05/01/2021

Dienstag.

Berlin.

Bin wohl zu tief ins 2021 reingerutscht. Oder wieso ist heute schon wieder Sonntag? Alles hat zu. Das muss das Impferno sein, von dem ich schon so viel gehört habe. Also gehe ich spazieren, betreibe ich Windowshopping, mache ich Wortspiele: Impferno, Impfernational, Impfekt, Impformation, Desimpformation und so weiter.

Ich gehe mitten in der Nacht spazieren. Also um 17 Uhr herum stapfe ich einsam durch tiefste Dunkelheiten.

Auf der Friedrichstraße, jetzt umweltfreundliche Fußgängerzone, ist niemand unterwegs. Aber in den extra aufgebauten Parklets sitzen welche herum. Wir winken einander zu und wünschen uns gegenseitig frohe neue Jahre. 

Das bestätigt meine Theorie, dass man sich aufgrund der geschlossenen Kontaktbörsen Bar oder Kneipe, jetzt einfach direkt auf der Straße ansprechen muss, wenn man sich gegenseitig anstecken will. 

Ganz bestimmt wird es darauf hinauslaufen. Wartets ab. Im Sommer wird man nur einmal ums Karree gehen müssen, wenn man jemanden kennenlernen will. 

Das wird dann meine fünfte Pubertät. Mit 17 habe ich Boyfriends aufgrund gemeinsamen Unterstellens in einer Hofdurchfahrt zum Schutz vor Regenwetter kennengelernt. Oder weil wir nachts den gleichen Weg zur S- Bahn hatten.

Oh nein. Das muss aufhören. Ich habe nur noch das EINE im Kopf. Habe ich gar kein anderes Thema mehr? 

Na, das ist, weil der Böse überraschenderweise nicht zurückschreibt. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Oder immer noch nicht. 

“Let no one live rentfree in your head.” Aber da ist nix zu machen. Mein Vermieter heißt “Deutsche Wähnen” und der bin ich.

Wie auch immer. Ich habe einfach noch zu wenig Ablenkung, um mich weiter zu entwickeln. 

Also, ich befinde mich nach wie vor in einem Prozess. So viel ist sicher. Ich befinde mich in einem Prozess, der dabei ist, sich in eine positive Richtung hin zu entwickeln, so würde ICH es jedenfalls formulieren. 

Jedenfalls, mir war heiß und da bin ich nach Westberlin gefahren, um da baden zu gehen. 

Die Ostberliner Badebuchten sind alle dicht, wegen Corona. Aber drüben herrscht NOCH Freiheit. Aber als ich aus dem Wasser kam, komplett nass von oben bis unten, konnte ich mir drüben kein Handtuch kaufen, wegen Corona und musste nass in den Osten zurück. 

Ja klar, es war ein Fehler von mir gewesen, mich nicht über die allerallerneuesten Sicherheitsmaßnahmen der Bundesministerländerkonferenz zu impformieren, aber ich will doch ab jetzt glücklich sein und im Glücksratgeber auf Instagram stand, man soll keine News lesen, weil die nur schlechte Laune machen und deswegen wusste ich nicht, dass die Westberliner Handtuchshops seit gestern, bis auf Weiteres schließen mussten. 

Ich habe zuerst gedacht, “huch ist denn schon wieder Sonntag, das ging aber schnell”, weil ich mich am Sonntag auch schon darüber gewundert hatte, dass der Lidl zu war. Aber das war nur, weil ich dachte, es sei Montag.

In Ostberlin, also auf der Friedrichstraße ab dem Checkpoint Charlie, waren die Handtuchläden noch geöffnet, aber es gab natürlich lange Schlangen überall. Maskenlose, nackte, nasse Westberliner ballten sich gierig um die Tresen. Da hatte die Politik mal wieder zu kurz gedacht. 

Ich umrundete das Trauerspiel weitestgehend und trocknete mich erst zuhause ab. 

Übermüdet fiel ich ins Bett und träumte, ich wäre endlich mal wieder tanzen und ich muss sagen, es war super, ich hatte jede Menge Spaß.

Nur noch im Traum raven gehen, ist auch gut. Wenn die Musik schlecht wird, wacht man einfach auf.

2 Kommentare

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Danke für den Link. Mit „Polyamourösen“ kann ich aber leider nur wenig Mitleid aufbringen. Finde das, mit oder oder ohne Pandemie, ein rundum abstoßendes und sogar extrem verabscheuenswertes Konzept.

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