Tribüne statt Volksbühne oder Wenn Kuratoren schlecht wird, brechen sie Verträge

Die Volksbühne ist ein Theater und er macht da jetzt Tanz. Also nicht mal da. Sondern im Hangar. Tanz im Hangar sozusagen, das klingt gut.

Tanz im Hangar, statt Theater in der Volksbühne.

Das ist, wie als ob ich Air Berlin übernehmen würde, aber die Flugzeuge dann alle in Schönefeld stehen lasse, weil ich im Herbst erstmal in Stadtmitte auf Segways rumdüse, für die ich aber noch extra für ganz viel Geld eine Straße baue, die ich aber nur im September und Oktober benutze und vielleicht im Sommer, falls ich noch mehr Geld dafür bekomme.

Es gibt bestimmt Leute, die sich für zeitgenössischen Tanz interessieren, das ist voll ok. Wer sich für zeitgenössischen Tanz interessiert, der raubt alten Omas keine Handtaschen, würde ich jetzt mal so behaupten.

Das Theater bleibt also erstmal leer, stattdessen baut ein Architekt eine Tribüne für Tanz in einem Hangar am anderen Ende der Stadt.

Anscheinend ist die Tribüne jetzt kleiner als sie sein sollte und nicht rechtzeitig fertig geworden, jedenfalls nicht zum Pressetermin.

500000 Euro hat das gekostet, also 300000 die Tribüne und 200000  die Veranstaltungen, die dort stattfinden sollen.

Für 500000,- kann man sich eine ganz nette Wohnung im Prenzlauer Berg kaufen, oder vielleicht gleich ein ganzes Theaterchen in Marzahn bauen lassen.

Statt einem Tribünenrund mit 1000 Plätzen wie geplant, ist da jetzt nur ein Tortenstück mit 400 Plätzen, weil es nicht genug Geld gab. Was will er denn haben, um arbeiten zu können?

1 Million?

Jetzt haben wir eine selbstgebaute Tribüne für 400 Plätze für 14 Vorstellungen für 500000 Euro.

Macht 1250 Euro pro Platz. Wenn man eine Karte für knapp 90 Euro verkauft und die 14 Vorstellungen, die da im Herbst stattfinden sollen, jedes mal komplett ausverkauft, dann haben sich die Kosten amortisiert.

Denn: 90 Euro mal 400 Plätze mal 14 Vorstellungen macht 500000 Euro.

Das ist ja echt ein Knallerkonzept.

Ich habe aber ein besseres:

Mobile Tribünen stehen doch im ganzen Land rum, das kann doch nicht so schwer sein, sowas zu leasen. man muss doch erst mal gucken, wie es läuft, bevor man sich Tribünengerüste bauen lässt.

Ok, ich habe das mal gegoogelt. Man kann eine Tribüne mit 120 Plätzen für drei Tage für 1980 Euro mieten. Ist natürlich voll hässlich. Aber wer sagt denn, das Tribünen schön sein müssen.

Kann denn selbst die schönste Tribüne schöner sein, als die Volksbühne am Rosa LuxemburgPlatz?

Eben.

Die Volksbühnen-Tribüne hat 400 Plätze.

Im Volksbühnen- Spielplan stehen für das Tempelhofer Hangar für September/ Oktober wie gesagt, insgesamt 14 Veranstaltungen drin.

Ende Oktober soll die Volksbühnen Tribüne ja erst mal eingelagert werden um sie vielleicht im Sommer, und/ oder im Herbst wieder rauszuholen. Aber nur wenn es noch mehr Geld gibt.

Also, wenn man jetzt vier Tribünen mieten würde, statt sie für 300000 Euro selber gebaut gelassen zu haben, hätte man schon mal 500 statt 400 Plätze.

Denn eine Tribüne mit 120 Plätzen mal vier, ergibt 500 Plätze.

Also, noch mal: vier Tribünen, insgesamt 500 Plätze, für drei Tage mieten, kostet 7920 Euro, bzw. pro Tag: 1980,-

1980 Euro mal 14 (weil ja erstmal 14 Veranstaltungen geplant sind) macht: 27720 Euro Tribünenkosten.

Plus 200000 für die Veranstaltungen. Tanzen ist ganz schön teuer. Kennt man ja. An so einem Kater Holzig Wochenende sind auch schnell mal 200 Euro weg.

Schlagen wir mal noch Trinkgeld, Versicherung, Transportkosten, Personal, Verwaltung etc. drauf. Verdoppeln wir spaßeshalber mal die 27720 Euro und runden ein bißchen ab. Dann haben wir fünfzigtausend Euro Tribünenkosten, statt dreihunderttausend.

Gern geschehen.

Man könnte das gesparte Geld behalten, falls man mal wieder eine Tribüne mieten will, weil man keine Lust auf die Volksbühne hat und statt dessen einen Flughafen bespielen möchte. Oder einen Busbahnhof, oder sonst irgendwas. Tribünen kann man ja überall hinstellen. Sie sind flexibel und mobil wie so ein moderner Mensch.

 

 

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Published on: September 7, 2017

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4 Responses to Tribüne statt Volksbühne oder Wenn Kuratoren schlecht wird, brechen sie Verträge

  1. Tihana Kljaic sagt:

    Die beste Beschreibung vom Dreckkorn und dem ganzen absurd was der EgoTyp da herumtreibt.
    So humorvoll und auf den Punkt gebracht!

  2. ben sagt:

    Vielleicht ist die Bühnengeschichte ja teil eines genialen Sanierungskonzepts?!Fragt sich bloss ,wer die dann leiht?Anderer Theater?Wohl kaum!

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