja sowieso immer was zu lesen und da, wo ich wohnen werde, gibts kein WLAN im Gästezimmer.

Als Lutz Seiler den deutschen Buchpreis für “Kruso” gewonnen hat, habe ich mir das Buch gekauft, weil der Ausschnitt den sie damals im Deutschlandradio vorgelesen hatten, ganz witzig klang. In Paris bekam ich Grippe und konnte das Gästezimmer nicht verlassen. Eric Blanc war mit den Kindern in der Stadt unterwegs und ich lag im Bett und musste “Kruso” lesen. Es gab sonst nichts, außer einer zerfledderten “Marie Claire” vom Vorjahr. Immer wieder warf ich “Kruso” wütend beiseite und griff zur Marie Claire, aber als ich die durchhatte, musste ich durch den ganzen Kruso durch, so krank war ich. 

So etwas möchte ich nie wieder erleben. Um Bücher, die Preise gewonnen haben, mache ich seither riesengroße Bögen.

Aber es gibt Besseres. Das Leben kehrt zurück. Sogar zu mir. Wenn ich mich nicht zusammenreiße, verpasse ich eine wichtige Deadline und ich werde bald wieder auftreten. 

Also zusammen mit Kollegen, Texte vorlesen, echte Texte vor echten Menschen. Ich dachte, das wäre für immer vorbei.

Warum denke ich bei den guten Dingen immer, sie wären für immer vorbei und bei den schlechten: Das bleibt jetzt so.

Das liegt am MINDSET. 

Manchmal denke ich, nichts ist schwerer zu ändern, als das Mindset und das kann nerven, wenn es sich nicht ändern lässt. Dann sitze ich herum und grüble und grüble und grüble, weil ich ein neues Mantra finden muss, mit dem ich mein Mindset ändern kann. 

Ohne Mantra kann ich mich nicht bewegen, weil ich mich ohne Mantra nicht beruhigen kann. Aber wenn ich mich dann trotzdem bewege, dann ist es plötzlich da, das Mantra und ich kann mein Mindset ändern. 

Aktuelles Mantra also: Einfach mal spazierengehen.

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