14/01/2021

Donnerstag.

Berlin.

Seitdem ich alles entkalke, ist es zuhause schön und auch draußen wird es täglich schöner, denn die anderen Menschen bleiben auch alle zuhause und entkalken ihr Heim und schützen einander voreinander und darum kommt die Natur zurück.

Fuchs und Braunbär brummen einander an der Kreuzung Schönhauser Allee/ Eberswalder Straße gute Nacht ins Ohr, ein Wolf jault nachts unter meinen Fenstern den Mond an und am Senefelder Platz habe ich bei meiner täglichen Laufrunde Delfine gesichtet.

Sie sind nach Delfinart ein Stückchen mit mir geschwommen, weil sie sich an meinen Vibes fröhlichtherapieren wollten. 

Ich mag Delfine und helfe den dauerdepressiven Meeressäugern daher immer gerne, wenn ich sie sehe. Sie schwammen so lange mit mir, bis wieder ihr herrliches Delfinlachen ertönte und ich kehrte schleunigst nach Hause zurück.

Und wer bringt MICH jetzt gut drauf? fragte ich mich, nachdem ich die Wohnungstür aufgeschlossen, die Stiefelchen abgestreift und mich rückwärts aufs Bettchen fallengelassen hatte. (Ich war ganz außer Puste von der Schwimmerei.)

“Mit wem muss ich schwimmen, um wieder lachen zu können?” fragte ich mich, während ich schwer atmend Löcher in die Zimmerdecke starrte. 

“Mit dem Strom, Baby, mit dem Strom.” antwortete ich.

“Ja logo, go with the flow” sagte ich und wer mit dem Strom schwimmen will, muss ihn einschalten und zwar den Fernseher.

Also ging ich mit dem Flow, schaltete ich den Strom ein, und dann starrte ich nicht mehr an die Decke, sondern ließ Bilder in meine Augen strömen.

Im Fernseher lief, also floss, also strömte, eine Doku über den umgekehrten FLOW, also den WOLF. 

In der Doku ging man mit dem WOLF durch Wald und Wiesen, also man freute sich über den, neuerdings wieder dort, (auf seine Art) friedlich lebenden Wolf in Tschernobyl. 

Denn auch der Wolf ging mit dem Flow, strömte ins Strahlenland, ging nach Tschernobyl, ging dorthin, wo kein Mensch mehr sein mag, dorthin, wo ihn kein Mensch mehr metzeln mag. 

Denn, so wie auch in meiner Hood, im coronabedingt gesperrten menschenleeren Prenzlauer Berg, hat sich auch in Tschernobyl, die Natur den verstrahlten, vergifteten und für Menschen gesperrten Bezirk zurückerobert. 

Es sieht jetzt super aus in Tschernobyl, paradiesisch nämlich, wie das bei von den Menschen verlassener und infolgedessen unberührter Natur ja meistens der Fall ist. 

Paradiesisch, mit blühenden Apfelbäumchen in den verlassenen Gärten und schönen Wiesen auf denen vieltausend Blumen stehen.

Tschernobyl heute: Menschenleeres Märchenland. 

“Rüttel mich und schüttel mich, wir Äpfel sind alle miteinander reif”, werden die Apfelbäumchen im Herbst rufen, falls da zufällig doch mal eine kleine menschliche Goldmarie durch die Gegend streifen sollte. 

Die wird sich wundern: 

“Nanu? Sprechende Bäume? Oder wer spricht da überhaupt? Der Baum oder die Äpfel? ‘Rüttel mich und schüttel mich, wir Äpfel sind alle miteinander reif.’

Das ergibt doch keinen Sinn. Müsste der Baum nicht sagen: 

“Rüttel mich und schüttel mich- MEINE Äpfel sind alle miteinander reif?”

Oder aber: 

‘WIR Äpfel sind alle miteinander reif- Rüttel und schüttel unseren Baum?’

Bist du etwa so dumm, Baum, dass du nicht zwischen dir und deinen Äpfeln unterscheiden kannst? Oder bist du einfach nur total verstrahlt?”

Ja, die blühenden Apfelbäumchen in Tschernobyl sind verstrahlt, genau wie die kleine Goldmarie, die in der Hood unterwegs ist. 

Das Girl sollte froh sein, dass sie die Goldmarie ist und nicht die Hood, 

also die Red- Riding- Hood. 

Der gings nicht so gut im Märchenland, die wurde nicht von verpeilten Apfelbäumchen um Rüttelei und Schüttelei gebeten, sondern die wurde vom bösen Wolf gefressen. Und am Ende war sie einfach nur wieder lebendig, hatte aber nicht einen Penny mehr in der Tasche.

In Märchenland ist der Wolf böse. In Echt nicht. 

In Echt ist nicht der Wolf, sondern der Mensch, des Menschen Wolf. 

“Für den Wolf, ist ein Supergau, die einzige Chance in Frieden gelassen zu werden.” 

Mit diesem Satz endet die Doku über die glücklichen Wölfe in Tschernobyl und auch ich wünsche mir ein, zwei, viele Supergaus, denn da, wo es weniger Menschen und mehr Wölfe gibt, da ist das Paradies auf Erden. 

Für Wölfe jedenfalls.

1 Kommentar

Kommentieren

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: