20/11/2020

Freitag.

Berlin.

Ich weiß, es klingt arrogant, aber seit ein paar Tagen, wenn nicht sogar eigentlich schon immer, habe ich das Gefühl, dass außer mir eigentlich alle doof sind.

DU bist nicht damit gemeint und DU natürlich auch nicht und DU auch nicht. 

Ich muss das hinschreiben, ich habe nicht (mehr) viele Freunde, die darf ich nicht auch noch vergraulen. Weil es ja derzeit auch etwas schwierig wäre, neue zu finden. 

Kann ja nicht abends mit Daunenjacke und Skihose die Kastanienallee entlang wandern und Fremde ansprechen, ob sie mich zu einer Dose Gin Tonic aus dem Späti einladen. 

Es ist wie es ist: Außer mir sind alle doof. Hat keinen Sinn, zu erklären, wieso. Würde auch keiner verstehen, wegen Doofheit. 

Themawechsel: 

Es geht mir schon viel besser jetzt, wo ich mir das Partnertattoo habe weglasern lassen (herzförmiger Kompass auf linkem Handgelenk innen) und auch das silbergerahmte fotografische Porträt des lächelnden Großkünstlers vom Schreibtisch erst zu Boden geschmettert und dann in 1000 kleine Schnipsel gerissen, ratschratschratsch, ich anschließend seine kussmundverzierten, parfümierten Liebesbriefe ins Kaminfeuer geworfen, ihn aus dem Spotify Partnerabo deletete und die Weihnachtsüberraschung -den Gutschein für das Wellness- Weekend in Thüringen inklusive Rundflug mit Heißluftballon- storniert habe, sowie das Türschloss auswechselte, unsere beiden Pudel Jackie und Suzy an der Autobahnraststätte aussetzte, seine Überraschungseierfigurensammlung und die niveauvollen erotischen Schwarz- Weiß- Aktfotos für die er mir posierte, bei Ebay versteigert habe.

Außerdem war ich beim Frisör und habe mir einen ganz neuen pfiffigen Look mit Wellen, Stufen und Strähnchen verpassen lassen.

Viel Freude bereitet mir auch mein neues Hobby und zwar bringe ich mir selbst Triangel und Blockflöte bei. 

Nun fühle ich mich so gut wie noch nie. Und zwar ein für alle Mal befreit, erleichtert und entspannt.

Im ersten Überschwang habe ich kurz überlegt, den Bösen anzurufen, weil der vergleichsweise viel umgänglicher war als der Großkünstler. Wenn der Böse eine Pause brauchte, oder sich anderweitig vergnügen, ist er einfach spurlos verschwunden und hat kein Verständnis von mir dafür verlangt, oder erwartet und hat mich auch nicht damit behelligt, welche und wieviele Ladies er bereits beglücken durfte. Außerdem haben wir uns Dokus zusammen angesehen und Essen hat er uns gekocht und mir die Einkäufe hochgetragen und meine Seele gemordet und sonst weiter gar nicht gestört. 

Aber ich habe seine Nummer schon lange gelöscht und auch sonst allerlei Unverzeihliches angestellt und er hat ja bestimmt auch nach wie vor noch seine superattraktive brillante perfekt proportionierte hochbegabte wohlhabende Hauptfreundin, also für den global operierenden Hochkaräter reicht meine Mitgift nach wie vor nicht aus. 

Hach und der Großkünstler ist ja eigentlich auch voll niedlich und es war doch alles so schön, bis er Abstand wollte. 

Rrrrrrrrrr, vielleicht gehe ich nachher doch wieder hin, falls mir seine Adresse wieder einfällt, weil er angerufen hat und genau das vorschlug und ich jetzt also doch wieder eine Audienz gewährt bekommen soll, also er mir einen Slot seiner wertvollen Zeit anbot. 

“Ich stehe selbstverständlich jederzeit für Dich zur Verfügung.” habe ich (Kein Witz!) wortwörtlich, spontan und hocherfreut, zu ihm gesagt. 

Und überlegt, zu meinem Termin mit einem Riesenstrauß roter Rosen zu erscheinen. Um ihn zu ärgern, komplett zu überfordern und seine Paranoia zu triggern.

Aber das sind leere Träumereien. Ich wäre der Begegnung mit meinen Verehrern in Wirklichkeit sowieso nicht mehr gewachsen. War es nie. 

Bin doch nur eine schwache tolle Frau, versuche unbeholfen auszuteilen, kann aber nicht einstecken. Kann vielleicht EINMAL schmettern, aber DIE bringen den Ball immer zurück und dann kriege ich den nicht mehr und tu mir am Ende nur selbst weh und gehe mir überhaupt selbst am allermeisten auf die Nerven. 

So sehr, dass mir deucht, ICH sei die Doofe und DIE die Schlauen. Bin ich aber nicht und sind die nicht.

Aber hey, es ist Freitag nach eins, also schon Wochenende- Knochenende- Partytime excellent – Sturmfreie Bude und darfs auch im Oberstübchen mal sturmfrei sein.

Derlei Gedankenspiele (schlechterzogene Schwachmaten mit Rosen oder Anrufen ärgern) sind schlechte Angewohnheiten aus finsteren Zeiten, als ich mich emotional und körperlich abhängig wähnte und wegen mangelnder Befriedigung auf derlei Ersatzbefriedigungen umsteigen musste. 

Stay hungry Baby, man kann ja auch mal unbefriedigt bleiben und sogar ersatzunbefriedigt, wenns nicht flutscht. 

Warum denn nicht?

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