Zum Baden dann heim

Mittlerweile habe ich keine Angst mehr vor Hunden. Ich habe gelernt zu respektieren, dass Menschen Hunde mögen. Und gelernt, Hunde nicht nur als Produzenten von Gebell, Bissen und Exkrementen zu begreifen. Ich habe gelernt, dass Hunde so viel mehr Aspekte haben.

Die Liebe und Treue eines Hundes sind einzigartig. Ja, viele Menschen sind der Meinung, mit einem Hund wäre das kalte und anonyme Großstadtleben leichter zu ertragen. Wollte ich früher noch Hunde in der Stadt komplett verbieten lassen, so habe ich nun meinen Frieden mit dem besten Freund des Menschen gemacht. Ich habe gelernt, dass es für mein seelisches Wohlbefinden besser ist, sich nicht über freilaufende, bellende, kläffende, schnuppernde, springende, schmutzige, pissende und kackende Hunde zu ärgern.

Ich habe mich mit der Existenz von Hunden in der Stadt und der Existenz der menschlichen Liebe zu ihnen abgefunden. Ich hätte mir ja beinahe mal selber einen zugelegt, ich habe ihn sofort ins Herz geschlossen, das war so eine Promenadenmischung, total süß, mit grauem Fell und… aber diese Geschichte erzähle ich andermal.

Aber Hunde auf dem Lande? An einem Brandenburger See? Die Badestelle sah neulich, als es noch sommerlich warm war am frühen Vormittag, so schön aus. Abgelegen, Sandstrand, grüne Wiese, grünes Wasser. Eine Zufallsentdeckung, ein Juwel, ein echter Geheimtipp. Ich breitete das Handtuch aus und ging baden. Aber dann kamen sie. Erst die Rentner mit den drei Golden Retrievern. Ohne Leine. Die Tiere rannten ins Wasser und wieder hinaus. Schüttelten sich. Liefen über die Wiese und markierten. Dann die Familie: drei Kinder, vier Hunde. Die liefen über den Strand, markierten und kläfften. Die Retriever kläfften zurück. Dann kam der Dackel und machte mit. Und immer so weiter, bis ein ganzes Hunderudel über den Sand tobte und über die Wiese tollte. Und überall hinpisste. Niemanden schien das zu stören.

Unbeschwert liefen die Menschen barfuß über Sand und Wiese, spielten froh mit Hund und Ball. Aber ich betrachtete den Ort nun mit anderen Augen. Hatte ich nicht bevor die Hunde kamen, noch ganz unbefangen hier gepicknickt? Den Käse und die Trauben mit den Händen gegessen, mit denen ich leichtfertig Kiefernnadeln von meinen Füßen geschnippt hatte, mit denen ich gerade noch durch Wasser, Sand und Wiese geschritten war? Also dort, wo sich jetzt die besten Freunde des Menschen wälzten und die Beinchen hoben? In Brandenburg ist das Netz so schlecht, statt also „Hundespulwurm“ zu googeln, trat ich den Rückzug an.

Zu Hause duschte ich sehr lange und wusch dann das Badehandtuch im Kochwaschgang. Ach, wie gern würde ich in einem muslimischen Land leben, dachte ich, denn dort gelten Hunde als unrein. Aber da wäre es dann wieder schwierig, als Frau alleine baden zu fahren.

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