19/11/2020

Donnerstag.

Berlin.

Ich war mal wieder am geheimsten aller geheimsten Orte. Habe Derjenige Welcher besucht. Derjenige Welcher, der mein größter Fan ist und dessen größter Fan ich bin. 

Derjenige Welcher war im Bademantel und ansonsten nackt. Schon seit Tagen wäre es so, sagte Derjenige Welcher, trüge er diesen Look. 

Grund: Es ist Lockdown und er ist Gastro. Derjenige Welcher hat frei und von ihm aus kann es gern noch eine Weile so weitergehen. 

Wirds auch, wegen Merkel. Wegen der, soll ja demnächst keiner mehr aufstehen, im ganzen Land. Sonst Wasserwerfer.

Wegen Merkel werden sie die Fahrstühle aus den sanierten Altbauten erst verbieten und dann rausreißen, wegen der Aerosole. Stattdessen die Außenklos wieder einbauen, damit die Leute sich nicht so eingesperrt fühlen und wenigstens aus DEM Grund noch rausdürfen, eine halbe Treppe höher oder tiefer, je nachdem.

DDR 2.0. oder Matrix, aber ohne Pille, das ist es, was Merkel will, das ist es, was DIE wollen.

Ist ja auch schon da.

Reisefreiheit ist eingeschränkt und Polizei glotzt überall.

Kunstkultur und zusammen Fressen und Saufen und Geselligkeit und alles Sonstige, auch nur ansatzweise Subversives Ermöglichende: VERBOTEN.

Das hier gesparte Geld sollen die Zuhausebleiber direkt in den Versandhandel investieren.

Zuhause bleiben sollen die Leute. Am besten im Bett und zwar ALLEIN. Sie sollen glauben, dass sie ABSTAND brauchen und ANGST VOR NÄHE hätten und anstatt sich gegenseitig wund zu vögeln, die Vorhänge bügeln und die Fenster putzen und ihre „CORONA- SOFORTHILFEN“ direkt zu Amazon/Amazon Prime/ Netflix und dem Otto- Versand rüberschieben.

Und alle halbe Stunde, auf „Zeit- Online“ die angeblich immer weiter und stetig exponentieller steigenden NEUINFEKTIONEN checken, so wie andere die Börsenkurse der Versandhändler.

Zu Hause bleiben sollen die Leute und sich dumm und dämlich bestellen bei Amazon, Pearl, Neckermann, QVC und XXXLutz.

Derjenige Welcher bestellt nix, sondern hat sich den Sonnenuntergang heute wie gestern, wie vorgestern, wie übermorgen, durchs Fenster vom Bett aus angesehen und Rückenmuskulatur bildet sich zurück, von der Herumliegerei, meint Derjenige Welcher.

Und wenns so wäre, mit DDR 2.0. und Merkelcoronadiktatur…

“Was wäre, wenn?”

Wenns so wäre, dann gäbs kein Wenn mehr, für Niemanden, wenn alles dicht ist und dicht bleibt, ohne Wenn und Aber. 

Und ohne WENN gäbs kein WÄRE, gäbs nur noch, was IST. 

Aber was gäbs dann noch???

NIX. 

Wenn aus “Was wäre wenn?” – “Es gibt nix” wird, ist das ein Anfang.

Sogar der Anfang aller Anfänge.

“Im Anfang war das Nichts.”

Derjenige Welcher, war wegen der vielen im Bademantel verbrachten Tage, gutgelaunt und entspannt wie nie und weil auch ich den einen oder anderen der letzten Tage entspannt und im Bademantel verbracht hatte, entsprachen unsere Stimmungen einander, was zur Folge hatte, dass wir uns nach dem 

“Was wäre wenn” – Geplänkel auch weiterhin mit spontan erfundenen Kalendersprüchen beschäftigten und uns durch diese verständigten.

Ich habe ihm erzählt, dass ich vorher an dem Tag, direkt beim Versandhandel war, also mit den Kindern zu Decathlon gegangen bin und ihnen da alles gekauft habe, was sie haben wollten. „Das willst Du auch haben? Ja klar, schmeiß ins Körbchen.“ habe ich zu ihnen gesagt und dann haben wir da fünf Jahresgehälter einer südchinesischen Turnschuhnäherin auf den Kopf gehauen, oder auch das Bruttoinlandsprodukt von Pakistan im Jahr 1972.

“Ja, warum Nein sagen, wenn man Ja sagen kann.” sinnierte daraufhin Derjenige Welcher.

“Ganz genau und ich muss mir das gleich mal aufschreiben, aber wo ist mein Handy?”

“Schreib das doch direkt auf einen echten Zettel aus Papier und lass die alten Kulturtechniken nicht in Vergessenheit geraten, denn Bleistift und Papier sind das Schießpulver des Geistes.” sagte Derjenige Welcher.

“Ja, Papier ist geduldig.” erwiderte ich: „Und nur der kann schreiben wie ein Gott, der wie ein Hund gelitten hat.“

Derjenige Welcher reichte mir einen Diddl- Maus Notizblock, sowie einen Stift, aber weil das so lange dauerte, wusste ich nicht mehr, was ich eigentlich hatte aufschreiben wollen und ob das überhaupt Sinn ergab? 

“Nein MUSS man sagen, aber Ja WILL man sagen.” schrieb ich stattdessen auf.

“Stimmt nicht. Denn Kinder wollen NIE etwas und sagen zu ALLEM grundsätzlich nein.” fiel mir nun ein und deswegen sagte ich es zu Derjenige Welcher.

“…weil sie ein gesundes Misstrauen haben…und daher ist es umgekehrt: Nein WILL man sagen, aber Ja MUSS man sagen.“

merkte Derjenige Welcher an.

“Stimmt…“ setzte ich den Gedankengang fort:

„…Wenn ein Kind etwas nicht will, wenn es keine Lust auf Gemüse oder Zoobesuche hat, dann hast Du keine Chance, oder jedenfalls keinen schönen Tag im Zoo, wenn das Kind nicht dorthingehen, sondern stattdessen zu Hause bleiben wollte. Aber damit es zu einem funktionierenden Staatsbürger und Konsumenten heranwächst, lehrt man es, nach Möglichkeit immer JA zu allem zu sagen.” 

Derjenige Welcher ergänzte: “Dem Kind wird das Nein- Sagen mittels Belohnung und Strafe systematisch abtrainiert.”

Ich: “Mit Sätzen wie ‘Probier doch mal’, ‘Das kannst Du gar nicht beurteilen’, ‘Du wirst sehen, es ist ganz toll da.’ und so weiter.”

“Und als Erwachsener muss man sich das Nein – Sagen erst mühsam wieder selbst beibringen.”

schloss Derjenige Welcher.

Ganz genau:

Vom ursprünglich- wilden Dschungel- Nein zum domestizierten Ja führt der Lebensweg des Erleuchteten zurück zum Nein. 

Bieten sie im Prenzlauer Berg schon entsprechende Kurse an, oder haben Derjenige Welcher und ich da einen neuen Dreh gefunden?

“Heile dein inneres Kind- Komm zurück ins Nein .”

“Entdecke dein Nein.”

Sowas kann ein Leben lang dauern, wenn man nicht aufpasst. 

Ist das meine Lektion, Daddydarling Kosmosschatz? 

Soll ich durch Zurückweisungen lernen, zurückweisender zu werden? 

Wird man so lange Nein zu mir sagen, bis ich aufhöre, Ja sagen zu wollen?

ABER, wenn ich jetzt Ja zum Neinsagen sage, sage ich dann nicht schon wieder JA? 

Egal. Man kann auch mal damit aufhören, alles zu zergrübeln.

Ich lass das einfach mal so stehen, dass dies meine kosmische Lektion sein könnte:

Dass ich zum Nein zurück muss.  Dass ich mein Nein finden muss. Dass ich in mein Nein kommen muss.

Ungerecht! Als ob meine bisherigen Leistungen auf dem Gebiet nicht ausreichen würden. 

Ich war und bin doch immer schon ein großer Nein- Sager gewesen. 

“Bei jedem anderen wäre ich mit einer 2 in Deutsch zufrieden…” hat die Lehrerin beim Eltern- Kind- Gespräch neulich zu meiner Tochter gesagt. 

“…aber bei Dir reicht mir das nicht. Du bist zu klug für eine 2. Ich weiß, Du kannst das besser, also gib Dir mehr Mühe.” 

“Bei jedem anderen wäre ich mit einer 2 in Nein- Sagen zufrieden…”, sagt der Kosmos also zu mir. “Aber bei Dir reicht mir das nicht. Du bist zu klug für eine 2. Ich weiß, Du kannst das besser, also gib Dir mehr Mühe.”

Nein Sagen, Kosmos, Schwachsinn.

Ich muss einfach aufhören, mich emotional von irgendwelchen Hinterwäldlern abhängig machen lassen zu wollen, denen man in den Strohhütten, in denen sie großgetreten wurden, keine Manieren beigebracht hat.

Es ist schon beinahe 22:30. Ich muss nach Hause, bevor die Stadttore geschlossen werden und nur noch der Remmoclan und die Tschetschenen hohnlachend in den nächtlichen Wasserwerferstrahlen tanzen.

“Bis bald, behalte Deine gute Laune”, sage ich zum Abschied zu Derjenige Welcher.

“Ja klar, wo soll soll sie sonst hin.”  

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: