18/01/2021

Montag.

Berlin.

Der Taxifahrer war sehr gesprächig. Ich wollte nicht mit ihm reden, ich wollte gedankenversunken nächtliche Großstadtlichter an mir vorbeiziehen lassen. Ich wollte diese Infos nicht bekommen, aber ich bekam sie und nun habe ich sie, die Infos und gebe sie hiermit weiter: 

Gebrauchte Autos sind derzeit teuer, weil die Leute wegen der Corona- Krise Geld brauchen und daher hohe Preise verlangen. Aber wenn einer den Preis hochsetzt, dann machen die anderen das auch, wenn die vorher nachsehen, was für einen gebrauchten Peugeot derzeit genommen wird, und darum kostet der jetzt 5000 Euro statt 3000.

Mal was Anderes:

Weitsprung ist kein Breitensport, wie Fußball oder Tennis, Tischtennis oder Boule. Es gibt keine Weitsprungplätze in den Cities, an denen Freundeskreise sich treffen könnten, im friedlichen Wettstreit um den weitesten Sprung. Könnte doch eigentlich wie Darts sein. Man quatscht, trinkt ein Bierchen, bis man wieder dran ist, Anlauf nimmt und springt. Einer harkt, einer misst, einer schreibt auf, im steten Wechsel. 

Warum eigentlich nicht? Wegen des Übertretens. Mit Tiptop- Schritten, ich glaube, 60 waren es? Musste man damals, in meiner Jugend, den Losrennpunkt ermitteln, damit man beim Absprung nicht “übertrat”. Und das hat mich blockiert. Erstens weil ich die Logik nicht verstanden habe. Wieso sollten meine Tiptopschritte sich in meine Rennschritte umrechnen lassen. Und warum überhaupt und sowieso, was ist denn das Problem beim Übertreten? Dann zieht die paar Millimeter halt hinterher wieder ab. Warum soll denn dann der ganze Sprung ungültig sein? Beim Tennis beispielsweise sind doch auch nicht alle Punkte sofort weg, wenn jemand den Ball mal ins Aus schießt….Oder beim Fußball alle Tore raus aus der Wertung, beim allerkleinsten Fehler…

Ohne diese absurde Übertreten- Regel wäre Weitsprung vielleicht doch ein Breitensport geworden, wie Joggen, Billard oder Boule?

Ich würde gern mehr lesen, aber die allermeisten Romane haben mir zu große emotionale Amplituden, ebenso wie die allermeisten Filme oder Serien, sind sie mir nicht seicht genug, im positiven Sinne, um sie auszuhalten, um sie konsumieren zu können. 

Ich brauche momentan und schon immer, ein Seicht, ein Pastell, zum Lesen, Hören und Sehen. Keine harten grellen Farben, krassen Emotionen, davon habe ich selbst genug und zu viel. 

Ich brauche ein Pastell wie in Leif Randts “Allegro Pastell”, schon jetzt eines der Bücher meines Lebens würde ich sagen. 

“Allegro Pastell”, die tragisch- komische, maximal verlangsamte und doch so dichte Geschichte, in der zwei durch und durch perfekte, aber nicht zu perfekte und dadurch um so perfektere Menschen, archetypische Charaktere unserer Zeit, in dem ständigen Wunsch und Gefühl alles richtig zu machen und auch alles richtig machend, (wirklich!), mit den allerbesten Absichten und unter vollstem gegenseitigen Respekt einander und sich selbst gegenüber, ihre schöne Liebe und wunderbare Beziehung, maximalst reflektiert und in Zeitlupe, KOMPLETT gegen die Wand fahren. 

Meister Y wollte mich bei unserer letzten Begegnung von der Querdenker- Hymne: 

“Die Gedanken sind frei” überzeugen. Da wir uns lieben und aus eigener Erfahrung, habe ich ihm gesagt: “Schatz, wenn etwas nicht frei ist, dann die Gedanken.”

Die sind das Unfreieste überhaupt, im Grunde genommen, besonders wenn man emotional so angegriffen ist, wie ich, dann laufen sie total unfrei immer in den gleichen Bahnen und Kreisen herum und überhaupt und sowieso, bei den meisten Menschen immer im Kreis, ihr Leben lang. 

Und weil ich Meister Y liebe, obwohl seine Gedanken manchmal etwas quer und gar nicht frei sind, wusste ich dann doch wieder, dass ich ihn liebe. 

Dass ich ihn liebe, nicht nur aus einem “obwohl” sondern auch aus einem “weil” heraus, denn er verstand natürlich sofort, was ich meinte, denn dann sagte er:

“ICH bin frei. Wer kann mich erraten. ICH fliege vorbei, wie nächtliche Schatten.”

Ganz genau. 

Oh ja.

Da hatten wir dann wieder einen unserer magischen Momente.

Dann war der Moment vorbei, der Meister bekam wieder diesen starren Blick und sprach von “DENEN”, die uns versklaven wollen und Chips einimpfen und so weiter, er stellte so allerlei Behauptungen auf, bis ich genug hatte, bis ich aufstand, den Arm ausstreckte und spontan skandierte:

MASKE AUF IM NAHVERKEHR

CORONA WOLLEN WIR NICHT MEHR

HALTE ABSTAND
HALT IHN SCHNELL

DENN SONST STIRBST DU AUF DER STELL

SPERRT MAN DIE THEATER ZU

HAST VOR CORONA DU BALD RUH

WILLST DU, DAS DIE ZAHLEN SINKEN,

DARFST DU NACH 11 KEIN ROTWEIN TRINKEN

STOPP CORONA IN BERLIN

NIMM NACH ELF KEIN KETAMIN

ES HAT KEINEN SINN ZU SCHIMPFEN,

GEGEN COVID HILFT NUR IMPFEN

Naja. Er fands nicht lustig. Die Anderen erst schon, aber dann nicht mehr. Dann fand nur noch ich es lustig.

Na und?

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