Wer soll das alles aufräumen?

Kunst machen ist schwer, Kunst vermarkten noch viel mehr. Was eignet sich am besten? Insta, Facebook, Twitter, heiße Luft?

Die normale erfolglose bis mittelerfolgreiche Künstlerin hats nicht leicht. Ateliermieten, Materialkosten, der Kampf um Aufmerksamkeit, Verstandenwerden, Stipendien muss jeden Tag aufs neue aufgenommen werden. Und nebenbei muss ja auch noch die Kunst produziert werden.

Gerade im gebeutelten Berlin stellt das Künstlerleben einen Dauerproblemfall dar. 

Dafür gibt es jede Menge Industrieruinen, leerstehende Plattenbauten, Produktionshallen, Garagen, Scheunen, Bahnhöfe, Hütten, Paläste, die zu Künstlerhorten umgewandelt werden. 

Wenn die Künstlers Pech haben, werden die Horte nach einer Weile der Zwischennutzung an natürlich geldgierige Investorenheuschrecken verkauft. Wenn sie Glück haben, klinkt sich der Staat, Bezirk, Senat, mit ein und dann entstehen „Orte“.

Da werden dann die ganz großen Themen angefasst. Bienen, Nachhaltigkeit, Hochbeete, Yoga, Sozialarbeit. Die Kunst wird sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. Dielen werden abgezogen, Wände freigelegt und so entstehen zeitgeistkonforme Hippie- Retreats. 

So ändern sich die Zeiten. Hat man Künstler und Bohème nicht früher mal mit Drogenmissbrauch, Diebstahl, Raub, Brandstiftung, sexueller Gewalt, Anarchie und Kapitalverbrechen in Verbindung gebracht?

Die Kunstschaffenden von heute aber machen aufmerksam, legen den Finger in die Wunde, geben Stimme, essen Bio, kümmern sich um Klima, Fahrradwege, Bürgerrechte, Datenschutz, Demokratie und bekommen staatliche Fördergelder.

Kunst ist so ein schön weicher Standortfaktor und Gute- Laune- Garant.

Wer schon mal auf einer Vernissage war, weiß das.

Das Gute bei Vernissagen ist der Alkohol. Das Schlechte ist meistens die Kunst. 

Wer soll das alles aufräumen, fragt man sich angesichts der verwendeten preiswerten Materialien. 

Aus Geldmangel greifen Künstler*innen gerne mal auf Schrott oder altes Plastik zurück. 

In der Hoffnung, dass aus der Assemblage von alten Joghurtbechern, Treibholz, Lametta und rostigen Nägeln ein Mehrwert entstehen würde. 

Damit sich aus der Summierung alter Teile eine Summe ergibt.

Die Kunstschaffenden versuchen den alten Alchimist*innentraum zu leben, nämlich aus Scheiße Gold zu machen. Meistens geht das dann eher nach hinten los.

Scheiße bleibt Scheiße und die Künstler*innen brauchen dann Lagerraum für das Geraffel und der kostet wieder.

Die Schlauen bilden Künstler*innenkollektive in denen sich dann alle gegenseitig in Gruppenausstellungen hinein kuratieren.

Außerdem müssen all die zugezogenen Künstler*innen auch noch wahrgenommen werden, die es per Stipendium hierher verschlagen hat und umgekehrt. So finden sich dann deutsche Fotografinnen für zwei Wochen in Peking wieder und kolumbianische Performance- Aktivisten für drei Tage in Spandau. Denn was wäre die Welt ohne den “Fremden Blick”?

So lassen sich Reinickendorfer Pastellkreidezeichnerx für drei Monate in Mexiko- Stadt inspirieren und bringen farbenprächtige Sombrero- Straßenkinder Pastelle mit, während sich im Gegenzug die usbekische Konzeptkünstlerin kritisch mit den Resten der DDR Architektur in Karlshorst auseinandersetzt.


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